Fasten: Wohltat oder Quälerei?

Phasenweise aufs Essen zu verzichten, ist en vogue. Reinigende Wirkung messen dieser Prozedur die Fastenpropheten bei, als unnötige Rosskur bezeichnen es die Gegner. Unsere Mitarbeiter Zoe Gwerder und Cornelia Bisch sind sich uneinig.

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Zoe Gwerder.

Zoe Gwerder.

Fasten – auf Essen verzichten – eine Horrorvorstellung für mich. Nicht, dass mein Leben nur aus Essen bestehen würde. Aber für mich ist es eines der essenziellsten Sachen im Leben überhaupt – da würden mir wohl auch Biologen zustimmen. Der biologische Faktor ist jedoch nicht der Hauptgrund, weshalb ich bis heute nie in Erwägung gezogen habe zu fasten.

Insbesondere der gesellschaftliche Aspekt der Nahrungsaufnahme hat es mir angetan. Gemeinsam zusammensitzen, sein Mittagessen geniessen und über Gott und die Welt plaudern- oft auch über deren unappetitliche Seiten –, gehören für mich zu den Höhepunkten eines Arbeitstages. Die Mahlzeiten zwischendurch – ein Znüni oder Zvieri – eine willkommene Abwechslung und guter Grund, kurz eine Pause im hecktischen Alltag einzulegen.

Klar kann ich mir vorstellen, dass es auch eine gute Erfahrung sein kann, für eine Zeit auf Essen zu verzichten und sich dieses alltäglichen Akts bewusster zu werden. Möglicherweise hat Kollegin Bisch auch recht und Fasten tut wirklich gut. Doch nur schon beim Gedanken an eine Darmspülung verwerfe ich erste Fasten-Ideen wieder – mir reichen die ein bis zwei Magen-Darm-Infekte pro Jahr völlig aus. Freiwillig mache ich dies sicher nicht.


Cornelia Bisch.

Cornelia Bisch.

Ich weiss vor allem eines, wie man es nicht machen sollte. Mit einer gewissen Überheblichkeit nahm ich vor einigen Jahren meine allererste Fastenwoche auf die allzu leichte Schulter und fiel prompt auf die Nase. Denn so leicht ist es eben doch nicht.

Es begann schon beim Einstieg mit dem appetitlichen Glaubersalz, das bekanntlich den Darm reinigen soll, um Hungergefühlen und Mattigkeit vorzubeugen. Ich schluckte das ekelhafte Zeug viel zu spät am Tag, sodass ich nachts ständig raus musste und viel zu wenig trank. Das Ergebnis: ein ausgewachsener Kater.

Zweiter Fehler: Die Fortsetzung der familiären Küchenpflichten. Sich täglich mit den sinnlichsten Düften zu umgeben, selbst aber verzichten zu müssen, ist pure Folter. Kampfkochen im Vorfeld oder die Übertragung der Küchenkompetenzen auf weniger fastenaffine Familienmitglieder ist eher zu empfehlen.

Dritter Stolperstein: Das Wochenprogramm. Es heisst zwar, man dürfe sein Leben weiterführen wie bisher. Nun, ich würde sagen, es kommt aufs Leben an. Zweimal täglich eine Stunde Fahrrad zu fahren und von Termin zu Termin zu hetzen, ist nicht eben fastenfreundlich.

Nach vollzogenem Lernprozess und mehrmaliger Wiederholung der Prozedur kann ich nun mit Überzeugung bestätigen: Fasten tut gut.