Wirtschaft
Start-up-Unternehmen: Sie bringen frische Luft in geschlossene Räume

Das Zuger Unternehmen Clean Air Enterprise AG wurde wegen seiner Luftfiltertechnik mit einem Nachhaltigkeitslabel ausgezeichnet. Das Start-up visiert nun vor allem Schulräume an.

Cornelia Bisch
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Es sei haarsträubend, wie wenig die bestehenden Schweizer Lufthygienerichtlinien für geschlossene Räume eingehalten werden würden, echauffiert sich Start-up-Unternehmer Adrian Peterhans aus Holzhäusern. «Dies wird auch kaum kontrolliert.»

So seien die Schadstoffbelastungen in Schulräumen oder Büros oft sehr hoch und viele der herkömmlichen Anlagen seien regelrechte Bakterienschleudern. Er sagt:

«Vor allem Feinstaub und CO2-Gehalt übersteigen vielerorts das gesunde Mass.»

Dies könne zu gesundheitlichen Problemen wie Müdigkeit, Antriebslosigkeit oder sogar dem Burn-out-Syndrom führen.

Mit 8000 Volt gegen Viren

Deshalb gründete der Ingenieur gemeinsam mit seinen Geschäftspartnern Patrick Pahl und Christoph Vonplon vor vier Jahren das virtuelle Start-up-Unternehmen Clean Air Enterprise AG mit Hauptsitz in Holzhäusern. Virtuell bedeute, dass die Firma aus Kostengründen keine eigenen Mitarbeiter beschäftige, sondern Fachleute von gesamthaft sieben Firmen einsetze, erläutert er. «Gemeinsam entwickelten wir das nachhaltige Filtersystem Smart E-Filter für Grosslüftungsanlagen, das Feinstaub, Bakterien, Viren und Pilzsporen mit einer 8000 Volt-Ladung gänzlich aus der Raumluft tilgt.»

Es werde zwar eine hohe Spannung erzeugt, jedoch sei der Energieverbrauch der Filteranlage um 80 Prozent geringer als jener herkömmlicher Systeme. Ausserdem könne man die Clean-Air-Filteranlagen mittels Ultraschallbad reinigen und wiederverwenden. Er erklärt:

«Sie halten ebenso lange wie die Lüftungsanlagen selbst, also rund 15 bis 20 Jahre, und können danach recycelt werden.»

Für diese Innovation erhielt das Unternehmen Anfang des Jahres das «Solar Impulse Efficient Solution Label». Es wird von der Stiftung Solar Impuls, benannt nach Bertrand Piccards Solarflugzeug, für profitable, klimafreundliche Projekte vergeben. «Nur die in Bezug auf Nachhaltigkeit und Gesundheit 1000 wichtigsten Projekte weltweit erhalten dieses Label», berichtet Peterhans stolz.

Mobiles Gerät für Schulzimmer

Nicht nur das Label, sondern auch die Coronapandemie spielt dem Unternehmen in die Hände. «Das Interesse der Menschen für die Thematik Raumlufthygiene hat sich mit dem Ausbruch des Virus verstärkt.» Neben dem Filter, der in bestehende Lüftungsanlagen integriert werden kann, entwickelte das Unternehmen auch ein mobiles Raumluftreinigungsgerät mit derselben Filtertechnik. Er erläutert:

«Damit möchten wir vor allem die 60'000 Schweizer Schulzimmer ausstatten, in denen meist eine sehr schlechte Raumlufthygiene herrscht.»

Die Anlage, die etwa der Grösse eines schmalen Schreibtisch-Rollkorpus entspricht, wird in der Nähe eines Fensters platziert und kann ohne Montage direkt in Gebrauch genommen werden. «Das Gerät gibt ein akustisches Warnsignal ab, sobald die Luft bezüglich ihres CO2-Gehalts grenzwertig ist.» Ertönt es, muss gelüftet werden. «Beim Lüften zieht das Gerät die Frischluft aktiv ins Zimmer, filtert sie und verwirbelt die von Feinstaub, Bakterien, Viren und Pilzsporen befreite Luft anschliessend im gesamten Raum», führt Peterhans aus. Eine solche Anlage kostet zirka 8000 Franken pro Schulzimmer. «Bei einer Lebensdauer von zehn Jahren ergibt das rund 17 bis 20 Rappen pro Tag und Schüler», rechnet der Unternehmer vor.

Er und seine Geschäftspartner sehen sich mit gewaltigen Widerständen und Anfeindungen seitens der bestehenden Filterindustrie konfrontiert. «Das ist eine Rieseninnovation. Für viele ist es unvorstellbar, dass das wirklich funktioniert. Deshalb müssen wir es immer wieder beweisen mit Messungen, Vergleichen und so weiter.» Dennoch vertraut er fest auf sein Produkt und sieht positiv in die Zukunft. «Wir wollen über den Schweizer Markt nach Europa und Asien vordringen.»