WISI?ON TOOL, STEINHAUSEN: Wie die weissen Ritter das Lego-Werk retteten

Sie haben das Lego-Werk in Steinhausen gekauft und sind mit ihrer Wisi?on Tool darin eingezogen. Lego ist heute Marc Scherers und Reto Kesslers grösster Auftraggeber.

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Marc Scherer (links) und Reto Kessler. (Bild Martin Heimann / Neue ZZ)

Marc Scherer (links) und Reto Kessler. (Bild Martin Heimann / Neue ZZ)

Ein wenig Lego prangt noch am Eingang der Firma Wisi?on Tool AG in Steinhausen. Ein Bild mit Pferden und Reitern – weissen Rittern – aus Lego-Steinen ist übrig geblieben von der Vergangenheit. Hier, wo heute Präzisionswerkzeuge für Kunststoffspritzgiessteile hergestellt werden.

Weisse Ritter, die rettend zu Hilfe eilen: Davon konnten die über 50 Mitarbeiter des Lego-Werks in Steinhausen vor zwei Jahren nur träumen. Ganze 410 Millionen Franken Verlust hatte der dänische Spielzeugwarenhersteller im Jahr 2004 eingefahren – da zog die Konzernleitung die Notbremse. Unternehmensberater überprüften die Standorte und auch das Werk in Steinhausen. Die Diagnose: nicht rentabel. Damit schien das Todesurteil für Legos einzige Werkzeugfabrik besiegelt.

Die zwei Retter
Eigentlich sind Marc Scherer und Reto Kessler ganz normale Kleinunternehmer. Scherer führt ein Treuhandbüro, Kessler eine kleine Projektmanagement-Firma. Eigentlich. Seit dem 12. Dezember 2005 sind sie auch Lebensretter. Weisse Ritter für das ehemalige Lego-Werk im Kanton Zug. Sie sind ein hohes Risiko eingegangen, haben das Werk abgekauft und den ehemaligen Lego-Mitarbeitern neue Arbeit und neue Hoffnung gegeben.

So nahm alles seinen Lauf: Scherer und Kessler erfahren aus der Zeitung von der drohenden Schliessung des Lego-Werks. Sie reden über die Mitarbeiter, die ihre Stelle verlieren, über noch mehr Arbeitsplätze, die ins Ausland ausgelagert werden. Und darüber, dass man etwas tun muss. «Warum kaufen wir das Werk nicht einfach?», fragen sie sich. Am 6. Oktober 2005 nehmen die beiden Verhandlungen mit Lego auf. Sprechen mit Banken, kratzen das nötige Geld zusammen. «Es war einfach eine verrückte Idee», sagt Kessler heute. Anfang Dezember 2005 übernehmen sie die Fabrik für 7,7 Millionen Franken, und die Arbeit fängt an.

«Lego hat uns im Zuge der Übernahme fair behandelt», sagt Mitinhaber Marc Scherer. «Heute ist das Unternehmen unser grösster Kunde. »

Nelly Keune

Den ausführlichen Artikel lesen Sie am Donnerstag im Wirtschaftsteil der Neuen Luzerner Zeitung und ihren Regionalausgaben.