«Seitenblick»: Wohin, wohin soll ich wohl?

Reporterin Zoe Gwerder über die gar nicht einfache Frage, wohin man überhaupt in die Ferien will.

Zoe Gwerder
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«Gönd ihr no id Ferie?» Gefühlte tausendmal wird einem diese Frage derzeit gestellt. Und auch ich stelle sie im Small Talk gerne – unverfänglich, und aufschlussreich. Gibt einem doch die Antwort des Gegenübers auch viele Informationen zur Person: Vielflieger? Strandsonner? Bergfreak? Hippiebuscamper? Balkonienist?

Viel schwieriger als das Fragen ist jedoch der Prozess, bis man selber weiss, was antworten. Nicht das Artikulieren oder Formulieren der Antwort – das sollte ich schon noch zu Stande bringen. Schwierig finde ich, herauszufinden, wohin man überhaupt in die Ferien will. Klar, ob Vielflieger oder Hippiebuscamper ist eher eine Grundsatzfrage, welche zumindest ich meist für mich schon im Voraus beantwortet habe: Ich campiere. Trotzdem: Auch wenn ich meinen Ferienort-Radius auf die Schweiz beschränke, bleibt es äusserst schwierig.

Denn für mich ist der grösste Faktor jener, der von oben kommt: das Wetter. Unberechenbar und nur sehr kurzfristig vorhersehbar, kann es eigentlich – insbesondere im Sommer – aufgrund der nötigen Reservation eines Campingplatzes, nicht berücksichtigt werden. Da für mich aber zu den Sommerferien schon fast zwingend Baden im Freien dazugehört, ich aber auch allzu heisses Wetter nicht mag, wird dieses trotzdem Matchentscheidend bei der Wahl der Destination. (Und ja, ich bin da ziemlich wählerisch.)

Wird es sehr heiss – so wie in diesem Jahr Ende Juni – wäre der Campingplatz im Engadin wohl prädestiniert. Mit kühlen Nächten und badewarmen Tagen wäre er perfekt. Ist das Wetter aber kühl und regnerisch, benötigt es im Engadin schon fast die Winterausrüstung – will man beim Campen auch am Abend noch draussen sitzen. Da wäre ich dann doch lieber im Tessin, wo auch die regnerischen Tage meist ausreichend warm sind, um in Shorts und T-Shirt unterwegs zu sein. Doch Sie ahnen es: Auch in der Sonnenstube der Schweiz gibt es für mich ein grosses Aber. Wird es dort nämlich so richtig heiss, sodass jegliche Aktivitäten tagsüber in der Hitze verpuffen und jeder Meter Weg zum Wasser einer zu viel ist, wünsche ich mich wieder ins kühle Engadin zurück, auch wenn ich für kühlere Tage die Wintergarderobe mitnehmen muss.