WOHNEN: «Eine Klinik ist kein Zuhause»

Die Stiftung Phönix bietet Menschen mit psychischer Beeinträchtigung Möglichkeiten, selbstständig zu leben – in verschiedener Form. Das wird sehr geschätzt.

Susanne Holz
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Der Blick in die Zukunft ist durchaus positiv. Auch wenn sich Phönix-Geschäftsleiterin Yvonne Lüdi der Mühen einer Stiftung bewusst ist. (Bild Stefan Kaiser)

Der Blick in die Zukunft ist durchaus positiv. Auch wenn sich Phönix-Geschäftsleiterin Yvonne Lüdi der Mühen einer Stiftung bewusst ist. (Bild Stefan Kaiser)

«Es braucht uns nach wie vor und mehr denn je», ist sich Yvonne Lüdi sicher. Die 59-Jährige leitet die Geschäfte der Stiftung Phönix Zug (siehe Box). Die Stiftung Phönix nimmt sich seit fast 40 Jahren Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen an. Ihr Angebot umfasst verschiedene Wohnmöglichkeiten sowie begleitetes Wohnen und ein Tageszentrum. Yvonne Lüdi, die Sozialpädagogik studiert und während des Studiums psychisch beeinträchtigte Menschen in einem Wohnheim betreut hat, blickt zurück auf die späten Siebziger: «Psychisch erkrankte Menschen lebten manchmal jahrzehntelang in einer psychiatrischen Klinik – aber eine Klinik ist kein Zuhause. Damals begann in verschiedenen europäischen Ländern ein Umdenken. Es entstanden sozialpsychiatrische Projekte, um diese ‹Dauerpatienten› in die Gesellschaft zu reintegrieren.»

Yvonne Lüdi betont, dass sich die Stiftung Phönix seit der Gründung der ersten Wohngemeinschaft bemüht, Menschen mit einer psychischen Erkrankung Rhythmus im Alltag sowie Halt und Vertrauen zu geben. «Nach einer psychischen Erkrankung und einem Klinikaufenthalt haben diese Menschen den Glauben an sich selbst manchmal fast verloren. Starten sie danach ein Leben mit adäquater Unterstützung, bieten sich ihnen neue Perspektiven.»

Bedarf gestiegen

Ein Prinzip der Stiftung Phönix ist, den Fokus nicht auf die Erkrankung der Betroffenen zu richten, sondern mit deren Stärken und Entwicklungsmöglichkeiten – sprich Ressourcen – zu arbeiten. Dass diese Herangehensweise aufgeht und geschätzt wird, beweist nicht nur die Tatsache, dass vergangenes Jahr allein 130 Menschen das Tageszentrum genutzt haben. Auch das Übergangswohnhaus war zu fast 100 Prozent belegt. Die Wohnheime Euw und Rufin Seeblick sind permanent voll ausgelastet, und beim Begleiteten Wohnen ist die Nachfrage seit Jahren konstant.

Yvonne Lüdi sagt: «Der Bedarf nach unseren Angeboten ist über die Jahre fortlaufend gestiegen. Der aktuelle Bedarf übersteigt unsere Kapazitäten klar.» Nachdenklich stimmt sie auch die geplante Kürzung des Taschengelds von IV-Bezügern und -Bezügerinnen mit Ergänzungsleistungen im Rahmen des kantonalen Sparpakets: «Dies ist auf der individuellen Ebene für Menschen mit einer IV-Rente ein schwerer Rückschritt, der die Möglichkeiten, sich am gesellschaftlichen Leben zu beteiligen, massiv einschränkt.» Yvonne Lüdi ist der Ansicht: «Unsere Gesellschaft sollte diese Menschen so gut wie möglich unterstützen und in ihrem Selbstbewusstsein stärken.» Könne man ausser Haus aufgrund fehlender finanzieller Mittel nicht aktiv sein, sei das nicht förderlich für das Zugehörigkeitsgefühl und die psychische Gesundheit.

Grosse Dankbarkeit

Phönix – so heisst der Vogel aus der Mythologie, der aus seiner Asche aufersteht. In der Ende 2015 erschienenen Jubiläumsschrift zu «20 Jahren Tageszentrum» berichtet ein Besucher desselben von seiner anfänglichen Beklemmung, mit dem Stiftungsrat zu essen. Und von seiner Freude hinterher: «Ich hatte das Gefühl, als hätte sich in meiner Burgmauer einiges geradegebogen. Mein Herz war erfüllt, Danke zu sagen.»

Susanne Holz

Hinweis

www.phoenix-zug.ch