Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Zwei Zuger Kindergärtner: «Wir müssen aus der Reihe tanzen»

Im Kanton Zug gibt es nur gerade eine Handvoll männliche Kindergärtner. Im Gespräch verraten zwei davon, was der Beruf für sie ausmacht und wie es ist, in einer «Frauendomäne» tätig zu sein.
Laura Sibold
Für sie ist die Kindergartenstufe eine Berufung: Severin Hofer (links) und Alex Kälin im Kindergarten Langmatt. Bild: Stefan Kaiser (Risch, 1. Mai 2019)

Für sie ist die Kindergartenstufe eine Berufung: Severin Hofer (links) und Alex Kälin im Kindergarten Langmatt. Bild: Stefan Kaiser (Risch, 1. Mai 2019)

Primarlehrerin, Coiffeuse, Heilpädagogin oder Fachfrau Gesundheit: Das Vorurteil dieser angeblichen «Frauenberufe» hält sich wacker. Bei einer Berufsklasse ist es jedoch mehr als zutreffend: Kindergartenlehrperson. Laut Barbara Kurth-Weimer, Präsidentin des Lehrerinnen- und Lehrervereins Kanton Zug, gab es zu Zeiten der Lehrerseminare fast nur Kindergärtnerinnen – erst mit der Entstehung der pädagogischen Hochschulen (PH) erlernten auch Männer den Beruf.

Noch immer gibt es im Kanton Zug aber nur eine Handvoll männliche Kindergärtner. Es sind dies gemäss eigener Recherche Julian Betschart, der in Oberägeri unterrichtet, sowie Alex Kälin und Severin Hofer, die in Risch tätig sind. Beim Treffen im Kindergarten Langmatt in Rotkreuz erzählen Kälin und Hofer von ihrem Beruf – sowie von Philosophie und Tierlipflästerli.

«Weshalb ist Frau Hofer eigentlich männlich?»

Sie wirken etwas zu gross für die kleinen Holzstühle, die im ganzen Raum verteilt sind. Dennoch sitzen Alex Kälin und Severin Hofer bequem, um für einmal nicht ihren Beruf auszuführen, sondern darüber zu sprechen. Als Mann sehe man sich oft mit überraschten oder gar bewundernden Blicken konfrontiert, sobald jemand vom Beruf erfahre, sagen beide Kindergärtner unisono. Erst kürzlich habe er in einer Apotheke Pflästerli kaufen wollen und nach jenen mit Tiermuster gefragt, so Hofer. «Am Anfang hielt die Apothekerin das für einen Witz. Doch als ich meinen Beruf verriet, freute sie sich.» Die Reaktionen seien grösstenteils positiv, manchmal werde jedoch auch gefragt, ob der Beruf genug anspruchsvoll sei.

Letztere Reaktion können Kälin und Hofer nicht nachvollziehen, ist Kindergärtner doch für beide eine «Berufung». Das klinge etwas abgedroschen, leitet Alex Kälin ein, doch als Kindergartenlehrperson könne er alle seine Interessen unter einen Hut bringen. «Ich werke gerne, bin in der Natur unterwegs, erzähle Geschichten und mache Musik. All das kann ich nach Lust und Laune mit den Kindern teilen», erzählt der 30-jährige Steinhauser, der über 20 Jahre in der Jungwacht aktiv war. Der Beruf habe zudem eine philosophische Komponente, ergänzt Severin Hofer, den man auch vom Zuger Künstlerduo Hoffnung+Kiwi kennt. «Dank den Kindern kommt man mit grundsätzlichen Themen in Kontakt, die in unserer Gesellschaft oft zu kurz kommen. Am Ende steht immer wieder die Frage, was im Leben wirklich wichtig ist. Das erdet», erklärt Hofer.

Grundsatzfragen der Kinder drehen sich bisweilen auch um kulturell geprägte Geschlechtergrenzen. So wurde eine Arbeitskollegin Hofers einmal von einem Kind gefragt, weshalb Frau Hofer eigentlich ein Mann sei. «Es ist bei Kindern und Erwachsenen tief verwurzelt, dass Kindergartenlehrpersonen weiblich sind. Hier fehlen die männlichen Vorbilder», schlussfolgert Kälin.

Ein spielerischer Beruf mit viel Potenzial

Danach gefragt, ob es ihrer Meinung nach mehr männliche Kindergärtner brauche, schütteln beide den Kopf. Es spiele grundsätzlich keine Rolle, ob eine Lehrperson männlich oder weiblich sei, viel relevanter sei die Freude am Beruf. Jedes Geschlecht habe aber besondere Fähigkeiten. Während Kälin nun seine laute tiefe Stimme als Berufsvorteil präsentiert, führt sein 24-jähriger Kollege vor, wie er die Kinder mittels Kraft hochheben würde. Eine Frau könnte das nicht so gut, meinen beide scherzhaft, werden aber bald wieder ernst. Es sei ihm an einer ausserkantonalen Schule schon passiert, dass er nur wegen seines Geschlechts zum Vorstellungsgespräch eingeladen worden sei, gibt Kälin zu. In Risch sei das aber nicht der Fall. «Wir werden als Männer im Beruf gut integriert, aber zum Glück nicht bevorzugt», so Hofer. Beide Kindergärtner sind sie der Meinung, dass viele Männer Freude am spielerischen Beruf hätten, aber nur wenige den Schritt auch tatsächlich wagen. «Als Mann in einem Frauenberuf muss man sich halt exponieren, wir müssen aus der Reihe tanzen», sagt Alex Kälin und steht wie auf Kommando vom kleinen Holzstuhl auf.

Alex Kälin und Severin Hofer haben beide ihre Ausbildung an der PH Zug absolviert. Kälin ist seit fünf, Hofer seit einem Jahr in Rotkreuz als Kindergärtner tätig.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.