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Wohnung für Obdachlose in der Stadt Zug gesucht

Der Verein «Ein Bett für Obdachlose» will im Kantonshauptort sein Projekt erweitern, das in Baar gut angelaufen sei. Der Initiant Bernhard Tobler erklärt, warum Notwohnungen dafür ungeeignet sind.
Charly Keiser

Auch im reichen Kanton Zug gibt es Obdachlose. Das ist eine Tatsache, die nur wenigen Leuten bekannt ist und darum für grosses Staunen sorgt. Das begegnet dem Neuheimer Bernhard Tober (70), der im Vorstand der Hilfe-Stiftung KJBZ sass, immer wieder. Alle Gemeinden erklärten ihm gegenüber, dass sie keine Kenntnisse von Obdachlosen hätten. «Doch wir sind 2017 von Gassenarbeiterinnen angesprochen worden und haben darum das Projekt initiiert.»

Der Verein «Ein Bett für Obdachlose», der aus drei Mitgliedern besteht, mietet seit vergangenem Jahr in Baar eine Wohnung und stellt diese Obdachlosen zur Verfügung. Drei Obdachlose haben dank dem Verein ein Bett bekommen und können ihre Grundbedürfnisse stillen sowie sich eine gewisse Wohnkompetenz aneignen, erzählt Tobler, der lange Jahre in Baar eine Apotheke führte. Das Ziel des Projekts sei, den Betroffenen ein geregeltes Leben zu ermöglichen und sie – wenn möglich – zu einer regelmässigen Arbeit und damit einer erfolgreichen Reintegration zu bewegen. «Die Betreuung und Begleitung dieser Personen hat zum Erfolg des Projekts viel beigetragen», betont Tobler. «Eine Gassenarbeiterin und eine weitere Person besuchen und betreuen die Personen mehrmals wöchentlich.»

Das Projekt will der Verein nun auf die Stadt Zug ausdehnen. «Dazu suchen wir eine Wohnung oder ein Haus», erklärt Bernhard Tobler. Es würden keine grossen Ansprüche gestellt. Platz für zwei bis vier Personen sei ideal. «Es kann sich dabei auch um eine ­Altliegenschaft handeln.»

Der Verein kämpft um politische Akzeptanz

Die Herausforderungen mit Obdachlosen seien vielfältig. Denn diese hätten meist schwierige persönliche Situationen und Probleme, erklärt Tobler. Häufig würden ihnen persönliche Ressourcen und Kompetenzen fehlen. Sie hätten oft Suchtprobleme, Persönlichkeitsstörungen und psychische Probleme und seien in zwischenmenschlichen Beziehungen instabil. «Darum ist eine Betreuung so wichtig», betont er. Die politische Akzeptanz des Projekts «Ein Bett für Obdachlose» hält sich – gelinde gesagt – in Grenzen. Der Grund sei die Ansicht der Zuger Politiker und Sozialämter, dass sich Obdachlose ja nur melden müssten und die Sozialhilfe ja garantiert sei.

Das stimme zwar theoretisch, aber die Wirklichkeit sei völlig anders, erklärt Bernhard Tobler: «Da ist zum Beispiel ein Obdachloser, der in Zug an einer der bekannten Orte nächtigt, offiziell im Säuliamt gemeldet. Klar will die Stadt nicht verantwortlich sein. Doch der Obdachlose ist in Zug und meldet sich im Säuliamt nicht ab und in Zug nicht an. Dieses Problem kann niemals mit bürokratischer Penibilität, sondern nur mit Vernunft und Menschlichkeit gelöst werden.» Denn es sei klar: Obdachlose ­seien fast immer demotiviert und hoffnungslos. «Das sind Umstände, denen wir als Gesellschaft Rechnung tragen müssen.»

Konkurrenziert «Ein Bett für Obdachlose» nicht das Projekt der Stadt Zug im Göbli, wo bekanntlich 25 Notzimmer entstehen sollen («Zuger Zeitung» vom 30. Dezember 2018)? «Nein, absolut nicht», sagt Tobler. Denn Notwohnungen und Zimmer brauche jede Gemeinde. Obdachlose könnten nur temporär in solchen Zimmern untergebracht werden. «Mir scheint wichtig, dass die Politik den Unterschied anerkennt und uns unterstützt. Denn dies sind wir als Gesellschaft den Schwächsten gegenüber schuldig», ist der Neuheimer überzeugt.

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