Wollte die Zuger Gesundheitsdirektion eine Inspektion in einer Arztpraxis verhindern?

Der kantonale Heilmittelinspektor erhebt schwere Anschuldigungen gegen seinen eigenen Arbeitgeber und einen Arzt.

Rahel Hug
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Die Zuger Gesundheitsdirektion hat wegen Corona derzeit alle Hände voll zu tun. Jetzt müssen sich Kantonsarzt Rudolf Hauri und Regierungsrat Martin Pfister auch noch mit einer Strafanzeige befassen. Der kantonale Heilmittelinspektor Ludek Cap richtet schwere Vorwürfe an Hauri und Pfister sowie an einen Arzt aus dem Kanton Zug*.

Cap, seit 2007 im Amt, behauptet, ihm sei der Zugang zum kantonalen Intranet, zu seinem Diensthandy sowie seine kantonale E-Mail-Adresse gesperrt worden. Dies, weil er in der Praxis des besagten Arztes eine Inspektion durchgeführt habe, deren Ergebnisse zu einer Schliessung hätten führen können. Und er sagt, Hauri und Pfister hätten diese Inspektion zu verhindern versucht. Eine erste Strafanzeige vom 30. Juli richtet sich gegen Pfister, Hauri und den Arzt. Eine Zweite, datiert vom 7. August, gegen den Mediziner allein. Darin listet Cap diverse Verstösse gegen das Heilmittel-, das Betäubungsmittel- und Gesundheitsgesetz auf. Beide Strafanzeigen liegen der «Zuger Zeitung» vor.

«Kritisch und gesundheitsgefährdend»

In der Arztpraxis existiere etwa kein Qualitätssicherungssystem zum Umgang mit Arzneimitteln, Medikamente seien nicht auf die Einhaltung der Lagertemperatur überwacht worden, es fehlten Pflichtenhefte für die Mitarbeiter. Ludek Cap listet zudem mehrere Mängel bei der Wiederaufbereitung steriler Instrumente auf. So würden auch hier keine Arbeitsanweisungen, Nachweise zu Schulungen et cetera vorliegen. «Solch gravierende Fälle treten selten auf», erklärt der ausgebildete Apotheker auf Anfrage. Er wertet die Situation in der Arztpraxis als kritisch und gesundheitsgefährdend.

Zur Vorgeschichte. Wie Cap schildert, habe er nach einer irrtümlich ausgestellten Bewilligung für das Führen der betrieblichen Privatapotheke des Arztes diese für ungültig erklärt und eine Inspektion in der Praxis angekündigt. Zudem habe er Pläne der Räumlichkeiten verlangt. Dies sei üblich, wenn eine neue Bewilligung erteilt werden müsse. Der Arzt habe sich gegen die Inspektion gewehrt.

Und hier kommen Hauri und Pfister ins Spiel. Gemäss einer Voicemail vom 29. Juli von Hauri solle der Heilmittelinspektor «auf ausdrücklichen Wunsch des Gesundheitsdirektors» auf die Inspektion verzichten, schreibt Cap in seiner Strafanzeige. Als er am 30. Juli trotzdem vor Ort eingetroffen sei, habe ihn die Generalsekretärin der Gesundheitsdirektion erwartet und ihm «nachdrücklich» nahe gelegt, auf die Inspektion zu verzichten. Cap entschied dann, den Termin zu verschieben. Am 7. August kam es schliesslich zu einer unangemeldeten Inspektion, bei der er die Räumlichkeiten betreten konnte.

Die Strafanzeigen als letztes Mittel

Cap blickt auf rund 30 Jahre Berufserfahrung zurück. «In dieser Zeit ist es mir noch nie passiert, dass meine Vorgesetzten mich an einer Inspektion hindern wollten – und das derart vehement.» Er betont, dass er keine persönlichen Probleme mit dem Arzt habe und er lediglich seine Aufgabe seriös wahrnehmen möchte: «Es geht mir um die Sache.» Aufgrund der schlimmen Mängel in der Praxis müsste dem Arzt die Bewilligung entzogen werden, sagt der Heilmittelinspektor. Weil sein Arbeitgeber ihm alle Zugänge blockiert habe, habe er nun als letztes Mittel die Strafanzeigen eingereicht. Diese Woche hat Cap Ferien – er habe nichts von seinem Chef, Rudolf Hauri, gehört. In einem E-Mail informierte er den Gesamtregierungsrat und hofft auf eine baldige Klärung der Sache.

Die kantonale Gesundheitsdirektion nimmt auf Anfrage keine Stellung, da es sich um ein laufendes Verfahren handle. Aurel Köpfli, Wissenschaftlicher Mitarbeiter und zuständig für Kommunikation, sagt, man habe die Strafanzeigen zur Kenntnis genommen. Der betroffene Arzt weist auf Anfrage «sämtliche Vorwürfe als unbegründet zurück» und möchte sich nicht weiter äussern.

* Name der Redaktion bekannt