Wohnungen statt Papiermaschinen in Cham

Der Spezialpapier-Hersteller Cham Paper ist tief in die roten Zahlen gerutscht. Wertberichtigungen auf Anlagen sowie Rückstellungen belasteten die Jahresrechnung massiv. 2011 schliesst mit einem Reinverlust von 92,1 Millionen Franken.

Drucken
Teilen
Gebäude der Cham Paper Group in Cham. (Bild: Keystone)

Gebäude der Cham Paper Group in Cham. (Bild: Keystone)

Zusätzlich zu den Sonderkosten von 80,5 Mio. Fr. fiel auch das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) von +8,4 Mio. Fr. im Vorjahr auf -8,1 Mio. Franken. Der Umsatz schrumpfte um 8,9 Prozent auf 309,3 Mio. Franken. Bei stabilen Wechselkursen wäre trotz Preisdrucks ein Plus von 2,4 Prozent entstanden.

Bereits 2010 war der EBIT von Währungsverlusten um 10 Mio. Fr. gedrückt worden. 2011 brachte die extreme Frankenstärke weitere Verluste von 10 Mio. bis 15 Mio. Franken.

Dies zwinge zum schmerzhaften Umbau der Gruppe, sagte Philipp Buhofer, Verwaltungsratspräsident und Hauptaktionär der Cham Paper Group, am Mittwoch an der Jahresmedienkonferenz in Zürich. Mit einem Euro-Wechselkurs von 1,20 Franken sei eine Rückkehr zur Profitabilität unmöglich.

Abbau von 200 Stellen

Gemäss den im November angekündigten Plänen werden die Rohpapierproduktion am Stammsitz in Cham ZG aufgegeben und die Herstellung von Einlagepapieren für Tabakwaren-Verpackungen in die beiden Werke in Italien verlagert.

Von den 312 Stellen in Cham werden rund 200 gestrichen: 100 mit der Stilllegung der ersten Papiermaschine bis Mitte Jahr, weitere 100 nach der Aufgabe der zweiten Papiermaschine bis spätestens Ende 2013.

Für die Betroffenen wurde mit Gewerkschaften und Arbeitnehmervertretung inzwischen ein Sozialplan vereinbart. Ein Jobcenter ist in Betrieb. Lehrlinge sind vom Abbau nicht betroffen. Für Härtefälle bestehe ein Fonds, sagte Buhofer.

Technologiezentrum und Wohnungen

In Cham soll ein Technologie- und Entwicklungszentrum mit rund 100 Arbeitsplätzen verbleiben. Auf dem freiwerdenden Fabrikareal von gut 100'000 Quadratmetern soll angesichts des grossen Bedarfs an Wohnraum im Kanton Zug ein neuer Stadtteil entstehen. Wenn die Bevölkerung der nötigen Umzonung zustimmt, wird das «Papieri»-Areal ein x-faches des heutigen Buchwertes von 19 Mio. Fr. wert sein.

Baubeginn ist frühestens in zwei Jahren. Bis das Projekt vollendet ist, dürften bis zu 20 Jahre vergehen. Das Investitionsvolumen sei noch nicht klar, sagte Buhofer. Er könne sich die Zusammenarbeit mit einer Baugenossenschaft aber vorstellen, damit «hochwertiger und trotzdem bezahlbarer» Wohnraum entstehe.

Die Cham Paper Group will sich auf die Oberflächenbeschichtung von Spezialpapieren konzentrieren. Dabei geht es etwa um flexible Verpackungen für Lebensmittel (statt Alu oder Plastik), Klebebänder für Teppiche und den Autobau oder das Bedrucken von Sporttextilien.

Firmenchef Peter Studer rechnet damit, dass der Umsatz bis 2014 auf etwa 220 Mio. Fr. sinken und dann jährlich wieder um etwa 5 Prozent steigen wird. Das Margenziel (EBIT-Marge) bleibt bei 5 bis 12 Prozent. Bereits 2012 sollen wieder schwarze Zahlen geschrieben werden. Für 2011 gibt es wegen des Verlusts aber keine Dividende.

sda