Interview

Wo werden die Bewohner des «Schandflecks» in Unterägeri künftig untergebracht?

Das Mehrfamilienhaus an der Zugerstrasse 91 in Unterägeri wird abgerissen. Darin leben gegenwärtig Männer, die auf die Nothilfe angewiesen sind. Jris Bischof, Leiterin des kantonalen Sozialamts, sagt, dass der Kanton aktuell über genügend Optionen verfüge.

Carmen Rogenmoser
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Wie viele Männer leben derzeit in dem Haus in Unterägeri, das einem Neubau weichen wird?

Jris Bischof: Es handelt sich um zehn Personen.

Was bedeutet der Status Nothilfe?

Jris Bischof, Leiterin des kantonalen Sozialamts.

Jris Bischof, Leiterin des kantonalen Sozialamts.

Bild: PD

Im Jahr 2008 traten das neue Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer und die revidierten Bestimmungen des Asylgesetzes in Kraft. Dabei wurde unter anderem der sogenannte Sozialhilfestopp, also der Ausschluss von der Sozialhilfe, der bisher nur für Personen mit einem Nichteintretensentscheid gegolten hatte, auf alle Personen mit einem rechtskräftig abgelehnten Asylgesuch mit Ausreiseverpflichtung ausgedehnt. Alle diese Personen sind seither von Bundesrecht wegen von der Sozialhilfe ausgeschlossen und erhalten nur noch Nothilfe. Die Nothilfe umfasst insbesondere ein Obdach in dafür bezeichneten Unterkünften, Nahrung und Hygieneartikel gemäss Unterstützungsrichtlinien, Kleidungsstücke und andere Sachmittel bei dringendem und nachgewiesenem Bedarf sowie ärztliche und zahnärztliche Notfallversorgung. Die Unterstützungsrichtlinien der Direktion des Innern legen die Nothilfe für Personen aus dem Asylbereich für Einzelpersonen mit einem Nichteintretensentscheid oder einem negativen Asylentscheid auf acht Franken pro Tag fest.

Das Mietverhältnis des Hauses in Unterägeri mit dem Kanton endet am 30.November. Besteht bereits eine Anschlusslösung für die Betroffenen?

Die bisherigen Bewohner an der Zugerstrasse 91 werden auf die anderen Nothilfe-Unterkünfte im Kanton verteilt.

Wie viele Flüchtlinge leben gegenwärtig im Kanton Zug?

Per 31. August waren 1268 Personen aus dem Asyl- und Flüchtlingsbereich sogenannte aktive Fälle in der Abteilung Soziale Dienste Asyl. Die Statistik per Ende September 2020 ist aktuell in Erarbeitung.

Gibt es denn derzeit genug Unterkünfte?

Aktuell gibt es genügend Unterbringungsmöglichkeiten für Personen aus dem Asyl- und Flüchtlingsbereich, die nicht selber eine Wohnung finden und mieten können. Bisher ist es der Direktion des Innern mit viel Aufwand immer wieder gelungen, auf dem Liegenschaftsmarkt genügend geeignete Unterkünfte zur Unterbringung der dem Kanton Zug zugeteilten Asylsuchenden und Flüchtlinge zu finden und zu mieten. Da es sich dabei oft um Abbruchobjekte handelt, die nur auf Zusehen hin genutzt werden können, waren und sind auch regelmässig Abgänge zu verzeichnen. Bisher konnten diese Abgänge ersetzt werden, auch dank dem Engagement von Gemeinden. Die Unterbringungskapazität ändert sich laufend, da Unterkünfte und Wohnungen dazukommen und andere wegfallen.

Das Interview wurde schriftlich geführt.