WINTERDIENST: «Die Arbeit geht uns deshalb nicht aus»

Seit November stehen Schneepflüge und Salzstreuer bereit. Der Winter ist aber noch fern. Die Werkhofmitarbeiter freuts, sind aber trotzdem fleissig – und nicht nur das.

Wolfgang Holz
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Blitzblank, in Reih und Glied: Im Werkhof Cham warten die Pflüge auf den ersten Schnee. (Bild Stefan Kaiser)

Blitzblank, in Reih und Glied: Im Werkhof Cham warten die Pflüge auf den ersten Schnee. (Bild Stefan Kaiser)

Wolfgang Holz

«Das Wetter ist genial, wir könnten ohne Weiteres bis Weihnachten auf den Schnee verzichten», räumt Markus Schuler ein. Der Interimschef im Chamer Werkhof freut sich über die momentan milde Witterung mit Temperaturen bis zu 18 Grad Celsius, die dem November das Flair eines vorzeitigen Frühlings bescheren. Die Chamer Werkhofmitarbeiter werkeln deshalb auch noch im Grünen. Sprich: «Wir kümmern uns im Augenblick um die Umgebungsgestaltung des Technikums, pflegen die Rabatten, baggern um», berichtet Schuler von der Wärmefront. Oder man sammle beispielsweise das Laub zusammen und bringe Kinderspielplätze wieder auf Vordermann – anstatt Strassen zu salzen. «Jede Woche, in der wir nicht salzen müssen, geben wir nicht Tausende von Franken aus.»

200 Tonnen Salz eingekauft

In der Tat. Was können die Gemeinden eigentlich gerade jetzt an Steuergeldern sparen, wenn die Schneepflüge nun nicht ausrücken und die Strassen nicht vom Eis befreit werden müssen? So einfach lässt sich das nicht beziffern – wie Eduard Zumbach vom Werkhof Baar klarstellt. Das hänge eben ganz davon ab, wie viel Schnee und Eis auf den Strassen lägen. «Aber eine Woche Volleinsatz mit Schneepflug und Salzen kommt uns schnell auf 30 000 bis 40 000 Franken und mehr», schätzt der Baarer Werkhofleiter. Wobei man von Sparen eigentlich nicht reden könne: «Denn das Geld ist ja im voraus budgetiert und wird daher einfach nicht ausgegeben.» Sorgen machen müssen sich die Baarer über den kommenden Winter trotzdem nicht. Zumbach: «Wir haben im Sommer schon 200 Tonnen Salz eingekauft, und alle Gerätschaften für den Winterdienst sind selbstverständlich parat», so der Baarer Werkhofchef. «Trotzdem sind wir momentan sehr glücklich über das warme Herbstwetter», sagt Zumbach. Zum einen stehe nämlich am Wochenende die Baarer Chilbi auf dem Programm: «Da kann man noch prima vorher das Laub wegnehmen.» Zum anderen sanieren die Mannen in Baar nun die Rasenflächen in der Gemeinde – wie etwa den Fussballplatz auf der Dorfmatt.

«Die Arbeit geht uns wegen der warmen Witterung nicht aus», versichert auch Roland Henggeler, Werkhofleiter in Oberägeri. Sagts und spricht damit nicht nur an, dass seine Mitarbeiter mangels Eis und Schnee noch Arbeiten auf den Strassen und Wanderwegen vornehmen könnten. «Unsere Leute sind aufgrund des Wassermangels sehr damit beschäftigt, Seewasser aufzubereiten, um wegen der Trockenheit die Trinkwasserversorgung zu garantieren.» Weitere Vorteile des Novemberfrühlings, der laut Wetterprognosen noch über diese Woche hinaus fortdauern soll: «An jedem Tag ohne Schnee müssen wir keinen Pikettdienst morgens um vier Uhr aufbieten», verrät Henggeler. Will heissen: Die Werkhofmitarbeiter brauchen nicht schon mitten in der Nacht aus den Federn zu kriechen. «Zudem können wir im Augenblick Überstunden abbauen.»

100 000 Franken pro Woche sparen

Das warme Wetter hat also nur Vorteile für die Werkhöfe der Zuger Gemeinden. Das gilt auch für den Winterdienst des Kantons, der für die Sicherheit auf den Kantonsstrassen verantwortlich ist. «Ja, wir sind erleichtert. So haben unsere Mitarbeitenden weniger Wochen­end- und Nachteinsätze», berichtet Alois von Euw, Bereichsleiter Betrieb, vom Tiefbauamt des Kantons, Abteilung Strassenunterhalt. Der Strassenunterhaltsdienst des Kantons Zug führe zurzeit eben Gehölzpflege- und Reinigungsarbeiten sowie Reparaturen entlang der Kantonsstrassen aus. Alle Geräte und Maschinen für den Winterdienst seien einsatzbereit. Für die Schneeräumung und Glatteisbekämpfung stehen dem kantonalen Strassenunterhaltsdienst 28 Räumungsfahrzeuge, davon 10 Lastwagen, zur Verfügung.

Was den Spareffekt für den Kanton angeht, der in Gestalt seines Entlastungsprogramms ja in den verschiedensten Bereichen den Rotstift ansetzt, erscheinen die milden Temperaturen geradezu ideal. Von Euw: «Die Einsparungen des Winterdiensts sind zwar stets abhängig von der Intensität der Schneefälle. Eine durchschnittliche Woche Winterdienst der Kantonsstrassen kostet zirka 50 000 bis 100 000 Franken.» Da herrscht im übertragenen Sinn viel Sonnenschein.

Apropos. «Unsere Mitarbeiter liegen im Liegestuhl und warten auf den Schnee», witzelt Reto Schmuki vom Werkhof Menzingen. Nein, seine Mitarbeiter beschäftigen sich derzeit schon mit Frühlingsarbeiten. Oder holen die Weihnachtsbeleuchtung hervor. «Was gemacht ist, ist gemacht», so die Philosophie Schmukis. Der Schnee kann jetzt echt kommen.