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Zähe Wahl eines Oberrichters

Die konfessionellen Gesetze in Österreich erregten auch in Zug die Gemüter. Was Zug vor 150 Jahren – im Juni 1868 – beschäftigte hat teilweise heute noch Gültigkeit.
Harry Ziegler
Die erste Seite der Neuen Zuger Zeitung vom 4. Juni 1868 Bild: PD

Die erste Seite der Neuen Zuger Zeitung vom 4. Juni 1868 Bild: PD

Österreich, die katholische Kirche, Polen – und am Rande Frankreich: Das sind die Themen, an denen sich der Chronist der «Neuen Zuger-Zeitung» in den Ausgaben des Juni 1868 auf den Frontseiten abarbeitet. Vor allem an den im Staate Österreich neu geltenden konfessionellen Gesetzen, den so genannten Maigesetzen, stört sich der Chronist.

Die Maigesetze sind laut Wikipedia drei Kirchengesetze, die Kaiser Franz Joseph I. am 25. Mai 1868 in Österreich (Cisleithanien) in Kraft setzte. Sie wurden im von Ministerpräsident Fürst Karl von Auersperg geleiteten Kabinett, dem in der Publizistik so genannten Bürgerministerium, von Kultus- und Unterrichtsminister Leopold Hasner von Artha vorbereitet und vom Reichsrat beschlossen. Mit dem Beschluss wurden die Bestimmungen des Konkordats von 1855 teilweise aufgehoben. «Das Konkordat von 1855 hatte das absolutistische, staatskirchenhoheitliche, josephinische System stark eingeschränkt und der katholischen Kirche wieder mehr Autorität in Bildungs- und Familienangelegenheiten zugesprochen», schreibt Wikipedia dazu. Die Maigesetze sind übrigens die Grundlage für die in Österreich geltende Trennung von Kirche und Staat.

Der Chronist der «Neuen Zuger-Zeitung» war mit der Entwicklung in Österreich nicht wirklich einverstanden. Zur faktischen Trennung von Kirche und Staat im Nachbarland schreibt er in der Ausgabe vom 6. Juni 1868 mit diesen Gesetzen stelle man Gott – «ohne dessen Willen kein Haar vom Haupte falle» – weit «neben die Welt hinaus, als ein Wesen, das sich um uns gar nicht kümmert.» Nur, so der Chronist, was soll der Mensch mit einem solchen Gott anfangen? «Man sieht leicht, wohin gewisse Aufklärungsphrasen führen.»

Eine Feststellung, die heute noch gilt

Der Chronist macht in diesem Zusammenhang weiter eine Feststellung, die heute noch eine allgemeine Gültigkeit hat: «Wir wollen zwar nicht behaupten, dass die Leute immer wissen, was sie mit ihren Sätzen eigentlich behaupten.» Wenn schon alles von Gott komme, dann sei es doch viel schlauer, wenn man an Gerechtigkeit und Frieden glauben würde statt an Eroberung und Unterdrückung. Womit der Chronist gleich auch noch Russland miteinbezieht, denn: «Wenn man das Wort Unterdrückung hört, kann man schwerlich an etwas anderes denken als an Polen. Die Geschichte hat wohl wenige Male so was aufzuzeichnen gehabt, wie die Unterdrückung Polens durch Russland.» Gemeint sind die Repressalien Russlands, die die Polen seit der Niederschlagung des sogenannten Januaraufstands 1863 erdulden mussten.

Die bisherigen Ständeräte wurden im Amt bestätigt

Auch im Stand Zug ging im Juni 1868 Wichtiges vor sich. So ist in der Ausgabe vom 13. Juni vermeldet, dass der Zuger Grossrat die bisherigen Ständeräte Landtwing mit 46 und Dossenbach mit 35 Stimmen gewählt habe – im ersten Wahlgang notabene. Zäher gestaltete sich die Wahl eines Oberrichters. Bis der bisherige Vizepräsident Schlumpf die benötigte absolute Stimmenzahl von 62 Stimmen erhielt, mussten vier Wahlgänge durchgeführt werden. Landeshauptmann wird im ersten Wahlgang mit 51 Stimmen Statthalter Letter und zum Kommandanten der Landwehr wählte der Rat den Regierungsrat Hausheer mit 49 Stimmen.

Begnadigungen und ein geflohener Mörder

Zwei Gnadengesuche beschäftigten den Zuger Grossrat im Juni 1868. Wobei dies für einen Zuger gut ausging, für einen Luzerner weniger. Das Begnadigungsgesuch des J. Lehni von Dagmersellen wurde abgelehnt. Lehni sass wegen Schändung im Zuchthaus. Die Reststrafe erlassen wurde dem Zuger Peter Speck, der erst kurz vor der Begnadigung wegen qualifizierten Betrugs verurteilt worden war. Nicht nur Vorgänge im Kanton Zug oder im benachbarten Ausland interessierten, auch solche in der Schweiz fanden Aufnahme ins Blatt. So wurde in der Ausgabe vom 6. Juni 1868 berichtet, dass «Balet, der vor einigen Jahren den hannover’schen Assesor im Gebirg ermordet» hat, sei aus dem Zuchthaus in Sitten entflohen. Er «wurde jedoch wieder eingebracht.» Er habe die Rhonebrücke in Siders passieren wollen, sei aber, als er die Verfolger erblickte ins Wasser gesprungen, aus dem ihn dann die Polizei fischte.

Druckfehler und andere Meldungen

Zu Fehlern steht man und korrigiert sie. In der Ausgabe der «Neue Zuger-Zeitung» vom 6. Juni 1868 findet sich Folgendes: «Druckfehler: Bei der Beschreibung eines ländlichen Festes in einer bekannten Zeitung hatte der Setzer statt der Stelle ‹Die Mädchen dufteten wie Mairosen!› in aller Eile: ‹Die Mädchen dufteten wie Matrosen!› gesetzt.»

Bettzeug gestohlen

Kurioses meldet die «Neue Zuger-Zeitung» in der Ausgabe vom 20. Juni aus dem Kanton Schwyz. Offenbar habe das Bettzeug des Zuchthauses, in dem der Schwyzer einsass, diesem derart gut gefallen, dass er einen Mithäftling anstiftete, sein Bettzeug bei der Entlassung aus einem vergitterten Fenster zu lassen, damit der Entlassene auch zu Hause weich wie im Zuchthaus ruhen könne.

Ernste Missbilligung

Die «Neue Zuger-Zeitung» berichtet in ihrer Ausgabe vom 13. Juni 1868 von einer ernsten Missbilligung des Regierungsrats. Was hat den Unwillen der Regierung erregt? «In einer wegen Übertretung der Sonntagsverordnung durch Tanzen von Steinhausen eingelangten Klage wird den Beteiligten die ernste Missbilligung der Regierung ausgesprochen und der Wirth wegen mangelhafter Handhabung der Wirtschaftspolizei in die Kosten verfällt.» Der Betrag, den der Wirt zahlen musste, wird in der Meldung nicht genannt.

«Fauliger Zieger»

Im Dorf Büren, so meldet die «Neue Zuger-Zeitung» vom 27. Juni 1868, seien mehrere Familien nach dem Genuss «von fauligem Zieger oder weissem Käs» erkrankt. Ein vierjähriges Kind so schwer, dass es starb. Gleich mitgeliefert werden die Verhaltensregeln: «Man vergesse beim Verbrauch von stark riechendem Käs, von Wurst und gehacktem Fleische nicht, dass sie bei eingetretener Fäulnis ein förmliches Käse- und Wurstgift entwickeln.»

Liebesbriefvorlage

Nicht immer lässt sich trefflich schreiben, wie man fühlt. Abhilfe gibt es, wie einer Anzeige in der Ausgabe der «Neuen Zuger-Zeitung» vom 20. Juni 1868 steht, in Willisau. Dort kann man für beiderlei Geschlecht ein Paket von Mustervorlagen für Liebesbriefe kaufen.

Scheussliche Barbaren

«Bekanntlich werden die Russen allgemein, und theilweise nicht zu ganz mit Unrecht, als die scheusslichsten Barbaren verschrien», heisst es in der «Neuen Zuger-Zeitung» vom 13. Juni 1868. Eine eher irreführende Einleitung für das, was dann folgt. Der Autor lobt die Russen über den grünen Klee, weil sie als Erste den Gebrauch von Splittergranaten in Kriegen verbieten wollen.

Trunkenbolde

Im Register für Trunkenbolde des Staates New York (USA) stehen laut Meldung in der «Neuen Zuger-Zeitung» vom 27. Juni 1868 39 Geistliche, 8 Richter, 340 Kaufleute, 226 Ärzte, 240 Gentlemen und 1300 Töchter von reichen Männern. Gesamthaft 2153 Personen. Es sei aber gut möglich, dass noch nicht alle Klassen von Säuferinnen und Säufern erfasst seien, heisst es weiter.

Freundliche Mahnung

Die «Neue Zuger-Zeitung» kämpfte offenbar im Jahr 1868 mit Ausständen von Abonnenten. In einer Anzeige in der Ausgabe vom 13. Juni erinnert die Zeitung freundlich, aber bestimmt daran, «den allfällig noch rückständigen Abonnementsbetrag» zu bezahlen. Damals kostete das Halbjahresabo 2 Franken.

(haz)

Zug

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