Leserbrief

Wirtschaftswachstum oder Klimaschutz?

Zur eidgenössischen Abstimmung am 27. September, Begrenzungsinitiative

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Wirtschaftswachstum oder Klimaschutz? Oder ist beides miteinander vereinbar? Weltweit verzeichnen wir ein Netto-Bevölkerungswachstum von rund 220000 Personen pro Tag. In der Schweiz beträgt die durchschnittliche Netto-Zuwanderung seit 2015 pro Tag zirka 290 Personen (nicht nur EU-Bürger), was pro Jahr rund 100000 zusätzliche Einwohner ergibt (Quelle: sem.admin.ch). All diese Menschen benötigen Nahrung, Kleider, Wohnraum, Schulen etc. und sie alle möchten mobil sein, etwas erleben und ihren Hobbys frönen. Da die Zuwanderer aus unterschiedlichen Ländern und Kulturen kommen und oft unseren Landessprachen nicht mächtig sind, blüht auch die Sozialindustrie (bin selber in diesem Bereich tätig) unter anderem mit Dolmetschern, diversen Unterstützungen in den Schulen und jeder Menge Beratungsjobs rund um die Themen Migration und Integration. All dies beschert uns viele neue Arbeitsplätze und Wohlstand.

Aber mehr Menschen brauchen auch mehr sauberes Wasser, mehr Energie, mehr Sand zum Bauen und saubere Luft zum Atmen – alles Ressourcen, die zusehends knapper werden. Die Bevölkerungszunahme wird vor allem im Verkehr massiv spürbar. Staus und überfüllte Züge gehören bereits zum Schweizer Standard. Die massive Zunahme an Einwohner bedeutet, dass unsere Grünflächen in rasantem Tempo zubetoniert werden. Mit diesem zunehmenden Dichtestress «flüchten» die Leute mehr denn je in die vermeintlich noch intakte Natur, was wir alle in der Coronazeit sehr gut zu spüren bekommen haben.

Für mich steht fest, wir können nicht Wirtschaftswachstum und eine intakte Natur (Klimaschutz) unter einen Hut bringen. Zu viel ist zu viel und wie so häufig gilt auch da: Weniger wäre vermutlich mehr. Ich frage mich ernsthaft: «Wo bleiben da die Grünen?»

Als sozial-, ökologisch- und wirklich gründenkender Mensch gibt es für mich nur eines. Das rasante Bevölkerungswachstum muss gestoppt werden. Ein klares Ja zur Begrenzungsinitiative wäre zumindest ein kleiner Anfang in die richtige Richtung. Informiert und überlegt euch gut: Was ist für die Zukunft wichtiger? Ist es der «vermeintliche» finanzielle Wohlstand oder ist es die Lebensqualität, die wir durch mehr Platz, mehr Ruhe und vor allem durch eine noch etwas intaktere Natur geniessen können? Setzt euch mit dem Thema auseinander und nehmt das Privileg der Mitbestimmung am 27. September wahr. Jede Stimme zählt!

Franziska Keiser, Baar