Wird’s nicht langsam Zeit, EVZ?

Die Zuger stolpern gegenwärtig durch die Meisterschaft. Grund zur Sorge? Die Redaktoren Zoe Gwerder und Marco Morosoli sind geteilter Meinung.

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Marco Morosoli

Marco Morosoli

Nichts täuscht den Menschen so sehr wie die Erinnerung. Nach 17 Qualifikationsrunden hatte der EVZ im Vorjahr 30 Punkte. Jetzt sind es deren 27. Der Unterschied liegt in der Erwartungshaltung. Leonardo Genoni im Tor plus Grégory Hoffmann im Sturm und Hochkaräter auf der Ausländer-Lohnliste bringt den Meistertitel – der allerdings erst im April 2020 ausgespielt wird.

Wer dem EVZ derzeit beim Spielen zuschaut, ist zu oft und zu recht tief enttäuscht. Die Profis sind sich dessen hoffentlich bewusst. Zugs Trainer Dan Tangnes hat in einem Interview neulich gesagt, dass Poltern kontraproduktiv sei. Vielleicht hilft diese Variante: Dem Zuger Trainer-Urgestein Leo Schumacher platzte in den 1980-Jahren einmal nach einem 1:6-Rückstand seiner Elite-Junioren vor dem letzten Drittel gegen Bern der Kragen. Sinngemäss sagte er: Wer keine Lust zum Eishockeyspielen hat, der kann gehen. Keiner der Spieler ging, und Zug holte noch ein 6:6-Unentschieden.

Ob diese Spielvariante mehr nützt als das Umstellen von Linien, kann ich nicht sagen. Was ich aber weiss: Zuger kämpft, zeigt Emotionen, lehnt euch gegen das Schicksal auf. So habt ihr die Fans auf eurer Seite, so gibt es auch bald wieder mehr Siege als Pleiten.

«Um die Wurst geht’s ja erst in den Playoffs»

Zoe Gwerder

Zoe Gwerder

Wenn sich Kollege Morosoli über die – man darf wohl sagen – schlechte Leistung des EV Zug nervt, kann ich nur milde lächeln. Nicht nur, weil ich kein allzu grosser Fan des Eishockeysports bin, auch wenn das natürlich einer der Gründe für mein Lächeln sein wird.

Der Hauptgrund aber, dass sich meine Mundwinkel in Richtung Ohren bewegen, ist das, was man Erfahrung nennt. All die Jahre meiner journalistischen Arbeit in der Zentralschweiz, bei welcher ich mir einst auch die groben Regeln und Abläufe des Eishockeys aneignen musste, haben mich eines gelehrt: Die ersten 50 Spiele werden eigentlich fast nur für die Kasse der jeweiligen Clubs und natürlich zur Unterhaltung des Publikums gespielt.

Um die Wurst geht’s ja erst in den Playoffs. Was soll man sich da schon Monate zuvor nerven – Haare raufen – oder wie auch immer sich Kollege Morosoli sonst noch so aufregen mag. Es nützt ja doch nichts.

Und sollten sie es nicht einmal unter die ersten Acht schaffen, wäre sowieso Hopfen und Malz verloren. Mein Vorschlag: In den vergangenen Jahren haben gute Saisons ja doch nie zum Meistertitel geführt. Versucht es mal mit einer Umkehrstrategie. Da werden erst noch Kräfte gespart.