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René Windlin: «Wir müssen aufpassen, dass nicht alles automatisiert wird»

Am 14. September feiert der Gewerkschaftsbund (GBZ) des Kantons Zug sein 80-jähriges Bestehen. Im Interview äussert sich GBZ-Präsident René Windlin zu speziellen Orten in Zug und er sagt, welche Herausforderung ihm Angst macht.
Livio Brandenberg
René Windlin vor dem Restaurant Bären, wo der Gewerkschaftsbund des Kantons Zug gegründet wurde. (Bild: Daniel Frischherz (10. September 2018))

René Windlin vor dem Restaurant Bären, wo der Gewerkschaftsbund des Kantons Zug gegründet wurde. (Bild: Daniel Frischherz (10. September 2018))

Der Gewerkschaftsbund des Kantons Zug (GBZ) wird 80 Jahre alt. Am Freitag wird das Jubiläum mit einem Stadtrundgang und einer Podiumsdiskussion gefeiert. Im Interview sagt Präsident René Windlin, warum es den GBZ auch in 80 Jahren brauchen wird.

René Windlin, wie begehen Sie das Jubiläum?

Wir wollen auf jeden Fall ein wenig zurückschauen. In Zug haben wir einige markante Stellen, die wir auf unserem Stadtrundgang anschauen gehen. Und wir wollen das Jubiläum dazu nutzen, um das eine oder andere Anliegen wieder in die Öffentlichkeit zu rücken. Etwa die Lohngleichheit zwischen Mann und Frau oder die Regulierung und Einhaltung der Arbeitszeiten. Es geht auch darum, diese Errungenschaften zu verteidigen. Wir wollen uns also bemerkbar machen als Arbeitnehmervertretung in Zug.

Sie haben Stellen in Zug erwähnt. Von welchen Orten sprechen Sie und inwiefern spiegeln diese die «veränderte Wirtschaftslage und die Verwerfungen des Strukturwandels» wider, wie es in der Einladung zum Jubiläumsanlass heisst?

Ein sehr schönes Beispiel ist das Metalli, wo früher eine industrielle Produktion stattfand. Heute ist es ein Konsumtempel. Darum ist das Metalli auch auf dem Flyer dargestellt. Und ich mag mich beispielsweise erinnern, als ich in meiner Jugend vor der L+G 1.-August-Abzeichen verkauft habe. Da sind die Arbeiter morgens nur so reingeströmt. Heute haben wir hier viel mehr Dienstleistungsfirmen. Arbeitnehmer in diesen Branchen sind natürlich auch Arbeitnehmer, doch sie sind weniger gewerkschaftsnah. Man kann auch beobachten, dass heute viele junge Leute sagen: «Ich habe einen Job, es geht mir ja eigentlich gut.» Doch dieser Zustand wurde erreicht durch den Abschluss von Gesamtarbeitsverträgen, und um solche abzuschliessen, braucht es Organisationen, die sich den Arbeitnehmerrechten annehmen.

Schauen wir zurück: Wie hat sich die Arbeit des Gewerkschaftsbundes über die Jahre verändert?

Ich bin noch nicht so lange dabei, um Jahrzehnte zurückzublicken. Was heute anders ist im Vergleich zu vor ein paar Jahren, als ich in den Vorstand kam: Wir machen uns eher bemerkbar in den Medien, verschicken Mitteilungen und haben eine aktuelle Website. Unsere Möglichkeiten, aktiv zu sein, sind einigermassen beschränkt, wir sind alle «Milizer» und wir haben auch kein Profisekretariat.

Wird der GBZ aus Ihrer Sicht denn ernst genommen?

Ja, wir werden von den Zuger Behörden eingeladen zu Vernehmlassungen. Auch suchen wir den Kontakt mit der Regierung, seit ein paar Jahren treffen wir uns regelmässig zu Gesprächen. Wie es früher war, kann ich weniger gut beurteilen, doch heute werden wir sicher wahrgenommen.

Welches sind die aktuellen und künftigen Herausforderungen für die Arbeitnehmer?

Im Moment ist das sicher die Digitalisierung, welche nicht nur zum Verschwinden gewisser Arbeitsplätze oder Berufsgattungen führt, denn es entstehen ja auch Jobs. Doch wir müssen aufpassen, dass nicht alles total automatisiert wird. Die Leute müssen ja ein Erwerbseinkommen erzielen können. Wir können nicht eine Heerschar von Arbeitslosen produzieren. Und mir macht die Digitalisierung insofern ein wenig Angst, als Leute zurückgelassen oder sogar fallen gelassen werden könnten. Die Arbeitgeber sind in der Pflicht, die Angestellten zu schulen und «mitzunehmen». Weiter läuft Verschiedenes auf gesetzlicher Ebene, zum Beispiel bei der Arbeitszeitregulierung. Hier sehen wir die Tendenz, dass die Arbeitszeiten immer weniger erfasst werden und die Leute permanent erreichbar sein sollten. Und gleichzeitig redet man von Vereinbarkeit von Arbeit und Familie sowie von Work-Life-Balance. Und grosse Sorge bereitet uns die Altersvorsorge. Man sollte nach der Pensionierung sicher den Lebensstandard halten können. Denn Rentnerinnen und Rentner sind ja auch gute Konsumenten. Das sollten wir nicht vergessen.

Zum Schluss: Wo steht der GBZ in 80 Jahren?

Ich sehe keinen Grund, warum es uns dann nicht mehr geben sollte. Ich gehe davon aus, dass es weiterhin Arbeitnehmervertretungen braucht, denn auch die Arbeitgeber sind in Zusammenschlüssen organisiert. Ich glaube auch nicht, dass sich die Gewerkschaften im Nichts auflösen werden.

Treffpunkt für den Stadtrundgang ist der 14. September, um 17.45 Uhr vor dem Restaurant Bären. Anschliessend finden ein Apéro und eine Podiumsdiskussion statt, ebenfalls im «Bären».

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