Yu Hao und ihre Sehnsucht nach Zugehörigkeit

Überall fremd und nirgends richtig zu Hause: «Plötzlich Heimweh» ist ein intimes und berührendes Filmdokument über eine Frau, die auf der Suche nach ihrer Herzensheimat ist.

Andreas Faessler
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Die Kamera ist Yu Haos «drittes Auge».

Die Kamera ist Yu Haos «drittes Auge».

Bild: PD

Eine graue chinesische Millionenmetropole und ein ländliches appenzeller Idyll am Alpstein – gegensätzlicher könnten diese beiden Flecken Erde nicht sein. Aber genau diese beiden unterschiedlichen Welten sind die Schauplätze von Yu Haos Leben. In einem nordchinesischen Dorf geboren, ist sie schon als Kind stets Aussenseiterin, bloss eine passive Zuschauerin auf der Bühne des Lebens. Erfüllung findet Yu Hao erst später als Kamerajournalistin – aber heimisch fühlt sie sich nirgends.

Als sie über ferne Traditionen berichtet und dafür ins Appenzellische reist, sollte sich ihr Leben schlagartig ändern. Wie magisch angezogen ist sie von den Menschen, von den Farben, von den Bräuchen – und schliesslich auch von dem einen Mann. Yu Hao bleibt in der Fremde, wo sie eine neue Heimat gefunden zu haben hofft. Und doch: Eine innere Zerrissenheit bleibt und flammt immer wieder auf. Selbstreflexion, der Kampf um einen festen Platz auf der Welt, das Verlangen nach Zugehörigkeit und Geborgenheit treiben die Chinesin um. Und doch wird ihr die anfängliche Fremde immer mehr zum Hort der inneren Ruhe. Schliesslich ermöglicht ihr diese sich abzeichnende Selbstfindung auch einen neuen Blick in ihre eigene Vergangenheit im fernen Osten, auf ihre Familie.

In «Plötzlich Heimweh» erzählt Yu Hao diese Geschichte. Kameratechnisch ist der Film insofern ungewöhnlich, als die Filmemacherin oft hinter der Kamera steht und dokumentiert. Dann wieder wird sie selbst von der Kamera begleitet. Die Einblicke sind dabei sehr intim und persönlich. Handlungsorte sind abwechselnd Appenzell und China. Das generiert ein starkes Spannungsfeld zwischen den beiden Kulturregionen. Eindrückliche Landschaftsaufnahmen und Stimmungsbilder sind stets wiederkehrende sphärische Komponenten in diesem berührenden Film.

Hinweis
Der Fliz Filmclub Zug zeigt «Plötzlich Heimweh» am Montag, 8. Juni, um 20 Uhr, diesmal im Kino Seehof Zug. Yu Hao ist Saalgast.