Wohltuend anspruchsvoller Jazz im Burgbachkeller Zug

Eigenkompositionen und Neuarrangements bekannter Jazz-Nummern: Wenn Roberto Bossard und seine Mitmusiker ein Konzert geben, sind ihnen ein voller Saal und die Begeisterung des Publikums so gut wie sicher.

Haymo Empl
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Gitarrist Roberto Bossard riss mit seiner New Group im Burgbachkeller ein begeistertes Publikum mit. (Bild: Christian H. Hildebrand (Zug, 19. Mai 2019))

Gitarrist Roberto Bossard riss mit seiner New Group im Burgbachkeller ein begeistertes Publikum mit. (Bild: Christian H. Hildebrand (Zug, 19. Mai 2019))

Jazzmusik mit Anspruch und genau der richtigen Portion Tiefgang ist praktisch das «Off-Label» der Roberto Bossard New Group. Im Burgbachkeller erschien das Publikum zahlreich und konnte sich praktisch ab dem ersten Ton für die Performance des Bandleaders und seiner Band begeistern. Auf dem Programm standen einige bekannte Perlen der Jazzmusik, welche die Roberto Bossard New Group in spannenden Arrangements neu präsentierte, aber vor allem waren es die Eigenkompositionen, die neugierig machten. Gerade bei diesen zeigte sich nämlich, wie stark die Jazz-Combo sein kann. Durch Authentizität und Zurückhaltung gepaart mit Charisma.

Und natürlich Originalität; beispielsweise bei der Titelgebung der Kompositionen: «Babbit The Rabbit» aus der aktuellen CD «Nostalgia» (auch auf Spotify) zeigte zum Beispiel schon im ersten Teil des Konzertes, wie gut die Band harmonierte und wie spannend die Synergien der verschiedenen Individuen auf der Bühne sein konnten.

Noten zum Leben erweckt

Roberto Bossard gehört seit Dekaden zu den prägenden Jazz-Gitarristen der Schweiz, ist Dozent für Jazzgitarre an der Musikhochschule Luzern und auch im Ausland erfolgreich. Das Geheimnis für den Erfolg in dieser helvetischen Musiknische ist schnell erklärt: Robert Bossard nimmt Raum ein und er tut das alleine mit seiner Musik; sich als Person hält er angenehm zurück. Das kommt an, denn dadurch erhält jeder Musiker den notwendigen Raum und genügend Platz, um zu zeigen, was er kann. Besonders eindrücklich beispielsweise das Schlagzeug: Dominic Egli schaffte das Kunststück, seine Drums mal stur, mal mürrisch, mal stringent und mal spannend klingen zu lassen.

Dass die Noten zum Leben erweckt wurden, ist auch dem Saxofon, gespielt von Toni Bechtold, zu verdanken. Zentrales Instrument im Jazz und notabene auch auf der Bühne im Burgbachkeller.

Wie ein Bass klingen kann, wurde bei besagtem «Babbit The Rabbit» klar, eindrücklicher wurde das Instrument zuvor kaum gespielt, Raffaele Bossard zeigte in seinen Soli faszinierende Virtuosität, und mit Lukas Gernet am Piano wurden entsprechende Facetten in den manchmal nicht ganz einfachen Kompositionen von Roberto Bossard genauso nuanciert gespielt, wie es wohl im Sinne des Bandleaders war.

Roberto Bossard spielte seine uralte 1945-er Gibson Gitarre am Samstag souverän, und man spürte, dass er auch nach vielen Jahren und unzähligen Auftritten immer noch Spass an der Musik hatte. Genau das macht auch einen guten Musiker aus: «Die Liebe zur Musik und harte Arbeit. Sprich: üben, üben, üben», so der 60-jährige Musiker im Gespräch. Und er erklärte weiter: «Es gibt Stücke wie ‹Puffed›, die harmonisch sehr anspruchsvoll sind und deshalb eine improvisatorische Herausforderung sind, aber daneben ist es auch eine Kunst ein Stück wie ‹Nostalgia› zu komponieren/interpretieren, bei welchem man aufpassen muss, dass die Einfachheit (harmonisch und melodisch) nicht billig/kitschig wird». Schmalzig war es am Konzert am Samstagabend nie, dafür inspirierend und wohltuend anspruchsvoll. Und manchmal vielleicht etwas laut, bedingt durch die Akustik in der Lokalität.

(K)ein Heimspiel

Ein Heimspiel für den gebürtigen Zuger war das Konzert am Samstag dennoch nicht, denn gerade zu Hause wird man bekanntlich genaustens unter die Lupe genommen. Und wenn der Auftrittsort ein solch intimer ist, wie es beim Burgbachkeller räumlich gegeben zwangsläufig der Fall war, dann wären Fehler unüberhörbar. Roberto Bossard und seine New Group waren auch hier auf der sicheren Seite, und natürlich bedeutet ihm Zug als Stadt und Kanton viel: «Zug ist mein ruhiger Hafen», erklärte der Musiker. «Und ich bin in Zug vor allem durch Jazzlegende Hans Kennel mit dieser Musik in Berührung gekommen».

Spannender Generationenmix

Das Publikum am Samstagabend war angenehm durchmischt, beinahe alle Generationen waren vertreten. Roberto Bossard dazu: «Ich versuche immer, einen Mix von Musik zu spielen, der für alle Musikliebhaber zu geniessen ist und nicht nur für Jazzfans». Dies war ihm ganz offensichtlich gelungen. Aber nicht nur der Mix auf der Bühne machte es aus, sondern schlicht auch das Können, denn Roberto Bossard und seine New Group (die mittlerweile auch nicht mehr so ganz neu ist) haben sich schon längst über die Kantons- und Landesgrenzen einen Namen gemacht. Zug am Samstagabend bildete nämlich den Auftakt zu einer kleinen Tournee nach Österreich und der Slowakei.