Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

WIRTSCHAFTSANLASS: Nahost-Experte in Zug: «Sanktionen sind nicht das geeignete Mittel»

Auf Einladung des Zuger Vermögensverwalters Zugerberg Finanz hielt der langjährige Korrespondent Ulrich Tilgner ein Referat über das «Pulverfass Nahost». Gesprochen wurde aber auch über die Schuldenpolitik der Weltmacht USA und die richtige Anlagestrategie für Kleinanleger.
Im Lüssihof haben die Besucher den Ausführungen von Ulrich Tilgner gelauscht. (Bild: Maria Schmid (Zug, 26. Januar 2018))

Im Lüssihof haben die Besucher den Ausführungen von Ulrich Tilgner gelauscht. (Bild: Maria Schmid (Zug, 26. Januar 2018))

Livio Brandenberg

livio.brandenberg@zugerzeitung.ch

Bereits seit mehreren Jahren organisiert die Zuger Vermögensverwaltungsfirma Zugerberg Finanz eine Anlassreihe zur aktuellen Wirtschaftslage und wagt dabei jeweils einen Ausblick auf die kommenden Monate. Dieses Jahr steht der Wirtschafts- und Börsenausblick unter dem Titel «Zinsen. Aktien. Pulverfass Nahost». Als Gastredner wurde hierfür der langjährige Nahost-Korrespondent und -Experte Ulrich Tilgner eingeladen.

Und dieser enttäuschte die rund 130 Gäste am Firmensitz im Lüssihof nicht. Die Welt sei «aus den Fugen geraten», machte Tilgner gleich zu Beginn klar. Als er mit dem Organisator und «Zugerberg»-Gründer Timo Dainese vor rund zwei Monaten über sein Engagement gesprochen habe, seien gerade die Aufstände im Iran aktuell geworden. Heute sei alles schon wieder anders und die türkische Armee greife die Kurden im Norden Syriens an.

Im Iran sind sanktionierte Produkte problemlos erhältlich

Er wolle aufzeigen, dass «das, was man liest, nicht das ist, was wirklich passiert», so Tilgner. Als Beispiel nannte der 70-Jährige den «Aufstandsversuch der Armen» im Iran. In den Medien seien die Demonstrationen gegen das Regime als breite Front dargestellt worden. «Doch solange der Mittelstand, und damit ist vor allem die Bevölkerung von Teheran gemeint, nicht mitmacht, wird sich nichts grundlegend ändern», so Tilgner. Die Hauptstadt Teheran sei als eine der weltweiten Megacitys – rund 15 Millionen Menschen würden sich täglich in dem Riesengebiet aufhalten – zentral für das Gelingen eines Sturzes des iranischen Regimes, ist Tilgner überzeugt, der immer wieder im muslimischen 80-Millionen-Einwohner-Staat umherreist und arbeitet.

Demonstrieren würden die vielen Jungen, die in Teheran leben, aber eben nicht oder nur am Rande, «weil es hart ist, ein Regime zu stürzen». Sie wollten vor allem arbeiten und ihren Lebensstandard verbessern. Trotz den Sanktionen gebe es in den Einkaufszentren Teherans auch alles möglichen Produkte aus dem Westen oder aus China zu kaufen: Apple-Computer, iPhones, Laptops, Kleider und so weiter.

Zur Illustration zeigte Tilgner Videos von Schaufenstern und auch Bilder des «grössten Porschezentrums im Nahen Osten», so der Referent, das ein wenig ausserhalb des Hauptstadt liegt. «Diese Wagen werden am Zoll und an den Sanktionen vorbeigeschleust.» Sanktionierte Produkte seien also problemlos zu haben – einfach mit einem Aufschlag, bis zu 20 Prozent. Doch die meisten Güter und auch Dienstleistungen seien immer noch deutlich günstiger als beispielsweise in der Schweiz. So kommt Tilgner zum Schluss: «Sanktionen sind nicht das geeignete Mittel, um den Iran unter Druck zu setzen. Sanktionen sind hauptsächlich ein Finanzproblem.»

Unpräzise Luftangriffe als Problem

Der Iran sei anlagetechnisch interessant – was die Chinesen längst erkannt hätten, meint Tilgner weiter. Ein Beispiel sei die Röhren- und auch sonstige Bauindustrie. «Man muss aber erst mal das Geld ins Land bringen.» Denn die iranischen Banken sind nach wie vor vom westlichen Bankensystem beziehungsweise dem Zahlungsverkehr abgeschnitten, aufgrund der Sanktionen vor allem der USA und der EU. Interessant sei das Land auch, da es nicht verschuldet sei, «der Iran hat Geld», so Tilgner.

Auch zum Kampf des internationalen Militärbündnisses gegen die inzwischen arg geschwächte Terrormiliz IS präsentierte der Nahost-Experte spannende Zahlen und Einschätzungen. So seien bis letzte Woche über 105000 Luftangriffe auf den IS geflogen worden, Drohneneinsätze eingerechnet. Das sei «eine ganze Menge». Problematisch dabei: Die Raketenangriffe seien – trotz Beteuerungen der westlichen Politik und Streitkräfte – noch immer enorm ungenau und würden deshalb fast immer auch Zivilisten treffen. «Und man weiss heute, dass für einen getöteten Fusssoldaten oder einen getöteten Zivilisten etwa zehn Zivilisten zur Waffe greifen. So hat der IS stetig Zulauf und konnte sich epidemieartig verbreiten», sagt Tilgner.

Langsam an den Gedanken steigender Zinsen gewöhnen

Vor Tilgner sprach Maurice Pedergnana, geschäftsführender Partner und Chefökonom der Zugerberg Finanz, über die aktuelle Verfassung der Weltwirtschaft und wagte dabei einen Ausblick. Grundsätzlich lasse sich sagen, dass es den wirtschaftlich mächtigsten EU-Ländern gut gehe; vor zwei, drei Jahren habe das noch anders ausgesehen. «Damals gab es viel Unsicherheit, etwa wegen den Schulden Griechenlands, man sprach vom Zerfall des Euro», so Pedergnana. Dazu müsse man festhalten, dass in der EU die Schulden von den grossen Staaten auch zurückbezahlt würden. «Die USA hingegen machten und machen einfach neue Schulden.»

Was die Lage der Weltwirtschaft angehe, mache ihm sowieso «der Schuldenstand in China und vor allem in den USA Sorgen. Dies auch, weil die USA im Gegensatz zu China unter anderem fremdverschuldet sind», so der Ökonom.

Bei der Analyse des Schweizer Marktes, kommt dieser Tage niemand um das Thema Zinsen herum, so auch nicht Pedergnana. Zu den tiefen bis negativen Zinsen sagte er: «Wir müssen uns langsam mit dem Gedanken befassen, dass die Zinsen auch hier wieder ansteigen können.» Die meisten Marktteilnehmer – so die Banken, aber auch die Anleger – hätten sich an enorm tiefe Zinsen gewöhnt und seien in eine Art Tiefschlaf verfallen.

Auch zur Börse äusserte sich Finanzexperte Pedergnana. Die Bewertungen von Aktien und Obligationen in der EU und der Schweiz würden er und seine Kollegen momentan als «fair» ansehen; in den USA teilweise aber auch als «eher hoch». Den Unternehmen, vor allem auch im Euroraum und der Schweiz, gehe es gut, die Gewinnschätzungen von den Experten weltweit seien positiv.

Der US-Dollar dürfte sich noch ein wenig weiter abwerten, doch bleibe diese Abwertung im Rahmen, «und es ist noch nicht die Zeit, um in Gold zu investieren», so Pedergnana. Vielmehr seien er und sein Team überzeugt, mit der richtigen Auswahl an Titeln, mit einem Fokus auf Dividenden, könne man im aktuellen Umfeld immer noch gut Geld verdienen.

Hinweis:

Die letzte Veranstaltung findet am Dienstag, 30. Januar, um 18.30 Uhr im Lüssihof in Zug statt. Weitere Informationen und Anmeldung unter: www.zugerberg-finanz.ch.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.