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ZENTRALSCHWEIZ: An Kantis droht den Handys das Aus

Immer mehr Schüler Gamen während der Pausen und reden kaum mehr miteinander. Das hat jetzt Konsequenzen – vor allem für die Jüngsten.
Samantha Taylor und Lena Berger
Vor allem jüngere Schüler verbringen ihre Pausen immer häufiger mit Gamen – den Schulen bereitet das Sorgen (gestellte Szene). (Archivbild Pius Amrein / Neue LZ)

Vor allem jüngere Schüler verbringen ihre Pausen immer häufiger mit Gamen – den Schulen bereitet das Sorgen (gestellte Szene). (Archivbild Pius Amrein / Neue LZ)

Samantha Taylor und Lena Berger

Wer den Trakt 5 der Kantonsschule Zug (KSZ) betritt, wird an den Eingängen zum Gebäude mit Din-A4 grossen Plakaten konfrontiert. Zu sehen ist darauf ein durchgestrichenes Handy in einem roten Kreis. Die Ansage ist deutlich: Handys sind hier nicht erwünscht.

Seit Beginn des Schuljahres gilt an der Kanti ein Handyverbot. Ausgesprochen wurde es für das Untergymnasium, das sich in besagtem Trakt 5 befindet. Betroffen davon sind also vor allem die Schüler der 1. und 2. Klasse. Der Grund für das Verbot ist simpel: Die Jugendlichen sollen weniger Zeit am Handy verbringen. Vor allem zwischen den Lektionen sollen die Mädchen und Buben nicht den Unterrichtsstoff mit «gamen zudecken», führt Peter Hörler, Direktor der KSZ aus. «Wir haben in den letzten Jahren festgestellt, dass immer mehr Schülerinnen und Schüler in den 10-Minuten-Pausen zwischen den Lektionen praktisch mit dem Läuten das Handy zücken und noch am Platz oder direkt vor dem Schulzimmer anfangen zu gamen», sagt Hörler. Vor allem im Untergymnasium sei das zunehmend zu einem Problem geworden. «Gespräche oder Bewegung bleiben aus, und das gerade Gelernte kann so nicht verarbeitet werden», sagt der Direktor.

Der Klassenzusammenhalt leidet

Die Konsequenz daraus sei diese «räumliche Einschränkung des Gebrauchs», wie Hörler die Massnahme nennt. Man verfolge damit einen pädagogischen Ansatz. «Wir möchten ein Bewusstsein für den Umgang mit dem Handy schaffen.» Wer es benutzen wolle, müsse einen gewissen Aufwand in Kauf nehmen und den Trakt 5 verlassen. Auf dem Pausenplatz oder in den anderen Gebäuden ist der Gebrauch erlaubt. Besondere Kontrollen gibt es nicht. «Die Lehrpersonen machen Schüler, die sich nicht daran halten einfach darauf aufmerksam. Strafen waren bisher nicht nötig», so Hörler.

Mit dem Handyverbot ist die Kantonsschule in Zug längst nicht alleine. Das Problem, dass die Schüler teils kaum noch vom Smartphone wegzubekommen sind, ist in der ganzen Zentralschweiz verbreitet. Der Tenor ist überall der gleiche: Besonders die jungen Oberstufenschüler haben Mühe, sich von der digitalen Welt zu lösen. Das bestätigt auch Patrick Meile, Rektor der Kantonsschule Obwalden: «Wir stellen fest, dass die jüngere Generation von Schülern immer mehr am Handy hängt.» Das Resultat: Zu wenig frische Luft und ein schlechterer Klassenzusammenhalt.

Am Morgen bleibt das Handy aus

Am Kollegi in Stans wurde deshalb sogar ein komplettes Handyverbot diskutiert. «Das ist dann an der Lehrerkonferenz abgelehnt worden», sagt Rektor Patrik Eigenmann. Für ältere Schüler und Schülerinnen stelle man sich eher auf den Standpunkt, dass Pädagogen den vernünftigen Umgang lehren sollten. Deshalb ziehe man die Integration in den Unterricht einem Verbot vor.

Anders sieht es bei den jüngeren Schülern aus. «Für sie haben wir Handyverbot am Morgen eingeführt. Es gilt für die ersten drei Klassenstufen», so Eigenmann. Die Lehrer hätten beobachtet, dass die Schüler konzentrierter seien und mehr miteinander reden. «Im vergangenen Jahr haben wir es für die ersten beiden Klassenstufen eingeführt. Weil es sich bewährt hat, ist es Anfang Jahr dann auf die dritte Klassenstufe ausgeweitet worden.»

Im Kanton Luzern wird der Umgang mit Handys an Schulen sehr unterschiedlich gehandhabt. Die Dienststelle Gymnasialbildung hat auf Anfrage unserer Zeitung zusammengestellt, welche Regeln an den Kantonsschulen gelten. Am strengsten ist man in Beromünster und in Willisau. Dort herrscht – wie in Stans – vormittags und teils nachmittags ein ge­nerelles Handyverbot für die Erst- und Zweitklässler. Und zwar auch in den Pausen. Vorher seien die Untergymnasi­asten kaum zur Ruhe gekommen. Verschärfte Bedingungen für die jüngeren Schüler gelten auch an der Kantonsschule in Sursee: Sie müssen das Handy in der Schule ausgeschaltet lassen, ausser während der Mittagszeit.

Einen anderen Weg geht hingegen die Kantonsschule Seetal. Dort gibt es grundsätzlich keine Restriktionen – ausser im Unterricht. Stattdessen setzte man letztes Jahr auf eine Aktionswoche «Pausen ohne digitale Medien», in der die Schüler und ihre Eltern für das Thema sensibilisiert wurden.

Die meisten Eltern sind dafür

Was auffällt: An der grössten Kanti in Luzern, der Kantonsschule Alpenquai, gibt es kaum Einschränkungen. Wie kommt es, dass die Luzerner Kantonsschulen derart unterschiedlich mit Handyverboten umgehen? Dienststellenleiter Aldo Magno sagt dazu: «Es ist immer ein Spagat zwischen Selbstverantwortung, einem zentralen Anliegen jedes Gymnasiums, und pädagogischem Schutz.» Dass sich Schulen diesem Thema widmen, sei ein Bedürfnis der Eltern, wie eine Umfrage der Kantonsschule Seetal im Juni 2016 gezeigt hat. Von 176 Elternpaaren, die bei der Befragung mitgemacht hatten, unterstützten 166 die Beschränkung des Smartphone-Gebrauchs.

Wie aber kommen Handyverbote bei den betroffenen Schülerinnen und Schülern an? In Zug, wo die neue Regel seit drei Wochen in Kraft ist, ist die Antwort der Erst- und Zweitklässler deutlich. «Es bringt überhaupt nichts. Das Verbot erinnert uns sogar noch mehr daran, dass wir etwas am Handy machen könnten», sagt der 12-jährige Marc aus Hünenberg, der seit dem Sommer die 1. Klasse besucht. «Wir gehen auch in den 10-Minuten-Pausen raus oder in einen anderen Trakt, um zu gamen oder einen Snapchat zu verschicken», bestätigt auch Moritz (13) aus Hünenberg. «Nicht so schlecht», findet dagegen Julien (13) aus Baar die Massnahme. «Immerhin bewegen wir uns dann noch ein bisschen.»

Eine Ausweitung ist denkbar

Leonie (13) besucht die 2. Klasse und weiss noch, wie es im letzten Jahr ohne Verbot war. Es seien schon viele in den Pausen am Handy gewesen. «Aber das hat sich auch mit dem Verbot nicht verändert. Man hat einfach mehr Stress, weil man das Gebäude verlassen muss.» Dennoch haben sie und ihre Klassenkameradinnen Verständnis für das Verbot. «Es waren schon viele immer mit dem Handy beschäftigt. Jetzt muss man sich dafür immerhin noch bewegen.»

Das Verbot in Zug gilt aktuell nur für den Trakt 5. «Wir können und wollen die Geräte nicht flächendeckend verbieten. Das wäre weder sinnvoll noch zeitgemäss», sagt KSZ-Direktor Peter Hörler. Eine Ausweitung auf den Mensabereich sei aber denkbar. Ob das Verbot im Untergymnasium schon etwas gebracht hat, kann der Direktor noch nicht sagen. Nach knappen drei Wochen sei es zu früh, eine Bilanz zu ziehen.

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