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Wo sich im Kanton Zug seltene Tierarten verstecken

Im zweiten Teil der Serie rund um den Zuger Wald geht es um Lebewesen, die auf einen bestimmten Lebensraum angewiesen sind und nur partiell vorkommen. Hirschkäfer, Auerhuhn und Gelbringfalter sind allesamt bedroht, ihr Wald wird aber gepflegt.
Laura Sibold
Der Hirschkäfer kommt im Kanton Zug nur in Walchwil vor. (Bild: Amt für Wald und Wild Zug)Der Hirschkäfer kommt im Kanton Zug nur in Walchwil vor. (Bild: Amt für Wald und Wild Zug)
Der Hirschkäfer kommt im Kanton Zug nur in Walchwil vor. (Bild: Amt für Wald und Wild Zug)Der Hirschkäfer kommt im Kanton Zug nur in Walchwil vor. (Bild: Amt für Wald und Wild Zug)
Noch etwa zehn Auerhähne gibt es im Kanton Zug. (Bild: Amt für Wald und Wild Zug)Noch etwa zehn Auerhähne gibt es im Kanton Zug. (Bild: Amt für Wald und Wild Zug)
Noch etwa zehn Auerhähne gibt es im Kanton Zug. (Bild: Amt für Wald und Wild Zug)Noch etwa zehn Auerhähne gibt es im Kanton Zug. (Bild: Amt für Wald und Wild Zug)
Der Gelbringfalter wurde vor wenigen Jahren erstmals in Walchwil entdeckt. (Bild: Amt für Wald und Wild Zug)Der Gelbringfalter wurde vor wenigen Jahren erstmals in Walchwil entdeckt. (Bild: Amt für Wald und Wild Zug)
Der Gelbringfalter wurde vor wenigen Jahren erstmals in Walchwil entdeckt. (Bild: Amt für Wald und Wild Zug)Der Gelbringfalter wurde vor wenigen Jahren erstmals in Walchwil entdeckt. (Bild: Amt für Wald und Wild Zug)
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Seltene Tierarten im Kanton Zug

Er ist die Tante Ju unter den Käfern und klingt auch etwas wie ein brummendes Oldtimer-Flugzeug: der Hirschkäfer. Die mit bis zu acht Zentimetern Länge grösste europäische Käferart kommt im Kanton Zug praktisch nur in Walchwil vor und wird auf der roten Liste bedrohter Tierarten als «verletzlich» aufgeführt. «Es ist faszinierend, diese Tiere bei uns zu haben», sagt Werner Heynisch. Der ehemalige Forstingenieur kann auf seinem Balkon am Dorfrand Walchwils regelmässig Hirschkäfer beobachten, die im Sommer rund zwei Wochen während der Dämmerung ausfliegen. Pro Jahr sehe er zwischen 5 und 20 Käfer, wobei er auch schon «Käferfeste» gesehen habe, wo sich bis zu 30 Insekten in einem Strauch versammelt hätten, so Heynisch. Das sei dann jeweils ein regelrechts Käferkonzert, das in etwa so klingt:

Vor neun Jahren hat der heutige Pensionär begonnen, die Käfer zu dokumentieren. «Ich wollte wissen, wieso es in Walchwil noch so viele gibt, wo sie doch schweizweit so selten geworden sind.» Bald stellte sich heraus, dass die Käfer über das ganze Gemeindegebiet in alten Baumstöcken ihre Eier legen. Das warme Klima am Zugersee mit dem lichten Wald bietet dem Hirschkäfer einen idealen Lebensraum. Das Amt für Wald und Wild stellt in den letzten Jahren eine stabile Hirschkäfer-Population fest. «Daher waren keine spezifischen Schutzmassnahmen nötig. Solange Förster alte Stöcke stehen lassen, ist der Lebensraum des Käfers gesichert», betont Heynisch, einzig eine Veränderung der Baumarten könne unabsehbare Folgen für den Bestand haben.

Fördermassnahmen helfen auch anderen Waldbewohnern

Während der Lebensraum des Hirschkäfers nicht aktiv aufgewertet werden muss, ist dies bei anderen Tierarten elementar. Etwa beim Auerhuhn, das heute im Kanton Zug nur noch im Ägerital um den Türlistock sowie im Gebiet Höhronen vorkommt und gemäss roter Liste stark gefährdet ist. Zwischen 1977 und 2013 ist der Bestand im Kanton um die Hälfte zurückgegangen, von sechs auf drei Paare. Im Gebiet Höhronen wurden allerdings in den letzten Jahren mehr Auerhühner festgestellt, der Bestand wird auf zehn Vögel geschätzt. «Zu tun hat dies mit den Schutzprogrammen, an denen sich Zug seit 2000 beteiligt», erklärt Sales Nussbaumer, Forstwart der Korporation Unterägeri. In den Naturschutzgebieten Rossberg und Höhronen hat man Wald ausgelichtet, weil das Auerhuhn offene Wälder braucht. Da der grösste Hühnervogel Europas sehr störungsempfindlich ist, gibt es im Kernlebensraum nur wenige Wanderwege und unbewilligte Pfade werden gesperrt. Im Kanton Zug auf einen Auerhahn zu treffen, ist sehr selten. Dem Leser Christoph Iten gelang dies im Gebiet Höhronen:

Eine weitere stark gefährdete Tierart ist der Gelbringfalter. Erst im Juli 2018 wurde er erstmals im Kanton Zug gefunden. Wie der Hirschkäfer kommt er einzig in Walchwil vor und wurde in einem Waldnaturschutzgebiet oberhalb des Dorfes entdeckt. Der Fund des bräunlichen Falters mit dem Ringmuster auf den Flügeln gilt als spektakulär und ist laut Amt für Wald und Wild ein Beleg, dass die Aufwertungsarbeiten in Waldschutzgebieten wirksam seien. So bevorzugt der Tagfalter ähnlich wie das Auerhuhn locker bestockte Wälder oder offene Lichtungen. Sowohl Auerhuhn als auch Gelbringfalter und Hirschkäfer sind Schirmarten. Wo sie vorkommen, leben mit grosser Wahrscheinlichkeit auch andere gefährdete Vogelarten oder Insekten. «Von Fördermassnahmen für diese seltenen Tierarten profitieren andere Lebewesen. Daher ist der Schutz ihres Lebensraums zentral», so Nussbaumer.

Artenvielfalt im Kanton ist gross

Die Hälfte aller, in der Schweiz vorkommenden, Tier- und Pflanzenarten leben im Wald. «Der Kanton Zug an der Nahtstelle zwischen Mittelland und Voralpen verfügt auf kleiner Fläche über ein grosses Artenreichtum», sagt Priska Müller vom Amt für Wald und Wild. Der Zuger Wald ist wichtigster Lebensraum für Wildtiere wie Reh, Rothirsch und Hase. Ihr Bestand wird jährlich an ausgewählten Gebieten gezählt. So wurden im Frühjahr 2018 insgesamt 1035 Rehe, 101 Rothirsche und 15 Feldhasen erfasst. Gämsen werden nicht regelmässig gezählt, Schätzungen zufolge sind es auf Zuger Boden 50 bis 60 Tiere. Zu den weiteren Tierarten im Wald führt der Kanton keine regelmässigen Zählungen durch. Aufschluss über ihr Vorkommen geben die Fallwild-Zahlen. So werden Tiere bezeichnet, die nicht durch die Jagd starben, sondern durch Krankheit, Alter, Auto-/Bahnverkehr oder andere Ausseneinwirkung. 2017 wurden 120 Rotfüchse, 40 Dachse und 30 Marder als Fallwild registriert.

Quelle: Amt für Wald und Wild Zug / Grafik: Martin Ludwig

Quelle: Amt für Wald und Wild Zug / Grafik: Martin Ludwig

Neben den klassischen Wildtieren sind zahlreiche Vogelarten in Zug heimisch. Das Amt für Wald und Wild hat zwischen 1979 und 2016 Daten zum Bestand der Brutvogelarten in den Waldnaturschutzgebieten erhoben. Dabei wurden gut 100 brütende Arten festgestellt, wovon 53 national oder für Zug von Bedeutung sind. Die Vögel der Laubwälder verzeichnen eine positive Bestandsentwicklung. Die Arten der Nadelwälder zeigen mehrheitlich negative Entwicklungen, was wohl auf die Verdunkelung der Wälder zurückzuführen ist. Stark rückläufig sind bodenbrütende Arten, wohl primär wegen Füchsen, Katzen und Rabenvögeln. In Zuger Wäldern gibt es auch eine grosse Fledermausvielfalt. Anhand von Ultraschallaufnahmen 2010 bis 2014 konnten in den Waldnaturschutzgebieten zwölf Fledermausarten nachgewiesen werden. Ein Viertel davon ist gefährdet oder vom Aussterben bedroht. Die Ergebnisse zeigen laut Müller, wie gross der ökologische Wert einer Waldfläche ist. «Eine grosse Vorkommensdichte an Fledermäusen weist darauf hin, dass das Ökosystem intakt ist.» (ls)

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