Alters-WG in Baar: «Wir sehen uns als Familie»

Vor zwei Jahren ist im Baarer Alterszentrum Bahnmatt eine Alterswohngemeinschaft eröffnet worden. Bei einem Abendessen erzählen die Bewohner von ihrem Zusammenleben.

Vanessa Varisco
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Adalbert Bütler ist der Grillchef in der Alterswohngemeinschaft in Baar, kritisch beäugt von Hans Käser vom Hausdienst und Betreuerin Magi Dalla Costa. (Bild: Stefan Kaiser, Baar, 19. Juni 2019)

Adalbert Bütler ist der Grillchef in der Alterswohngemeinschaft in Baar, kritisch beäugt von Hans Käser vom Hausdienst und Betreuerin Magi Dalla Costa. (Bild: Stefan Kaiser, Baar, 19. Juni 2019)

Ein herrlich warmer Sommerabend: Sonnenschein und kein Wölkchen am Himmel. Perfekte Bedingungen also für einen Grillabend. Adelbert Bütler steht am Grill, auf dem Cervelats, Bratwürste und Steaks brutzeln und verführerisch duften. Gekonnt wendet er das Fleisch mit der Zange, wirft immer wieder einen prüfenden Blick darauf. Zur gleichen Zeit sind Marie Louise Pfister, Verena Iten und Heidi Bieri damit beschäftigt, die Salate zuzubereiten. Sie haben einiges auf sich genommen: In grossen Schüsseln sind Karotten-, Nudel- und grüner Salat angerichtet. Für den süssen Abschluss stehen Vanilleplunder und Pflaumenkuchen bereit. Kurz darauf stossen die vier WG-Bewohner an, plaudern und lachen miteinander und freuen sich über das entspannte Beisammensein.

Offene Kommunikation ist entscheidend

Wohngemeinschaften gibt es viele in der Schweiz, doch diese hier auf dem Areal des Alterszentrums Bahnmatt ist eine besondere: Eine Alters-WG. Die fünf Bewohner, von denen vier am Grillabend teilnehmen, sind zwischen 67 und 80 Jahre alt. Nicht zu vergessen natürlich der Hund Nathan von Heidi Bieri – ohne ihn, versichern die Bewohner, würde etwas fehlen. Vor zwei Jahren wurde das Projekt lanciert und ist gut angelaufen, wie Johannes Kleiner, Geschäftsleiter der Altersheime Baar, erklärt:

«In diesen zwei Jahren hatten wir weder Bewohner- noch Mitarbeiterfluktuationen. Und wie man sieht, gefällt es unseren Senioren hier.»

Das bestätigen die fünf WG-Bewohner später, als sie gemeinsam bei Tisch sitzen und das leckere Fleisch sowie die erfrischenden Salate geniessen. «Wir sehen uns als Familie», schildert die jüngste Mitbewohnerin Heidi Bieri, «Wenn einer mal beim Mittagessen fehlt, merkt man das sofort.» Denn gegessen wird mittags und abends immer gemeinsam, wobei sie das Essen vom Altersheim Bahnmatt beziehen. Abgeholt werden die Mahlzeiten von Adalbert Bütler. «Das ist mein Ämtli», führt er aus. Wer mag, darf aber seine Mahlzeiten durchaus selber kochen. «Für unsere Vorräte haben wir zwei Kühlschränke. Jeder hat sein eigenes, beschriftetes Fach», erklärt Verena Iten. Sie fühlen sich wohl. Und nach zwei Jahren hat jeder seinen Platz in der Gruppe gefunden. Heidi Bieri beispielsweise backt jeden Montag einen Kuchen für die Gruppe, Marie Louise Iten bastelt und strickt allerlei und Verena Iten macht sich gerne zurecht. Auch am Grillabend beweist sie mit ihrer roten, seidigen Bluse Stilbewusstsein.

Die Bewohner und Betreuer der Alters-WG Baar beim gemeinsamen Grillabend. (Bild: Stefan Kaiser, Baar, 19. Juni 2019)

Die Bewohner und Betreuer der Alters-WG Baar beim gemeinsamen Grillabend. (Bild: Stefan Kaiser, Baar, 19. Juni 2019)

Der Schlüssel für ein gutes Zusammenleben sei vor allem offene Kommunikation, verrät Esther Pellegrini, Leiterin Aktivierung und Bettendisposition der Altersheime Baar. «Wir haben im Vorhinein mit den Bewohnern abgemacht, dass jederzeit offen und respektvoll über allfällige Probleme gesprochen wird», erläutert sie, «und das klappt gut.» Denn obgleich sich die fünf in den meisten Fällen gut verstehen, ab und zu gerät man doch aneinander. «Und das darf auch so sein, das gehört einfach dazu», findet Marie Louise Pfister.

Drei Stunden Betreuung am Tag

Auf sich allein gestellt sind die Senioren nicht: Die Nasszellen werden täglich von Mitarbeitern des Altersheims gereinigt. Um die anderen gemeinschaftlichen Räume wie Wohn- und Esszimmer kümmern sich die WG-Bewohner aber selber. Zusätzlich ist ausserdem von montags bis samstags drei Stunden eine Betreuerin vor Ort: Marisa Bernich und Maggy Dalla Costa schauen gerne bei den Fünf vorbei, begleiten die Bewohner ins Dorf oder übernehmen andere administrative Aufgaben. «Hier läuft immer etwas. Man kennt und schätzt sich», wissen die zwei Betreuerinnen. Allfällige Pflegeleistungen fallen allerdings nicht in ihren Bereich, das übernimmt die Spitex.

Obwohl es anfangs schwierig war, Bewohner zu finden, die bereit sind, sich auf ein solches Projekt einzulassen, ist Johannes Kleiner jetzt zufrieden und überzeugt, dass die Alters-WG in Baar gut funktioniert. «An anderen Orten in der Schweiz haben sich solche Alterswohngemeinschaften teilweise aufgelöst. Aber hier läuft es einfach rund», resümiert er und fügt an: «Nicht zuletzt, weil die Bewohner flexibel und tolerant sind.» Die Bewohner am Tisch nicken zustimmend, bevor sie zum Abschluss ein Stück von Heidi Bieris Kuchen geniessen.