Zuger Punkband vor Jubiläum: «Wir passen in keine Schublade»

Am Samstag feiert die Punkband Frontal ihr 20-jähriges Bestehen in der Galvanik. Sänger und Mitgründer Patrick Leemann erinnert sich an zahlreiche spannende Konzerte und verrät, was die Band besonders macht.

Vanessa Varisco
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Seit 2014 spielt die Band in der heutigen Konstellation. Dieses Bandfoto wurde im Jahr 2015 von den Musikern selbst designt. (Bild: PD)

Seit 2014 spielt die Band in der heutigen Konstellation. Dieses Bandfoto wurde im Jahr 2015 von den Musikern selbst designt. (Bild: PD)

Um ihren ersten Proberaum zu bekommen, hat «Frontal» einen handschriftlichen Brief an die Industrie 45 verfasst. Die damals frisch gegründete Band ist inzwischen 20 Jahre alt und hat viel erlebt. Geprobt wird einmal pro Woche. «Das hat sich in den letzten zwanzig Jahren nicht geändert», erklärt Patrick «Leemää» Leemann (38) und schmunzelt. Aktuell probt die Band an der Hinterbergstrasse in Cham noch immer mit grosser Leidenschaft an der Musik.

«Damit eine Band so lange bestehen bleibt, muss die Freundschaft zwischen den Musikern funktionieren», erklärt Leemää, welcher von Beginn an in der Band ist. Zwischenzeitlich gab es zeitweise zwar Neubesetzungen, doch das habe den Musikern zur Entwicklung verholfen. Besonders in den letzten Jahren habe die Band einen musikalischen Sprung gemacht.

Fünfköpfige Band

«Vor vier Jahren sind zwei neue Mitglieder dazugekommen. Zurzeit besteht die Band aus fünf Mitgliedern: Martina (Keyboard), Sivilia (Bass), Häcki (Gitarrist), Luc (Schlagzeug) und eben Leemää (Gesang). «Seit dann haben wir viele neue Ideen und unsere Texte sind abwechslungsreicher geworden», erinnert sich Leemann. Denn von Anfang an haben sie ihre Lieder selber geschrieben und liessen sich dabei vom Leben inspirieren. «Mit uns haben sich natürlich auch die Texte entwickelt. Heute probieren wir auch eher mal etwas aus», berichtet der Zuger.

So müsse sich ein Text nicht immer reimen oder eine offensichtliche Botschaft in sich tragen. Vervollständigt werden die Songs im Plenum. «Meistens bringt jemand eine Textidee zur Probe mit und ein anderer spielt spontan eine Melodie dazu. Wir arbeiten gemeinsam daran weiter, bis uns der Song schliesslich gefällt», so der Sänger.

Die Songs entstünden aus einer Jamsession und würden nicht als Partituren vorliegen – denn Notenlesen könne knapp die Hälfte der Bandmitglieder. «Die Songs entstehen auf sehr intuitive Weise.» Am Jubiläumskonzert werden die Texte der vergangenen 20 Jahre Bandgeschichte ausgedruckt und die Wände der Galvanik damit beklebt.

Energievolle Auftritte in Konzerten

Musikalische Vorbilder hätten sie keine und gerade das würde sie besonders machen. «Unsere Basis war stets der Punk. Aber eine Band aus diesem Genre, an der wir uns orientieren, gibt es nicht», weiss Leemää und führt weiter aus, «Wir passen in keine Schublade.»

Auch seien sie eher eine Liveband als eine, die regelmässig Platten im Studio aufnähme. «Vor Publikum hat unsere Musik mehr Energie, was wir am besten Fall weitergeben können.» Das würde sie einerseits als Band ausmachen und andererseits am meisten Freude bereiten. «Wenn wir sehen, dass wir das Publikum erreichen und sie plötzlich anfangen mitzuwippen oder noch mehr, ist das einfach ein tolles Gefühl», so Leemää.

Vor zwei Jahren hat die Band das letzte Mal in Zug ein Konzert gegeben, dazwischen war sie in anderen Regionen unterwegs und durfte sogar in Köln spielen. «Für uns ein echtes Highlight. Das Publikum, welches uns nicht kannte, war anfangs etwas verhalten und plötzlich liessen sie sich mitziehen von unserer Musik», freut sich Leemää. Es sei ein Höhepunkt in der Bandgeschichte gewesen.

Nicht ganz hundert

Am Samstag werden sie ihr 99. Konzert geben, doch Routineabläufe während der Konzerte hätten sich bis heute nicht eingependelt. «Bestimmt werden Leute vor Ort sein, die vor 20 Jahren schon dabei waren. Und sicherlich werden auch Neue dazu stossen», überlegt er. Ihrer Musik müsse man eine Chance geben, vielleicht ein, zwei Konzerte zu besuchen. «Unsere Konzerte ist nichts für Liebhaber von 0815 Musik», weiss der Sänger.

Auf das Konzert am Samstag freut sich die Band speziell. Leemää wird stilsicher mit einem T-Shirt, welches er an seinem zweiten Konzert mit der Band getragen hat, und verbleichten Jeans auftreten. Der Gitarrist Häcki wird in seiner alten Lederjacke auf der Bühne zu sehen sein und auch der Rest der Band hat noch eine Überraschung parat.

«Zwanzig Jahre sind eine lange Zeit. Erst kürzlich habe ich mir die Zahl durch den Kopf gehen lassen und mir überlegt, dass das mehr als die Hälfte meines Lebens ist», staunt Leemää. Zur Gründungszeit der Band sei er sich sicher gewesen, die Band sei sein Leben und werde ewig weiterspielen. Inzwischen hat er diese Ansprüche etwas reduziert. «Solang es weiterläuft und die Musik Spass macht, werden wir am Ball bleiben», berichtet der Sänger.

Das Jubiläumskonzert findet am 20. Oktober in der Galvanik statt. Konzertbeginn ist um 21 Uhr.