Leserbrief

Wort «Systempresse» ist nicht das Problem

«Denn er weiss nicht, was er zitiert», Ausgabe vom 2. Juli

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Ich fand den Inhalt des Artikels betreffend Albert Röstis Vokabular sehr enttäuschend. Anstatt sich mit der Fragestellung einer möglichen Systempresse auseinanderzusetzen, versucht der Schreiber mit einer möglichen Verbindung von Rösti mit einem Nazi-Ausdruck vom Problem abzulenken.

Gemäss Mathias Döpfner, CEO Springer Verlag, sind die meisten Journalisten dem linksliberalen Meinungsspektrum zuzuordnen. Die Frage ist doch, können und wollen Journalisten Entscheidungen von links-grünen Regierungen ebenso hinterfragen wie solche von nationalen, marktwirtschaftlich getriebenen Regierungen.

Was ich und wohl viele andere sehen, ist der Umstand, dass Regierungen nie kritisch hinterfragt werden, solange sie auf der Multikulti-Umverteilungs-Nachhaltigkeits-Welle reiten. Wo sehe ich eine kritische Auseinandersetzung von Journalisten mit all den neuen, einschränkenden Gesetzen, Lenkungsabgaben oder Verboten und deren Auswirkungen?

Schlimmer noch ist der Umstand, dass die Medien aufgrund der fokussierten politischen Ausrichtung der Journalisten den politischen Betrieb einseitig beeinflussen. Der Atomstopp kam aufgrund der massiven einseitigen Berichterstattung nach Fukushima zu Stande. Das Gleiche haben wir jetzt mit der ganzen Klimadebatte. Greta war ein Star in den sozialen Medien, aber dort gibt es jeden Tag einen neuen. Sie wurde ein politischer Star aufgrund der erdrückenden Berichterstattung in den Medien. Oder als neues Thema die Elternzeit. Obwohl SRF-Mitarbeiter keine Meinung äussern dürfen, wird der Beitrag im «10 vor 10» vom Moderator mit «die rückständige Schweiz» anmoderiert. Die politische Ausrichtung war schon im ersten Satz enthalten.

Ein weiteres trauriges Kapitel der Verbandelung zwischen Presse und Politik ist der Entscheid der SRG, die Entscheidung betreffend der Verlegung eines Teils des Radiostudios von Bern nach Zürich rückgängig zu machen. Es ist doch klar, dass sich gewisse Journalisten mit gewissen Politikern zusammengesetzt haben, um den ursprünglichen Plan zu Fall zu bringen. Jetzt soll mir jemand sagen, wie diese Journalisten unabhängig bleiben können? Zusammengefasst kann man sagen, dass das Problem der Medien nicht das Wort «Systempresse» ist, sondern ob sie eine politisch neutrale, unabhängige Presse sein will, die allen Regierenden auf die Hände schaut. Falls nein, braucht es auch keine gesetzlich verankerte Pressefreiheit mehr, denn die Journalisten agieren dann als Lobbyisten.

Stefan Betschart, Cham