WIRTSCHAFT: «Innovationen sind nicht risikofrei»

Bald wird wieder der Zuger Innovationspreis verliehen. Was bringt dieser Preis dem Kanton, was den Firmen? Regierungsrat Matthias Michel klärt auf.

Interview Wolfgang Holz
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Für Zugs Volkswirtschaftsdirektor Matthias Michel ist der Zuger Innovationspreis nicht zuletzt eine Anerkennung für «Topleistungen» heimischer Firmen. (Bild Stefan Kaiser)

Für Zugs Volkswirtschaftsdirektor Matthias Michel ist der Zuger Innovationspreis nicht zuletzt eine Anerkennung für «Topleistungen» heimischer Firmen. (Bild Stefan Kaiser)

Interview Wolfgang Holz

Matthias Michel, wann ist eine Firma eigentlich wirklich innovativ?

Matthias Michel: Es gibt keine einheitliche Definition von Innovation. Beim Zuger Innovationspreis sind für die Jury Idee und Originalität, der Erfolg am Markt, die Schaffung beziehungsweise der Erhalt von Arbeitsplätzen wesentlich – sowie der Nutzen für die Region. Wenn eine Firma diese Merkmale mit einem neuen Produkt oder einer neuen Dienstleistung erfüllt, dann ist sie für uns innovativ.

 

Den Zuger Innovationspreis gibt es ja schon seit 1993. Was hat diese Auszeichnung dem Wirtschaftsstandort Zug an relevanten Innovationen oder Firmenansiedlungen gebracht?

Michel: Der Wert eines Innovationspreises kann nicht per Anzahl Neuansiedlungen quantitativ gemessen werden. Vielmehr ist er einerseits eine Anerkennung für Topleistungen von ansässigen Unternehmen. Denn das meiste Wachstum an Arbeitsplätzen im Kanton Zug erfolgt aus bereits ansässigen Firmen heraus. Fast alle preisgekrönten Unternehmen haben vor oder nach der Preisverleihung die Anzahl der Mitarbeitenden erhöht. Andererseits bekräftigt dieser Preis den Willen der Politik, ein innovationsfreundliches Umfeld zu bieten. Regierungsrat und Kantonsrat haben dies mit der Unterstützung des neuen Hochschuldepartements für Informatik in Rotkreuz bewiesen.

Dieser Innovationspreis an die Cham Paper Group AG 2012 sorgte für einen Eklat, weil diese Firma im selben Jahr 200 Arbeitsplätze abgebaut hat. Was hat die Jury aus diesem Fall gelernt?

Michel: In der Jury sitzen erfahrene Wirtschaftsfachleute und Unternehmer. Sie beurteilen aus fachlicher Sicht die Bewerbungen; der Entscheid liegt – auch unter Prüfung politischer Aspekte – dann beim Regierungsrat. Bei neuen, selbst hoch innovativen Produkten besteht immer auch das Risiko, dass sie zu früh oder zu spät lanciert werden und dann keinen Markt finden. Innovationen sind nicht risikofrei – deshalb kann es der Preis dafür auch nicht sein. Für die Jury hat die damalige Preisverleihung bestätigt, dass Transparenz wichtig ist: Alle Tatsachen müssen dem Regierungsrat als Entscheidungsgremium bekannt sein.

Steht wirtschaftliche Innovation nicht immer auch im Zwiespalt zwischen Arbeitsplatzerhalt und Kostenminimierung, sprich: Arbeitsplatzabbau?

Michel: Ohne Erfolg verschwinden Unternehmen vom Markt. Manchmal genügt es, mit neuen innovativen Produkten oder Dienstleistungen den Markterfolg zu sichern. Manchmal sind leider auch andere Massnahmen notwendig – wie Kostenreduktionen. In unserer globalisierten Welt stehen auch Schweizer Unternehmen im starken Wettbewerb. Viele Unternehmen, die zwischenzeitlich auch Arbeitsplätze abbauen mussten, waren trotzdem über viele Jahre erfolgreich und haben auf lange Sicht die Zahl der Arbeitsplätze erhöht. Innovationen haben also meist eine längerfristige Perspektive, Kostenmassnahmen oft eine kürzerfristige. Anders gesagt: Manchmal gehört kurzfristiges Leiden zum langfristigen Erfolg.

Wie innovativ ist aus Ihrer Sicht der Wirtschaftsstandort Zug derzeit?

Michel: Einen relevanten schweizweiten Vergleich, der sich allein auf die Innovationskraft einzelner Standorte beschränkt, gibt es nicht. Hingegen wird die Wettbewerbsfähigkeit von Standorten verglichen, worin neben vielen anderen Faktoren auch die Innovationskraft eine Rolle spielt. In der entsprechenden UBS-Studie liegt der Kanton Zug auf Rang eins, wie auch im Standortranking von CS economic research.

Aber was beweist das konkret?

Michel: Dass es bei uns sehr innovative Unternehmen gibt, zeigt sich auch an Indikatoren: So haben sich mehrheitlich Zuger Unternehmen aktiv für die Bewerbung der Zentralschweiz am Nationalen Innovationspark engagiert. Viele Zuger Unternehmen sind sodann Träger von nationalen oder gar international ausgeschriebenen Preisen. Die aktuelle Bewährungsprobe sehe ich primär für den Wirtschaftsstandort Schweiz insgesamt: Der Frankenkurs, die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative und die kommende Unternehmenssteuerreform III.

Hinweis

Der Zuger Innovationspreis 2015 wird am 11. November um 18.30 Uhr im Casino Zug verliehen.

Das hat der Preis ausgezeichneten Firmen gebracht

umfrage wh. 22 Zuger Firmen haben bisher den Innovationspreis erhalten – der seit 1993 verliehen wird. Doch nicht alle prämierten Unternehmen existieren noch. Die Wascosa AG Zug etwa, die 2009 für einen modular zusammensetzbaren Spezialgüterwagen ausgezeichnet wurde, war so innovativ, dass sie nun nur noch in Luzern ansässig ist.

Gleiches gilt für die RVA Reststoffverwertungs AG in Baar. Nicht nur, dass die 2006 prämierte Firma gemäss ihrer Kunststoffverölungsanlage in Sihlbrugg zunächst in Plastoil AG umbenannt wurde. Inzwischen gehört die Anlage, die aus Plastikabfällen schwefelfreien Diesel gewinnt, der Firma Diesoil und wurde nach Bern verbracht. Die erste Preisträgerin, die Medical Research and Development AG in Rotkreuz, die ein Modell zur Entwicklung eines Verfahrens zur Herstellung von Implantaten hervorgebracht hatte, wurde aufgelöst und im Handelsregister gelöscht.  

Doch all die anderen ausgezeichneten Firmen residieren noch im Kanton Zug und erfreuen sich, wie etwa das Softwareunternehmen Tensid AG in Baar, wirtschaftlichen Erfolg. «Unsere Firma existiert seit 15 Jahren und entwickelt die hochqualifizierte Kommunikations-Software «marCo.ch», die von vielen börsennotierten Unternehmen in der Schweiz benutzt wird», berichtet Firmeninhaberin Carolyn Bächler. «Der Innovationspreis hat unseren Bekanntheitsgrad als kleinere Firma mit 15 Mitarbeitenden und sechs Lernenden erhöht und bedeutete für uns einen Imagegewinn.» Die Auszeichnung hat das Team stolz gemacht sowie für weitere unternehmerische Initiativen motiviert, so Bächler. «Mich persönlich hat beeindruckt, wie professionell das Auswahlverfahren organisiert war.»

Das Grossunternehmen Siemens Building Technologies in Zug hat 2010 für «Sinteso», ein Brandmeldesystem mit Echt-Alarm-Garantie, den Innovationspreis erhalten. «Der Preis erhöht die Visibilität unserer Sinteso-Brandschutzlösungen auf dem Markt», erklärt Press Officer Catharina Bujnoch. Er sei in erster Linie für die Vermarktung in der Schweiz genutzt worden. Ein solcher Preis sei eine Anerkennung für das Produkt an sich und für den Hersteller. «Vor allem aber ist er eine Anerkennung für die Mitarbeitenden, die zum Erfolg beigetragen haben.» Der Preis sei eine Bestätigung ihrer hervorragenden Leistungen und zugleich Ansporn für weitere Innovationen. Bujnoch: «Denn stetige Innovation ist eine der Kernkompetenzen von Siemens.»