Leserbrief

Wo waren dieselben Stimmen der Entrüstung?

Zu den Vorkommnissen in Washington

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Der scheidende US-Präsident Trump gab mit seinem Aufruf zum Marsch zum Kapitol in Washington das Signal. Am 6.Januar stürmte eine erzürnte Menge das Weisse Haus. Es waren keine «Berufskrawallanten», sondern in ihrer Mehrheit wohl einfache Bürger, Angestellte, Arbeiter, nicht wenige unter ihnen Anhänger kruder Verschwörungstheorien.

Viele davon aus dem Süden und mittleren Westen der USA angereist, aus Gegenden also, in denen nicht nur das Streben nach Freiheit und Unabhängigkeit, sondern auch ein tiefes Misstrauen, Unbehagen gegen die als Elite verschrieenen Washingtoner Politiker, traditionell stark verankert ist.

So entschieden diese Gewalt – zumal gegen eine demokratische Institution – zu verurteilen ist, die internationalen Protestnoten dagegen hinterlassen einen etwas schalen Nachgeschmack. Wo waren denn dieselben Stimmen der Entrüstung während der durch massive Gewaltausbrüche begleiteten Demonstrationen der Black-Lives-­Matter-Bewegung letzten Sommer, welche überschwappend nach Europa auch hier seine Nachahmer fand, oder gegen das oft illegale Agieren der Klimajugend?

Geradezu zynisch ist die Reaktion des Regimes in Peking auf die Vorgänge in Washington D.C., das hier Parallelen zu den Demokratieprotesten in Hongkong zog, als ob es sich bei der Volksrepublik um eine «Demokratie» handeln würde.

Otto Rölli junior, Menzingen