Projekt Munterwegs: Bereits über 600 Paare wurden zusammengebracht

Seit zehn Jahren führt «Munterwegs» Mentoren und Mentees zusammen und schafft so Freundschaften fürs Leben.

Emily Flammer
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Das «Munterwegs»-Paar Karthiha Kulanthavel und Anja Ashgar-Keller hat Spass beim gemeinsamen Ausflug. (Bild: PD)

Das «Munterwegs»-Paar Karthiha Kulanthavel und Anja Ashgar-Keller hat Spass beim gemeinsamen Ausflug. (Bild: PD)

«Karthiha ist sehr zielorientiert und sieht die Welt schon aus den Augen einer jungen Frau. Das erleichtert mir meine Aufgabe», meint Anja Anastasja Asghar-Keller, Mentorin der 15-jährigen Karthiha Kulanthavel beim Mentoringprogramm «Munterwegs». Das Mädchen, ursprünglich aus Sri Lanka, macht im Programm für Jugendliche mit. Das Zweierteam trifft sich normalerweise jede Woche, meist am Wochenende.

«Karthiha ist noch sehr jung und muss schon einen wichtigen Entscheid in ihrem Leben treffen. Für mich ist die grösste Herausforderung, dass ich sie nicht unbewusst in eine Richtung lenke, die gar nicht zu ihr passt», verrät die Mentorin aus Rotkreuz. Da sich die beiden erst seit April dieses Jahres kennen, ist es für sie gar nicht einfach, Karthihas Stärken und Schwächen richtig einzuschätzen. Ihre Eltern seien nicht im Detail mit dem Schweizer Bildungssystem vertraut, und somit sei es noch schwieriger für sie, Karthiha in der Berufswahl zu unterstützen, so Anja Asghar-Keller.

Eine Bereicherung für beide Seiten

Auch Karthihas Bruder Sakeeth Kulanthavel (12) macht beim Mentoringprogramm mit. Sein Mentor ist Anjas Mann Hashmi Touseef Asghar-Keller, der selbst erst seit 14 Monaten in der Schweiz lebt. Er kommt aus Pakistan und arbeitet sehr gerne mit Kindern. «In Pakistan habe ich eine grosse Familie. Darum bin ich glücklich, wenn wir Gäste zu Hause haben oder wenn ich mit Kindern bin», sagt er und fügt an, dass das Mentoringprogramm eine Bereicherung für beide Seiten sei. «Ich bin in vieler Hinsicht Sakeeths Mentor, doch wenn es ums Schwimmen geht, ist er mein Mentor», erzählt er lachend, denn er hat nie schwimmen gelernt. Ausserdem spreche er manchmal Englisch mit Sakeeth, weil dieser sein Englisch verbessern möchte. Andererseits helfe ihm Sakeeth, sein Deutsch zu verbessern.

Der Verein

Der Zentralschweizer Verein «Munterwegs» führt jedes Jahr Teams zusammen. Diese bestehen aus einem freiwilligen Mentor und einem Mentee. Es gibt ein Projekt für Kinder im Alter von 5 bis 11 Jahren und eines für Jugendliche zwischen 13 und 16 Jahren. Während ungefähr 8 Monaten treffen sich die Paare alle zwei Wochen, um gemeinsame Ausflüge zu unternehmen. Ziel ist es, den Kindern mit Migrationshintergrund oder aus einer Schweizer Familie die Integration zu erleichtern und ihnen bei der Freizeitgestaltung zu helfen. Bei den Jugendlichen geht es um die Beratung rund um den Übergang von der Schule ins Berufsleben. Seit der Vereinsgründung sind bereits über 600 Paare entstanden. Im Kanton Zug hat der gemeinnützige Verein Standorte in Baar, Cham und Risch-Rotkreuz.

Seine Frau erklärt, wie wichtig es sei, mit Karthiha gemeinsam Zwischenziele zu setzen. Da es Karthihas Wunsch ist, Lehrerin zu werden, hat ihre Mentorin sie dazu motiviert, sich beim Ferienpass von der GGZ als Betreuerin zu engagieren. Was sie dann auch machte, unter anderem bei den Kursen «Drachenbau – ab in die Luft» oder «orientalisch kochen». «Ich bin dadurch mutiger geworden», sagt Karthiha über ihren erzielten Erfolg.

Sakeeth Kulanthavel (12) macht ebenfalls beim Mentoringprogramm mit. Sein Mentor ist Hashmi Touseef Asghar-Keller, der selbst erst seit 14 Monaten in der Schweiz lebt. (Bild: PD)

Sakeeth Kulanthavel (12) macht ebenfalls beim Mentoringprogramm mit. Sein Mentor ist Hashmi Touseef Asghar-Keller, der selbst erst seit 14 Monaten in der Schweiz lebt. (Bild: PD)

Karthiha macht schon seit dem Kindergarten bei «Munterwegs» mit und hat nur Positives von ihren Erfahrungen zu berichten. «Wie Anja war auch meine erste Mentorin sehr gut. Mit ihr habe ich bis heute noch Kontakt.» Auch Sakeeth macht nicht zum ersten Mal beim Mentoringprogramm mit. «Es ist aber das erste Mal, dass ich einen Mann als Mentor habe.» Hashmi Touseef erwidert darauf: «Ich fühle mich weniger als ein Mentor für Sakeeth, eher als ein grosser Bruder oder Freund.»

Die Eltern spielen eine wichtige Rolle

«Für uns war es sehr wichtig, die Eltern von Anfang an kennen zu lernen», berichtet Anja Asghar-Keller. Laut ihr sind die Eltern des Geschwisterpaars bildungsnah, worüber sie sehr froh sei. «Karthiha und Sakeeth sind dadurch immer positiv aufgestellt, wenn es darum geht, etwas Neues zu lernen. Die Eltern sehen uns ausserdem nicht nur als «Zeitvertreib» für ihre Kinder, sondern schätzen unsere Arbeit als Mentoren. Sie wissen, dass wir etwas Gutes tun. Das ist nicht selbstverständlich, denn Dankbarkeit kann man nicht erzwingen.»