WIRTSCHAFT: Regionalstudie der Credit Suisse: «Standort Zug: Der Vorsprung schrumpft»

Am Mittwoch wurde die neue Regionalstudie der Credit Suisse zum Standort Zug veröffentlicht. Sie attestiert dem Kanton zwar weiterhin eine grosse Attraktivität, weisst aber auf gewisse Risiken hin.

Christopher Gilb
Merken
Drucken
Teilen
Jan Schüpbach bei der Präsentation der Credit-Suisse-Studie. (Bild: Patrick Hürlimann (Zug, 1. Februar, 2017))

Jan Schüpbach bei der Präsentation der Credit-Suisse-Studie. (Bild: Patrick Hürlimann (Zug, 1. Februar, 2017))

Christopher Gilb

christopher.gilb@zugerzeitung.ch

Der Titel der neuen Regionalstudie der Credit Suisse (CS) für den Kanton Zug lässt aufhorchen: «Standort Zug: Der Vorsprung schrumpft.» Was meint die Grossbank nur damit? Erst einmal jedoch zum Vorsprung: Laut Studie nimmt das Exportvolumen der Zuger Wirtschaft wieder stark zu und befindet sich deutlich über dem Schweizer Durchschnitt, die Arbeitslosigkeit hat sich stabilisiert und liegt darunter. Auf dem Index der Standortqualität führt der Kanton Zug mit Abstand, und trotz hoher Lebenskosten weist der Kanton in den letzten Jahren sogar wieder eine Nettozuwanderung aus anderen Kantonen auf.

«Zug ist attraktiv», fasste dann auch der Studienautor Jan Schüpbach die ersten Seiten seiner Arbeit an der Präsentation am Mittwoch zusammen. Der Kanton Zug ist in der Studie in zwei Wirtschaftsregionen aufgeteilt. Die Region Lorzenebene/Ennetsee ist schweizweit die zweit­attraktivste hinter der Stadt Zürich. Die Region Zuger Berggemeinden die neuntattraktivste. Zusammen ergibt dies für den ganzen Kanton den Spitzenplatz. Dann erklärte Schüpbach aber, wieso der Vorsprung des Kantons gemäss seiner Studie schrumpfe.

Steuersätze nähern sich mit USR III an

Als Hauptgrund sieht der Autor die Unternehmenssteuerreform (USR) III. Werde diese angenommen, würden viele Kantone ihre Gewinnsteuersätze, um weiterhin attraktiv zu bleiben, teils drastisch senken. Wie die Grafik der Bank zu diesem Thema zeigt, würde so ein Grossteil der Schweizer Kantone betreffend die Höhe ihrer Steuersätze dem Kanton Zug relativ nahe kommen. In einer weiteren Grafik wurde die voraussichtliche Standortqualität für juristische Personen in den einzelnen Schweizer Kantonen im Jahr 2020 simuliert. Dafür nahm man den Standortqualitätsindex der Bank für 2016, es wurde jedoch der Faktor Steuerbelastung nach den angekündigten Anpassungen im Zuge der USR III mit eingerechnet. Ausserdem werde beim Faktor Verkehr die 2020 geplante Fertigstellung der Neat berücksichtigt. Zwar befindet sich Zug auch in der Simulation noch auf dem Spitzenplatz, hat jedoch einen leicht tieferen Wert als 2016. Gemäss Grafik wird der Hauptverfolger im Jahr 2020 der Kanton Basel-Stadt sein, der von Position vier auf zwei vorrückt.

Auch Zuger Finanzlage macht der Bank Sorgen

Aber es ist nicht nur die Steuer­reform, die zu dem Studientitel geführt hat, sondern auch die Finanzlage. Zwar habe Zug gute Reserven, diese würden aber, wenn es so weiterginge, jährlich schrumpfen, so Schüpbach. Stagnierende Steuereinnahmen, steigende Zahlungen in den nationalen Finanzausgleich und hohe Investitionen würden das Budget belasten. Die Bank will keine Strategie empfehlen, wie der Kanton das Problem lösen soll. «Ich bin froh, dass dies die Politik übernehmen muss», sagte Roger Suter, Leiter der Region Zentralschweiz der CS, dazu. Darüber hinaus werde auch Zug den Zielkonflikt zwischen tiefer Steuerlast und hohem Leistungsniveau neu aushandeln müssen. Interessant ist in diesem Hinblick die letzte Grafik im Studiendossier mit dem Titel «Zug schöpft sein Potenzial wenig aus». Darauf zu sehen ist das Verhältnis der effektiven Steuereinnahmen zu den theoretisch besteuerbaren Ressourcen. In dieser Statistik liegt der Kanton Zug im Kantonsvergleich auf dem zweitletzten Platz, fast 15 Prozent unter dem Schweizer Durchschnitt.

Nachgefragt

«Der Titel der Studie ist falsch gewählt»

Der Zuger Finanzdirektor Heinz Tännler (SVP) ist nicht mit sämtichen Thesen der Credit-Suisse-Studie einverstanden. Er hätte sich eine andere Betrachtungsweise gewünscht.

Heinz Tännler, der Vorsprung des Kantons Zug schrumpft also?

Sie sprechen den Umstand mit der Unternehmenssteuerreform III an: Wenn sie angenommen werden sollte, würden die Gewinnsteuersätze anderer Kantone sinken. Es ist festzuhalten, dass die Studie von einer rein statischen Betrachtungsweise ausgeht, was falsch ist. Notwendig ist eine dynamische Betrachtungsweise; der Kanton Zug wird bei einer Annahme der Unternehmenssteuerreform III die tiefsten Gewinnsteuersätze schweizweit ausweisen, was im Rahmen des internationalen Steuerwettbewerbs gegenüber anderen Kanton vorteilhaft sein wird. Vor diesem Hintergrund ist der Titel der Studie falsch gewählt. Dieser sollte heissen: Zug verteidigt den Spitzenrang.

Laut Studie würde die Senkung der verschiedenen kantonalen Gewinnsteuersätze den Steuerwettbewerb zum Nachteil von Zug erhöhen.

Statisch betrachtet wird es diese Anpassung der Steuersätze in der Tat geben. Der Kanton Zug wird aber nach Umsetzung der USR III eine äusserst attraktive Gewinnsteuerbelastung ausweisen. Des Weiteren kommt hinzu, dass wir in Zug beabsichtigen, die möglichen Handlungsspielräume der Reform wie die Einführung einer Patentbox, der Inputförderung und weiterer steuerlicher Instrumente auszunutzen. Dies führt zu zusätzlichen zulässigen Entlastungen aller Firmen, auch der KMU. Schliesslich werden wir in Zug im Stande sein, die Umsetzung aufkommensneutral zu gestalten, was offenbar nicht allen Kantonen gleichermassen gelingen wird. Wichtig ist zudem, dass die natürlichen Personen nicht mit höheren Steuern belastet werden. Vor diesem Hintergrund wird der Kanton Zug mit der Unternehmenssteuerreform III nur profitieren.

Die Studie nennt die Kantonsfinanzen als kritischen Punkt.

Im Grundsatz stimmt das, wobei aber der Kanton Zug mit seiner Eigenkapitaldecke und den vorhandenen liquiden Mitteln nach wie vor gut dasteht. Aber bezüglich der laufenden Rechnung besteht Handlungsbedarf; das strukturelle Defizit im Kanton Zug ist eine Tatsache. Mit den aufgegleisten Massnahmen sollte uns im Jahr 2020 die schwarze Null aber wieder gelingen. Die Massnahmen sehen Sparpakete wie Finanzen 2019, aber auch die Diskussion um eine moderate Steuererhöhung vor, die aber den Mittelstand nur unwesentlich treffen.

(cg)