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Wohnung von Oberägerer Drogenproduzent für über zwei Millionen versteigert

Für über zwei Millionen Franken ersteigerte eine Investmentfirma am Mittwoch die bekannte Wohnung in Oberägeri.
Christopher Gilb
Die mehrstöckige Wohnung mit Sicht auf den Ägerisee hat einen neuen Besitzer. (Bild: Stefan Kaiser, Oberägeri, 28. August 2019)

Die mehrstöckige Wohnung mit Sicht auf den Ägerisee hat einen neuen Besitzer. (Bild: Stefan Kaiser, Oberägeri, 28. August 2019)

Die Bilder fanden schweizweit Beachtung: Polizisten mit Giftmasken und Schutzanzügen zwischen Behältern mit chemischen Flüssigkeiten und selbst gebauten Laborvorrichtungen. Nicht wenige Medien fühlten sich bei diesen Impressionen aus einer Privatwohnung an bester Lage in Oberägeri an die bekannte Hollywoodserie «Breaking Bad» erinnert. Umso mehr, als sich herausstellte, dass es sich beim Eigentümer des Labors mit der automatisch verschliessbaren Tür um einen verschuldeten Investmentbanker aus Norwegen handelte. Und dieser auch noch Methamphetamin hergestellt hatte. Das war im Frühjahr 2018.

Der Eigentümer der Wohnung, Carl Vevle, war im Mai dieses Jahres wegen Widerhandlung gegen das Betäubungsgesetz zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 18 Monaten unter Anrechnung der Untersuchungshaft verurteilt worden. Zudem wurde seine Ausschaffung verfügt. Er hat das Urteil jedoch ans Obergericht weitergezogen und bestreitet weiterhin, die Drogen zum Verkauf produziert zu haben.

Ein Dreikampf der Bieter

Sein Eigenheim hat er nun aber verloren. Auf Verlangen der Grundpfandgläubigerin einer Bank, der er zwei Millionen Franken schuldet, fand am Mittwoch die Versteigerung der 160 Quadratmeter grossen mehrstöckigen Wohnung an der Erlimatt 2 statt. «Ich glaube, für uns alle ist das nicht alltäglich», sagt der Leiter des Betreibungsamtes Ivo Twerenbold, auf die Vorgeschichte angesprochen. Und diese erklärte wohl auch, wieso rund 25 Personen den Weg ins Steigerungslokal im Feuerwehrgebäude in Unterägeri fanden. Denn nur die wenigsten boten mit. Der Mindestpreis betrug etwas über 5000 Franken, die betreibungsamtliche Schätzung 2,42 Millionen Franken. Den Anfang machte der Vertreter einer regionalen Immobilienfirma: 1 Million Franken. Es folgte ein Mann aus dem Knonauer Amt, der für sich selbst bot: 1,6 Millionen Franken. Ein Vertreter der UBS erhöhte auf 2 Millionen Franken, wohl mit dem Ziel, die Wohnung nicht unter Wert zu verlieren.

Bei 2,01 Millionen Franken meldete sich dann erstmals ein Mann im Anzug von einer Ostschweizer Investmentfirma. Er, der Mann aus dem Knonauer Amt und der Vertreter der regionalen Immobilienfirma erhöhten dann jeweils im Dreikampf um 10000 Franken. Um diese Summe musste mindestens erhöht werden.

Bei 2,28 Millionen Franken bot dann nur noch der Vertreter der Investmentfirma: «Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten», sagte Versteigerungsleiter Twerenbold nach 25 Minuten – und der Ostschweizer, der den Namen seiner Firma nicht in der Zeitung lesen will, hatte den Zuschlag. Was er mit der Wohnung vorhabe, wollte unsere Zeitung von ihm wissen. Das wisse er noch nicht genau, antwortete er einsilbig. Und die Vorgeschichte? Die interessiere ihn nicht. Mit dem Vorbesitzer muss er sich aber möglicherweise noch beschäftigen. Denn Stand am Mittwochnachmittag, war noch nicht bekannt, ob Vevle die Wohnung überhaupt verlassen hat. Zwar wirke sie von aussen geräumt, teilte Twerenbold mit. Aber den Schlüssel habe der Vorbesitzer noch nicht abgegeben. Die Verantwortung für die Ausweisung gehe nun an den neuen Eigentümer über. Zudem gebe es seitens Betreibungsamt keine Gewährleistung wegen der einst verwendeten Chemikalien. Ein Gutachten gibt zwar Entwarnung für die Raumluft. Aber das Beitreibungsamt wisse etwa nicht, ob der Boden kontaminiert sei, hatte Twerenbold den Anwesenden bereits am Anfang mitgeteilt.

Und was sagt Carl Vevle zum Verlust der Wohnung? Nach seiner Entlassung aus der Untersuchungshaft Ende letzten Jahres hatte er diese gemeinsam mit seiner zweiten Frau und seinem kleinen Sohn bewohnt. Der Verlust der Wohnung sei eine Tragödie für ihn und seine Familie, schreibt der 42-Jährige. Und beteuert erneut seine Unschuld.

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