Leserbrief
Wieder sagen uns Jugendliche, was wir zu tun haben...

Zu verwöhnten Jugendlichen

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Die Medien sind wieder voll davon: Verwöhnte Jugendliche schwänzen die Schule und demonstrieren für das Klima. Aber wo es wirklich wehtut, nämlich bei den elektronischen Geräten, bei den Kleidern, bei der Kosmetik, beim Reisen sind sie kein Vorbild. Sie verschmutzen die Welt, wie es unsere Grosseltern nach den Weltkriegen nie getan hätten. Aber ihnen die Schuld an allem zu geben, ist ja so einfach.

Was mich jedoch echt beunruhigt: Die ganze weltweite Politikerelite hängt einer 16-jährigen schwedischen Marionette blind an den Lippen. Es gab in der Weltgeschichte einige jugendlichen Genies, aber 99 Prozent der echten Weisheiten kamen von alten Frauen und Männern mit Erfahrung und Überblick. Sollten die Klimaprobleme wirklich lösbar sein, dann können das nicht Kinder lösen. Ich bleibe jedoch so oder so bei meiner Meinung, dass wir mit der Fokussierung auf das Klima alle anderen echten Probleme vernachlässigen und unsere Welt wirklich zerstören. Das Klima ist nicht beeinflussbar und kein Umwelt-, sondern ein Anpassungsproblem. Wer das jedoch zugäbe als Politiker, müsste endlich anfangen, sich mit den echten Problemen zu beschäftigen und müsste aufhören zu träumen. Das bedingte einiges mehr, als dem Mainstream nachzuplappern und am Freitag zu demonstrieren.

Schauen wir zurück: Die 68-er waren fast alle verwöhnten Jugendlichen aus gutem Haus. Kaum war der Hype verflogen, handelten sie wie ihre Eltern, und ausser einem verkorksten Schulsystem haben sie uns nichts hinterlassen. Selbst bei der Gleichberechtigung sehen wir heute den Schlamassel, in den sie uns reingeritten haben. Sie haben die Saat zu einem Geschlechterkrieg gesät. Herbert Grönemeyer sang 1986: «Gebt den Kindern das Kommando. Sie berechnen nicht was sie tun», dann zeigt dies das, was heute abläuft, statt Probleme zu lösen, himmeln wir Kinder an und glauben, sie könnten Probleme lösen. Das Einzige, was sie tun können, ist, angeführt von wenigen Manipulatoren, uns zum Nachdenken anzuregen. Aber ich merke von dem Nachdenken nicht das Geringste.

Michel Ebinger, Rotkreuz