galvanik zug

Stelldichein der wortgewandten Sprachakrobaten

Kleines Jubiläum: Das Schweizer Liedermacherfestival «Liederlich» erlebte am Freitag in Zug seine fünfte Durchführung. Das Publikum wurde zum Mitmachen eingeladen.

Hansruedi Hürlimann
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Moderiert das Zuger Liedermacherfestival und singt dabei auch selber: Reto Zeller führte wie immer gekonnt durch den Abend.

Moderiert das Zuger Liedermacherfestival und singt dabei auch selber: Reto Zeller führte wie immer gekonnt durch den Abend.

Bild: Matthias Jurt (Zug, 5. Dezember 2020)

Wenn man mit dem Stichwort «liederlich» nicht gerade etwas Positives assoziiert, ist das naheliegend. Deshalb bezeichneten die Künstler ihren Auftritt wohl als «Liedermacherfestival», bei dem auf Schweizerdeutsch sowohl gesungen wie gesprochen wurde. Dabei begleiteten sich die Akteure selbst mit der Gitarre oder Ukulele. Wegen der Auflagen im Zusammenhang mit Corona wollten die beiden deutschen Performer Axel Pätz und Fabian Lau nicht in die Schweiz einreisen. An ihrer Stelle konnte Res Wepfer kurzfristig für einen Auftritt gewonnen werden.

Die Anfrage an das Publikum bei der Begrüssung zeigte, dass viele der Anwesenden die Künstler kannten und daher wussten, was sie in etwa zu hören bekamen. So entstand im intimen Rahmen der Galvanik eine gar familiäre Atmosphäre.

Sprache, Gesang und Sprechgesang

Reto Zeller, der sowohl als Moderator wie als Unterhalter auftrat, machte mit seinen schräg-schönen Songs und Erzählungen den Anfang. Unter dem Motto «Amene Liederabig wird d’Seel wieder heil» heiterte er das Publikum auf, das in der Folge tatsächlich viel zu lachen hatte. Danach war mit Res Wepfer, dem Kopf des legendären Pfannestil Chammer Sexdeet und Preisträger des Salzburger Stiers, ein erfahrener Künstler an der Reihe. In seinem virtuosen Auftritt nahm er auch Aktuelles auf die Schippe, wie zum Beispiel den Auftritt von Alain Berset und die Massnahmen des Bundesrates zu Covid-19.

Danach kam mit Reto Zumstein ein schweizweit bekannter Slam-Poet und Wortakrobat auf die Bühne. Seine Verse und Kürzestgeschichten erforderten die ganze Aufmerksamkeit der Zuhörer, wollte man nicht eine der sich reimenden Pointen verpassen. Ähnlich virtuos war Christian Johannes Käser, der als Improvisationstalent der Schweizer Liedermachszene gilt und der das Publikum in seinen Auftritt miteinbezog. Er forderte die Zuhörer auf, ihm frei gewählte Stichwörter zuzurufen, die er dann in spontan gedichtete Lieder einbaute. Im ersten derartigen Live-Song verwob er die drei Begriffe «Kaffeesatz, Heizung und Walfisch» zu einer erstaunlichen Geschichte. Ebenso erfolgreich war die improvisierte Zugabe am Schluss, als er zusammen mit Res Wepfer den Party-Grill besang. Das Publikum bedankte sich mit einem langanhaltenden Applaus.

Ein erfolgreicher Abend

Für Maria Greco als federführende Organisatorin war das «kleine Jubiläum», wie sie es nannte, in doppelter Hinsicht ein Erfolg. Zum einen, weil die Vorstellung überhaupt stattfinden konnte und zum andern dank der Tatsache, dass die verfügbaren Plätze ausverkauft waren. Dabei achteten die Veranstalter darauf, dass die Massnahmen wegen der Covid-Krise genau eingehalten wurden, was leider auch das Schliessen der Bar um 23 Uhr bedeutete.