Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

WIRTSCHAFT: Sika verliert weiter an Börsenwert

Nach der Nacht- und Nebelaktion der Sika-Erben bekommt die Diskussion um die Machtverteilung im Aktionariat neuen Auftrieb. Während Aktionärsdienstleister für Einheitsaktien plädieren, ist der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse gegen Einschränkungen.
Logo am Sitz der Sika in Baar. (Bild: Keystone)

Logo am Sitz der Sika in Baar. (Bild: Keystone)

Aktie ist nicht gleich Aktie. Das erfahren die Kleinaktionäre bei Sika gerade schmerzlich. Während die Erben der Gründerfamilie ihren Anteil am Kleb- und Baustoffunternehmen für 2,75 Mrd. Fr. nach Frankreich verkaufen, stehen die Publikumsaktionäre als Verlierer da.

Der Kurs der Sika-Aktie stürzte am Dienstag weitere 3,7 Prozent ins Minus, nachdem er bereits am Montag um 22 Prozent abgesackt war.

«Für die Publikumsaktionäre ist ein Schaden von deutlich über einer Milliarde entstanden. Das ist ein grosser Frust, zumal Sika kein kleiner Fisch ist. Auch Vorsorgewerke haben in Sika investiert», sagt Michael Otte, CEO des Aktionärsdienstleisters zRating, gegenüber der Nachrichtenagentur sda.

Die Gesellschaft zählt zu den Verfechtern des Prinzips «One share- one vote», also den Gleichlauf von Kapital und Stimmrecht. Dieses Prinzip gilt bei Sika eben gerade nicht: Die Erben kontrollierten mit einem Kapitalanteil von 16,1 Prozent 52,4 Prozent der Stimmen.

Die Dimension des Falles Sika bezeichnet Otte als aussergewöhnlich. Noch selten habe eine Gründerfamilie ihr Anteil zu einer solchen Kontrollprämie ins Ausland verkauft. «Der entscheidende Punkt war aber die Opting-Out-Klausel. Wäre diese nicht, dann wäre Saint-Gobain angebotspflichtig geworden und hätte nicht den Grossaktionär derart vergolden können», führt er aus.

Dorn im Auge

Ohne diese Ausnahmeregelung hätte Saint-Gobain also ein öffentliches Kaufangebot machen müssen, das sich an alle Aktionäre richtet. Sonderbedingungen für einige Aktionäre sind zRating, aber auch der Anlagestiftung Ethos, ein Dorn im Auge.

Dabei ist Ungleichheit weit verbreitet, sei es über über Stimmrechtsaktien, Partizipationsscheine, Eintragsbeschränkungen oder Stimmrechtsbeschränkungen. Zu den prominentesten Gesellschaften mit einer Art unregelmässiger Verteilung von Kapital- und Stimmrecht gehören der Reiseanbieter Kuoni, der Lift- und Rolltreppenbauer Schindler, der Schokoladenkonzern Lindt&Sprüngli oder auch der Pharmakonzern Roche.

Gemäss einer Zusammenstellung von zRating haben etwa 25 weitere mittelgrosse und grosse kotierte Unternehmen neben der Eintrags- bzw. Stimmrechtsbeschränkung sogenannte Opting-Out-Klauseln. Dazu zählen beispielsweise auch Ems-Chemie, Bobst, Metall Zug und Schweiter Technologies.

Schutz für Familien

Befürworter solcher Strukturen argumentieren mit dem Schutz vor feindlichen Übernahmen und mit historisch gewachsenen Strukturen, denen es im KMU-Land Schweiz Rechnung zu tragen gelte. Schliesslich ist auch Sika ein Beispiel für langjährige Tradition.

Die Diskussionen um das Prinzip «One share - one vote» sind denn auch nicht neu. Einzug fanden sie aber weder in der anstehenden Revision des Aktienrechts noch im Selbstregulierungs-Kodex für börsenkotierten Unternehmen («Swiss Code of Best Practise for Corporate Governance»).

Der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse verzichtet im Kodex sehr bewusst auf die Empfehlung. «Viele Firmen bevorzugen flexible Aktionärsstrukturen. Für die Selbstregulierung ist Akzeptanz eine wichtige Voraussetzung, es können von den Unternehmen keine grundlegenden oder einengenden Anpassungen verlangt werden», sagt Erich Herzog, Stv. Leiter Wettbewerb und Regulatorisches beim Wirtschaftsdachverband Economiesuisse.

An den Generalversammlungen sind die Einheitsaktien trotzdem regelmässig Thema. Bei Kuoni stellte die zRating AG (vormals zCapital AG) den Antrag auf Einführung einer Einheitsaktie, was aber durch die Stimmrechtsaktien der Kuoni-Hugentobler-Stiftung an der Generalversammlung 2014 scheiterte.

«Die Abschaffung von Stimmrechtsvorteilen wird immer mit den gleichen Argumenten bekämpft. Man argumentiert mit umsichtigen Grossaktionären mit einem langfristigen Anlagehorizont und dem vermeintlichen Schutz der Kleinaktionäre», sagte Otte. So seien Schindler und Sika zu Vorbildern erklärt worden. «Das Verhalten der Erben von Sika zeigt auf, dass gerade die Publikumsaktionäre nicht geschützt werden», so Otte.

Warnung vor Überregulierung

Wird die Diskussion um Einheitsaktien also neuen Auftrieb erhalten nach der Nacht- und Nebelaktion der Sika-Erben?

«Ich warne davor, das Kind mit dem Bade auszuschütten und nun bei der Regulierung dramatische Schlussfolgerungen ziehen zu wollen», sagt Karl Hofstetter, Titularprofessor der Universität Zürich, Autor des Grundlagenberichts zum Swiss Code of Best Practice for Corporate Governance und Mitglied des Verwaltungsrats bei Schindler.

«Für Unternehmen, die wachsen oder an die Börse gehen wollen, können Stimmrechtsaktien sinnvoll sein. Sie erlauben den Gründern und ihren Familien, die Kontrolle zu behalten und fördern damit die langfristige unternehmerische Stabilität», erwähnt er beispielhaft.

Zudem könnten Unterschiede zwischen Kapital- und Stimmrechtsanteilen durch Zurückhaltung bei der Besetzung des Verwaltungsrats ausgeglichen werden. Bei Kuoni etwa, wo die Kuoni-Hugentobler-Stiftung mit 6,25 Prozent der Aktien einen Stimmenanteil von 25 Prozent vereint, sei dies der Fall. «Die Stiftung ist nur mit einem Verwaltungsrat vertreten», sagt Stiftungsratspräsident Hofstetter.

(sda)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.