Wirtschaftsbeilage 2021
Dank der Autobahn befinden sich die Geschäftshäuser Quadrolith auf der Überholspur

Das Baarer Industriegebiet Neuhof/Neufeld ist seit den 1970er-Jahren kontinuierlich gewachsen. Mit der Fertigstellung des neuen Geschäftskomplexes Quadrolith der Alfred Müller AG hat es ein neues Markenzeichen erhalten.

Carmen Rogenmoser
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Die Geschäftshäuser Quadrolith bieten 30000 Quadratmeter Fläche.

Die Geschäftshäuser Quadrolith bieten 30000 Quadratmeter Fläche.

Bild: Alfred Müller AG / PD

Unübersehbar markieren die goldglänzenden, grossen Geschäftsgebäude das Baarer Industriegebiet Neuhof/Neufeld an der Weststrasse. Die Alfred Müller AG hat sich hier ihr mit dem «Quadrolith» ein eigenes Markenzeichen geschaffen. «Das Neuhofgebiet in Baar ist ein sehr spannendes Quartier», sagt denn auch Christoph Müller, Verwaltungsratspräsident und Sohn des Unternehmensgründers. Eine der vielen Qualitäten sei die zentrale Lage mitten im Wirtschaftsdreieck Zürich, Zug und Luzern mit einer verkehrsmässig guten Erschlies­sung. «In ein paar Minuten gelangt man auf die Autobahn, im öffentlichen Verkehr gibt es ein gutes Angebot durch Stadtbahn und Bus. Das Quartier liegt aber auch im Grünen und bietet viel Lebensqualität, etwa mit dem Naherholungsraum an der Lorze, der grünen Lunge des Gebiets», ergänzt er.

Die Alfred Müller AG hat ihren Hauptsitz bereits seit 1989 hier. Die Firma, die heute rund 200 Mitarbeiter hat, wurde 1965 vom gleichnamigen Unternehmer gegründet. Noch heute liegt die Hauptverantwortung bei den Mitgliedern der Gründerfamilie im «organisch gewachsenen, unabhängigen Familienunternehmen» – so der Beschrieb auf der Website. Auf strategischer Ebene ist neben Christoph Müller mit Michael Müller ein zweiter Sohn des Gründers in leitenden Funktionen aktiv. Michael Müller als Präsident der familien­eigenen Stiftung, die die Aktienmehrheit hält.

Die Familienmitglieder Christoph (links, Verwaltungsratspräsident) und Michael Müller (Präsident der familieneigenen Stiftung).

Die Familienmitglieder Christoph (links, Verwaltungsratspräsident) und Michael Müller (Präsident der familieneigenen Stiftung).

Bild: Alfred Müller AG / PD

Vom Gewerbe- zum Dienstleistungsbetrieb

Interessant sei vor allem die wirtschaftliche Entwicklung des Neuhofquartiers, so Christoph Müller: «Hier haben sich in den vergangenen Jahren namhafte internationale Unternehmen niedergelassen und es sind viele neue Arbeitsplätze entstanden», so der Verwaltungsratspräsident. Dazu gehört auch das Restaurant Story, das das Unternehmen in Kooperation mit der Zuwebe betreibt. Es ist eines von insgesamt vier öffentlichen Restaurants im Quartier. «Mit kuia.office betreiben wir an unserem Geschäftssitz auch ein flexibles Büro- und Arbeitsplatzkonzept. Innert Jahresfrist haben hier 13 Firmen ihre Arbeitsstätte gefunden und wir sind quasi ausgebucht», sagt Christoph Müller.

Mit den Geschäftshäusern Quadrolith machte das Neuhofquartier noch einmal einen grossen Entwicklungssprung. Der Bau des Geschäftskomplexes ist seit diesem Herbst abgeschlossen. Die Nachfrage sei da, so Müller: «Von den insgesamt rund 30000 Quadratmetern Geschäftsfläche sind bereits gut zwei Drittel vermietet.» Die Weiterentwicklung des Gebiets sei wichtig für Baar und den Kanton Zug. «Es freut uns, wenn unsere Geschäftshäuser ein Faktor für die wirtschaftliche Entwicklung sind», führt Müller aus.

Die neu entstandenen und entstehenden Gebäude seien mehrheitlich Bürogebäude. Die augenfälligste Veränderung sei denn auch die Entwicklung vom Gewerbe- zum Dienstleistungsgebiet. «Dass der Dienstleistungssektor immer wichtiger wird, ist ein allgemeiner Trend und die verkehrsmässige Erschliessung wurde mit der neuen Umfahrung nochmals besser», erklärt Müller und führt aus: «Natürlich ist auch das wirtschaftsfreundliche Umfeld des Kantons Zug und der Gemeinde Baar, mit attraktiven Bedingungen für Unternehmen, wichtig für die Entwicklung.»

Diese Richtung betont auch der ­Baarer Gemeindepräsident Walter Lipp:

«Im Verlauf der Jahrzehnte ist ein Wandel von Industrie und Handwerk hin zu Dienstleistungsbetrieben erkennbar, wobei im Neufeld nach wie vor auch Malergeschäfte, ein Fensterbauer und andere Handwerksbetriebe Platz haben.»

Das Gebiet verfügt über weiteres Potenzial

Im Neuhofquartier hat aber auch eine ganze Reihe von bekannten Firmen ihren Sitz, etwa die Pharmaunternehmen Biogen und Astra Zeneca, die sich im Quadrolith niedergelassen haben. Dazu kommen weitere Firmen im Medizinbereich, in Bau, Technik und Energie bis hin zu Logistik und Mobilität, etwa die Metro, die Ineichen AG, die ­Zuger Kantonalbank, Fors oder Mövenpick. «Die Palette ist breit», sagt auch Christoph Müller.

Ausgeschöpft ist die Entwicklung noch nicht. Der Verwaltungsratspräsident der Alfred Müller AG sieht be­sonders im Gebiet Oberneuhof noch Potenzial. Neben den Geschäftshäusern werde sich auch die Infrastruktur ­weiterentwickeln: «Mit unseren ­Geschäftshäusern Quadrolith bieten wir Geschäftsflächen für rund 1500 Arbeitsplätze an. Diese Leute möchten sich verpflegen, einkaufen, ins Fitness gehen und vieles mehr.» Auch Gemeindepräsident Lipp ist überzeugt davon, dass diese Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist: «Baar ist seit Jahrzehnten für Privatpersonen und Firmen attraktiv. Dazu tragen die kurzen Wege – sowohl geografisch als auch in der Verwaltung –, das Steuerklima, die hervorragenden Verkehrsanbindungen, die schöne Landschaft mit Erholungsgebieten sowie die Dienstleistungen und Infrastrukturen bei.»

Durch das stetige Wachstum hätten sich in Baar auch über die Gemeindegrenze hinweg Clusters bilden können, die wiederum neue Firmen anziehen. «So bleibt die Entwicklung auch in Zukunft dynamisch», ergänzt Lipp. Zu den weiteren wichtigen Wirtschaftsgebieten der Gemeinde zählt er das Areal Lättich, Walterswil/Sihlbrugg, die Altgasse oder auch die Baarermatt.

Verdichtung und ein schonender Umgang mit dem Land

Wie heute an der weiteren Umgebung noch erkennbar ist, gehörte das Gebiet rund um den Quadrolith ursprünglich der Landwirtschaftszone an. Es wurde im Zuge der Entwicklung der Gemeinde Baar eingezont. Im Gebiet Neuhof/Neufeld begann die Transformation zum Industriegebiet in den späten 1970er-Jahren – im Zusammenhang mit dem Bau der Autobahn. «Das Gebiet befand sich damals am Siedlungsrand und konnte sich kontinuierlich entwickeln», wie Bauvorstand und Gemeinderat Jost Arnold ausführt. Im Grossraum Neufeld/Neuhof gebe es bis heute weitere Flächen, die noch unbebaut sind, dazu gehört etwa auch das Unterfeld-Areal.

Wie Gemeindepräsident Walter Lipp sagt, soll es sich auch künftig um ein Gewerbegebiet handeln, Wohnungen sind nicht geplant: «Im Rahmen der Ortsplanungsrevision – konkret in der Ausarbeitung der Nutzungsplanung – wird eine mögliche Entwicklung, zum Beispiel in Richtung Verdichtung, geprüft.» Das Gebiet habe für Baar eine grosse Bedeutung, so Lipp. «Es zählt sicherlich nicht zu den Quartieren, die sich für ein Sightseeing eignen. Das Neufeld und die weiteren Baarer Industriegebiete sind und bleiben aber wichtige Träger für die wirtschaftliche Entwicklung der Gemeinde – sowohl in Bezug auf Arbeitsplätze als auch auf das Steuersubstrat.» Dieses Potenzial soll weiterhin genutzt und weiterentwickelt werden, auch im Hinblick auf einen schonenden Umgang mit den Landreserven.