WINTERDIENST: «Die Schwarzräumung ist zu teuer»

Sieben Mal hat es am Montagabend gekracht wegen Schnee und Eis auf den kantonalen Strassen. Wird auf Zugs Strassen zu wenig geräumt?

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Diese winterliche Fahrt endete am Kandelaber an der Schochenmühlestrasse in Baar. (Bild: Zuger Polizei)

Diese winterliche Fahrt endete am Kandelaber an der Schochenmühlestrasse in Baar. (Bild: Zuger Polizei)

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Montagabend. Nach 22 Uhr. Es schneit stark. Auf der Magistrale zwischen Baar und Zug kommt man sich schon fast vor wie in Davos auf der Promenade so viel Schnee liegt auf der Strasse. Weiter nördlich, im Zentrum von Baar, auf der Dorfstrasse, könnte man sogar eine Loipe spuren – so viel Weiss bedeckt das Schwarz. Wahrlich eine winterliche Idylle, würde es sich nicht um kantonale und gemeindliche Hauptverkehrsachsen handeln. Ein Schneepflug fährt nicht mehr. Warum eigentlich nicht? Die Strassen sind ja nicht geschlossen.

Eingeschränkte Einsätze

«Die Winterdiensteinsätze werden gezielt geplant und gefahren», erklärt Alois von Euw. Bei länger andauernden Schneefällen werde in der Nacht zwischen den letzten und den ersten Busfahrten der Schneeräumungsdienst eingeschränkt, so der Bereichsleiter des kantonalen Tiefbauamts. Gemäss kantonalem Winterdienstkonzept werden die vorgegebenen Routen innert zwei Stunden einmal geräumt. Davon war im Fall der Baarerstrasse nach 22 Uhr aber nicht viel zu sehen. «Im Kanton Zug werden zirka 95 Prozent der Kantonsstrassen vom öffentlichen Verkehr benutzt. Diese Kantonsstrassen werden im Winterdienst priorisiert», präzisiert von Euw.

Das heisst, dass Autofahrer und andere Fahrzeuge, von denen es bald 100 000 zugelassene im Kanton Zug gibt, in den späteren Abendstunden gewappnet sein müssen, bei Schnee über weisse Strassen zu schlittern. Dabei sind von den sieben erwähnten Unfällen im Kanton Zug zwischen Montagabend und gestern Morgen (siehe Box) drei schon während des Berufsverkehrs passiert und drei zwischen 19 und 5 Uhr morgens. Im Morgenverkehr, nachdem die kantonalen und gemeindlichen Schneeräumer im Grosseinsatz unterwegs waren, hat sich dann nur noch ein Unfall ereignet. Zwischen Weihnachten und Neujahr schneite es übrigens ähnlich stark in Zug, aber da waren Unfälle Fehlanzeige. Grund: Viele Zuger weilten in den Ferien oder zu Hause.

«Wir hatten gestern unseren strengsten Tag in Sachen Schneeräumung», schildert Baars Werkdienstleiter Eduard Zumbach. In Baar seien bei solch starken Schneefällen wie am Montagabend vier Schneepflüge, drei Kleinsttraktoren sowie fünf bis sechs Landwirte für die Gemeinde im Einsatz. «Dass Achsen wie die Dorfstrasse nach 22 Uhr nicht mehr geräumt werden, hat damit zu tun, dass es nichts bringen würde wenn es durchschneit», so Zumbach. Ganz zu schweigen von den notwendigen Ruhezeiten der Chauffeure. Vor allem sei eine Schwarzräumung kostenmässig nicht mehr zu leisten. «Und die Strassen waren am Montagabend absolut einwandfrei und fahrbar.» Für jenen Autofahrer, der in den Kandelaber auf der Baarer Schochenmühlestrasse krachte (Bild), offensichtlich nicht mehr.

Die Sache mit den Sommerpneus

Auch in Unterägeri gibt es aus Kostengründen keine Schwarzräumung. «Weil es nicht ökologisch ist», sagt Werkdienstleister Urs Muff. Aber geht die Sicherheit nicht vor? «Man muss eben angepasst fahren.» Wobei Muff jene Autofahrer, die trotz Schnee und Eis mit Sommerpneus unterwegs sind, gerne «irgendwohin schicken würde». Doch Winterpneu-Verweigerer werden nicht nur vom Gesetzgeber mit Glacé-Handschuhen angefasst. In der Schweiz herrscht ja anders als in vielen europäischen Ländern keine Winterpneu-Pflicht. «Bei Unfällen mit Sommerpneus gibt es keine fixen Bussen», lässt Marcel Schlatter, Mediensprecher der Zuger Strafverfolgungsbehörden, wissen. Das Strafmass hänge vom Staatsanwalt ab. Auch Autoversicherer lassen Gnade walten. «Sommerreifen an sich bedeuten im Winter noch nicht automatisch eine grobe Fahrlässigkeit mit entsprechenden Leistungskürzungen», versichert Anna Ehrensperger von der AXA-Winterthur. Wer etwa im Mittelland auf dem Nachhauseweg von der Arbeit unterwegs sei und trotz vorsichtigem Fahrstil in einer vereisten Kurve von der Fahrbahn gerate, erhält auch mit Sommerpneus den vollen Versicherungsschutz. «Ausschlaggebend ist insbesondere das Fahrverhalten, das den Strassenverhältnissen und der Ausrüstung des Fahrzeugs angepasst sein muss», so Ehrensperger. «Wer mit Sommerreifen bei Schnee unterwegs ist, muss also besonders vorsichtig und vorausschauend fahren.»

Vorderthal / SZ: Bei einem Selbstunfall auf der Wägitalstrasse verletzt sich die Lenkerin mittelschwer. (Bild: Kapo Schwyz)
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Ufhusen / LU: Bei einer Frontalkollision wurde ein 24-jährige Autofahrerin schwer verletzt und in ihrem Fahrzeug eingeklemmt. (Bild: Luzerner Polizei)
Sie musste von der Feuerwehr Willisau aus dem Auto geborgen und mit der Ambulanz ins Spital gebracht werden. (Bild: Luzerner Polizei)
Baar / ZG: Auf der Schochenmühlestrasse schlitterte ein Autofahrer in diese Strassenlaterne. (Bild: Zuger Polizei)
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Die Frau wurde von der Feuerwehr geborgen und mit mittelschweren Verletzungen ins Spital gebracht werden. (Bild: Kantonspolizei Solothurn)
Härkingen / SO: Auf schneebedeckter Strasse kam eine Frau von der Strasse ab und prallte in die Bäume. (Bild: Kantonspolizei Solothurn)

Vorderthal / SZ: Bei einem Selbstunfall auf der Wägitalstrasse verletzt sich die Lenkerin mittelschwer. (Bild: Kapo Schwyz)