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Baar: Beim Claro Stadtrundgang mussten sich die Teilnehmer selbst hinterfragen

Berichte von Blut im Handy und von Sand in der Jeans: Beim Claro Stadtrundgang am Samstag ging es um die wirtschaftlichen Bedingungen im Süden und um menschenwürdige Alternativen dazu.
Christian Tschümperlin
Maria Greco (mitte) zeigte der Gruppe den Hofladen auf dem Sternenhof, wo es saisonale Produkte gibt. (Bild: Roger Zbinden (Baar, 11. Mai 2019))

Maria Greco (mitte) zeigte der Gruppe den Hofladen auf dem Sternenhof, wo es saisonale Produkte gibt. (Bild: Roger Zbinden (Baar, 11. Mai 2019))

Die Begriffe Nachhaltigkeit und Fair-Trade sind in aller Munde. Doch noch immer ist es eine Minderheit, die sich im täglichen Leben dafür einsetzt. Am Samstag traf sich eine Gruppe von Interessierten am Nachhaltigkeits- und Fair-Trade-Gedanken zu einer Führung durch das Baarer Innendorf. Maria Greco, Geschichtenerzählerin aus Baar, zeigte den Konsumentinnen und Konsumenten, auf was es beim Einkaufen ankommt, damit es den Menschen im Süden besser geht. Organisiert wurde der Anlass vom Claro Weltladen, der an dem Tag sein 45-jähriges Jubiläum feierte.

Erste Station des Rundgangs war der Bauernhof Sternenhof der Familie Andermatt in Baar. Dort gibt es saisonale und regionale Produkte zu kaufen wie Früchte, Gemüse oder Eier. Greco erläuterte die Hintergründe: «Bei den Grossverteilern kann man Erdbeeren für fünf Franken erstehen.» Das möge zwar bequem sein. Doch: «Viele dieser Lebensmittel werden beispielsweise in Spanien und Marokko unter armseligen Bedingungen produziert.» Bezahlt würden Hungerslöhne von 32 Euro am Tag. Geko bezog sich damit auf Recherchen des Kassensturzes vom 6. März 2018. Und nicht nur das: Weil das Grundwasser für die Bewässerung riesiger Plantagen entnommen werde, sacke in ganzen Landstrichen der Grundwasserspiegel ab, was den dortigen Menschen die Lebensgrundlagen entziehe. «Wir Konsumenten können es aber steuern: Wollen wir wirklich Erdbeeren im Februar kaufen und Spargeln im März?», fragte Greco danach in die Runde.

Beim nächsten Halt ging es um das Thema Fleisch. Greco schlug vor, auch über den Fleischkonsum kritisch nachzudenken. Man solle regional produzierte Produkte denen aus dem Ausland vorziehen. Denn um ein Kilogramm Fleisch zu produzieren, würden 7 bis 16 Kilogramm Getreide gebraucht. «Weltweit leiden aber sehr viele Menschen an Hunger», so Greco.

Alle 18 Monate ein neues Handy

Aber es sollte noch dicker kommen: Als Nächstes ging es ums Blut in den Handys. Herr und Frau Schweizer kaufen im Schnitt alle 12 bis 18 Monate ein neues Handy. Die Rohstoffe dafür werden beispielsweise im Kongo und anderen Konfliktgebieten gewonnen. Diese werden nach China transportiert, wo chinesische Arbeiter diese unter sehr schlechten Bedingungen zum Handy weiterverarbeiten. «Ein Prozent betragen die Lohnkosten für ein iPhone, rund 50 Prozent streicht Apple als Gewinn ein», so Greco. Besser sollten die Konsumenten, ihr Handy reparieren lassen oder gleich ganz aufs Fairphone setzen.

Dann ging es unseren Kleidern an den Kragen. Greco erzählte, wie sie einst an einem Fest Aisha, eine junge Türkin, kennengelernt habe. Deren Bruder hat in einer der unzähligen türkischen Fabriken gearbeitet, die Kleider für Europa produzieren. Und dieser musste dort tagtäglich Jeans sandstrahlen. Davon wurde er krank. Die Fabrikbesitzer stellten ihm weder Schutzkleider zur Verfügung noch bezahlten sie den Mindestlohn. 2009 hat die Türkei das Sandstrahlen verboten. Mit dem Resultat, dass die Firmen ihre Produktion kurzerhand nach Bangladesch auslagerten. Von Aisha hat sie aber auch erfahren, dass es Textilhersteller gibt in der Türkei, die fair produzieren. Ihre Kleider sind mit FWF (Fair Wear Foundation) gelabelt. «Statt das Geld in Markennamen zu stecken, sollte man es besser für ein solches Label ausgeben», bemerkte die anwesende Gemeinderätin Berty Zeiter treffend.

Zum Schluss lud der Claro Weltladen zu einem fairen Apéro, bei dem die Gruppe den Morgen ausklingen liess.

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