WINTER: Wildtiere: «Jede Störung ist eine zu viel»

Die Wildtiere haben ihre Reserven wegen des argen Winters weitgehend aufgebraucht. Jetzt braucht es Rücksicht, findet in Zug die Direktion des Innern.

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Ein Fuchs des Nachts in einem verschneiten Zuger Wald auf Nahrungssuche. (Infrarotbild Amt für Fischerei und Jagd)

Ein Fuchs des Nachts in einem verschneiten Zuger Wald auf Nahrungssuche. (Infrarotbild Amt für Fischerei und Jagd)

Die Lebensbedingungen seien für die Wildtiere hochwinterlich, obschon gemäss Kalender der Frühling naht, wie es in einer Medienmitteilung heisst. Das Auf und Ab der Temperaturen, verbunden mit einem Wechsel von Schnee und Regen, bringe die Gefahr des überfrierenden Schnees. In verschiedenen Gebieten liege der Schnee aussergewöhnlich hoch für die Jahreszeit. Die Wildtiere bräuchten deshalb viel Energie, um an Nahrung zu kommen. «Falls die Schneedecke wegen Regen und anschliessender Kälte überfriert, wird die Situation für Rehe, Gämsen und Hirsche prekär», wird Peter Ulmann, Amtsleiter für Fischerei und Jagd, zitiert.

Keine artgerechte Fütterung möglich
Die breiten Pfoten der Raubtiere tragen diese auf dem Schnee. Die schmalen Läufe der Huftiere jedoch brechen durch den Firn ein. Im hohen Schnee sinken die Huftiere bis zum Bauch ein und kommen schlecht voran. Die Flucht vor Feinden ist deshalb kaum möglich. Jede Störung ist eine zu viel. Jagende Hunde können die normalerweise viel schnelleren Huftiere sogar stellen. Die Wildtiere schränken ihre Aktivitäten auf ein Minimum ein. Sie zehren von ihren letzten Reserven. Damit sie in solchen Notzeiten überleben können, senkt sich ihr Stoffwechsel. Wenn die Wildtiere gestört werden und fliehen müssen, kostet sie dies extrem viel Energie. Der Energieverlust kann wegen der Futterknappheit kaum wieder gedeckt werden. Die Wildtiere können auch nicht artgerecht gefüttert werden. Krankheiten werden an Futterstellen leicht übertragen und die Wildtiere würde sich ihren Raubfeinden quasi auf dem Teller präsentieren. Heu bietet keine Alternative. Heu als Notfutter ist für Rehe völlig ungeeignet; es würde sie krank machen.

Die Wildhut und Jägerschaft beobachten die Situation aufmerksam. Notmassnahmen wie Brombeerpflanzen freilegen oder zusätzliche Tannen schlagen, müssen im konkreten Einzelfall beurteilt werden, wie die Direktion des Innern miteilt. Aber auch solche Notmassnahmen stören die Wildtiere und können sie aufschrecken. Am wirkungsvollsten ist es, das Wild unter keinen Umständen zu stören.

scd