Leserbrief
Woher kommt das Geld?

Zur eidgenössischen Abstimmung über das Covid-19-Gesetz

Drucken
Teilen

«Wes Brot ich ess, des Lied ich sing» ist ein verbreitetes Sprichwort. So fragt man sich auch bei der kommenden Covid-Abstimmung, wer was finanziert – und auch, wer was nicht finanziert.

Lange Zeit galten prinzipielle Impfgegner als verschrobene Minderheit, neben Angsthasen anzusiedeln im gedanklichen Bereich einiger Sekten und anderer spiritualistischer Vereinigungen. Gemeinsame Aktionen waren nie möglich: Dazu widersprachen sich die verschiedensten weltanschaulichen Extrempositionen viel zu stark. Um so mehr erstaunt, dass jetzt die Impfgegner offensichtlich an die Honigtöpfe des Grosskapitals gelangt sind. Die Gegner-Organisationen unter Fantasiebezeichnungen wie «Freunde der Verfassung», «Aktionsbündnis Urkantone», «Netzwerk Impfentscheid», «Bürgerforum Schweiz» usw. sind ja erst im Hinblick auf die Abstimmung entstanden, und Aussenstehende erhalten höchstens bruchstückhaft Einblick, wer effektiv dahinter steckt. Der Kontrast zur Befürworterseite ist auch schon in dieser Zeitung thematisiert worden. Gerade bürgerliche Parteien müssten doch im Hinblick auf den Weiterbestand unseres Wirtschaftssystems ein eminentes Interesse daran haben, dass das Covid-19-Gesetz durchkommt, nicht nur knapp, sondern möglichst schwungvoll und überzeugend. Und da stellt sich auch die Frage der Nicht-Finanzierung: Liegt die Knausrigkeit daran, dass man einzelne Abweichler innerhalb der eigenen Partei nicht vergraulen will, oder werden die eigentlich vorhandenen Geldmittel als Reserve aufgespart, um die nächste tatsächlich oder vielleicht auch nur angeblich linksgrüne Initiative zu bodigen?

Das einzig Positive: Laut den neuesten Umfragen ist die Zustimmung zum Covid-19-Gesetz trotz ungleicher Verteilung der Geldmittel bis jetzt nicht geschwächt worden, sondern im Gegenteil sogar gestiegen. Wenn es um die eigene Gesundheit und die freie persönliche Beweglichkeit geht, vermag dies hoffentlich die Käuflichkeit von Abstimmungsresultaten zu überwinden.

Jürg Röthlisberger, Cham

Aktuelle Nachrichten