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ZENTRALSCHWEIZ: Blitz und Donner ziehen ihn magisch an

Wenn es in der Region blitzt, donnert oder stark windet, dann ist Florian Schäfer vor Ort. Der 25-jährige Steinhauser ist ein sogenannter Sturmjäger und will damit auch zu präziseren Prognosen beitragen.
Christopher Gilb
Das Zuger Seeufer kurz nach dem Sturm Burglind. Etliche Stunden war Sturmjäger Florian Schäfer hier im Einsatz. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 3. Januar 2018))

Das Zuger Seeufer kurz nach dem Sturm Burglind. Etliche Stunden war Sturmjäger Florian Schäfer hier im Einsatz. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 3. Januar 2018))

Christopher Gilb

christopher.gilb@zugerzeitung.ch

Es ist kurz vor 10 Uhr am Mittwochmorgen, als Sturm Burglind die Stadt Zug erreicht. Mächtige Wellen peitschen gegen das Ufer. Blätter wirbeln durch die Luft. Florian Schäfer, der junge Mann mit der gelben Warnweste, ist jetzt in seinem Element. Mit einem Windmesser in der einen und einer grossen Spiegelreflexkamera in der anderen Hand steht er unterhalb des Regierungsgebäudes und unterhält sich angeregt mit Passanten. Auf seiner Weste steht: Unwetter-Dokumentation. «Das habe ich mir draufdrucken lassen, dass die Leute wissen, wieso ich hier bin, und dass, wenn sie Fragen zum Sturm haben, sie sich an mich wenden können», erzählt der gebürtige Steinhauser. Ohne diesen Hinweis hingegen habe ihn jeder erst einmal gefragt, was er da überhaupt mache.

Schon 3000 Personen haben sich bereits sein Video auf Twitter angesehen. Es zeigt die ersten Minuten des Sturms. Auch erste Fotos hat er bereits an die Medien verschickt und auf seine verschiedenen Seiten in den sozialen Medien geladen. «Solche Leserfotos helfen mir, mein Equipment zu finanzieren.» Dass das Interesse an diesem Tag so gross sei, hänge aber wahrscheinlich auch damit zusammen, dass er der einzige Storm Chaser vor Ort sei. Rund ein Dutzend dieser sogenannten Sturmjäger gibt es laut Schäfer in der Schweiz. Das Einsatzgebiet des 25-Jährigen, der aktuell am Steinerberg wohnt, ist die Zentralschweiz.

Beobachtungsposten Zugerberg

Was ein Storm Chaser überhaupt ist, weiss, wer den Katastrophenfilm «Storm Hunters» aus dem Jahr 2014 gesehen hat. Eine Gruppe aus Meteorologen und Filmern rast darin in einem gepanzerten Wagen durch die USA auf der Jagd nach Aufnahmen von spektakulären Tornados für einen Dokumentationsfilm. In der Kleinstadt Silverton in Oklahoma stossen sie dann auf einen Riesentornado. Am Schluss wird es ein Kampf um Leben und Tod.

Tornados gibt es in den USA häufig, und es gibt auch Unzählige, die sie filmen wollen. Doch auch in der Schweiz haben Sturmjäger einiges zu tun. «Gewitter gibt es in der Schweiz vor allem im Sommerhalbjahr. Wenn ich eine Stelle habe, nehme ich im Normalfall dann auch meine Ferien», erzählt Florian Schäfer, der derzeit auf Arbeitssuche ist. Dies müsste er manchmal relativ kurzfristig machen, nämlich dann, wenn entsprechende Warnungen kommen. So verbringt er, um zu wissen, wo das Potenzial für Unwetter am grössten ist, viel Zeit damit, allerlei Wetterkarten zu studieren. Auf seinem Balkon hat er zudem eine Wetterstation. «Ich bin dann meist schon einige Stunden früher vor Ort, denn das Unwetter kann sehr plötzlich starten.» Abhängig vom Einsatzort, hat er seinen bevorzugten Beobachtungsplatz. Im Kanton Zug sei dies der Zugerberg. Lebensmüde ist Florian Schäfer im Gegensatz zu den Akteuren im Film aber nicht. «Bei einem Sturm wie Burglind wäre es auf dem Berg zu riskant gewesen», sagt er. Der Vorteil am Seeufer der Stadt Zug im Gegensatz zu anderen Orten sei eben auch, dass man sich schnell in die sichere Altstadt zurückziehen könne. Vor allem vor Scherwinden sei stets Vorsicht angebracht. So werden rasch wechselnde Windströmungen genannt, die zu starken Luftströmungen auf kleinem Raum führen, die allerlei durch die Gegend wirbeln lassen.

Das Sturmorakel im Dorf

Die Vorliebe für Naturereignisse hat Schäfer früh entdeckt. Schon als Kind habe er gerne den Himmel beobachtet. «Ich bin ein richtiger ‹Sturmsuchti›», sagt er und lacht aus ganzem Herzen. Er habe dann angefangen, die Stürme in verschiedenen Stadien mit einer kleinen Webcam zu fotografieren, und schnell ein Gefühl für deren Verhalten erhalten. «So wurde ich ein bisschen zum Sturmorakel.» Ob im Bus oder in der Bäckerei: Komme ein Sturm, werde er um eine Einschätzung gebeten. Diese dürfe er abgeben, Prognosen und Warnungen aber nicht. «Das ist den Meteorologen vorbehalten.»

Vor vier Jahren lernte Florian Schäfer über ein Forum einen Sturmjäger kennen. Er begann ihn zu begleiten und lernte von ihm. «Was ich mache, ist mehr Dokumentation als Jagd, deshalb steht es auch so auf meiner Weste.» Schäfer sieht seinen Einsatz auch als Beitrag zur Schadensminderung. «Deshalb hört mein Einsatz nach dem Sturm auch nicht auf.» Er geht, wenn das Schlimmste vorbei ist, dorthin, wo die grössten Schäden sind, um auch diese, wie er sagt, zu dokumentieren. «Mein Material schicke ich dann an Meteo Schweiz.» Je mehr Material dort eingehe, desto besser könne der Sturm verstanden und könnten zukünftig noch präzisiere Prognosen erstellt werden. Seinen persönlichen Höhepunkt erlebte er vergangenen Sommer in Nordfrankreich. «Ich bin mir bis heute noch sicher, dass es die Anfänge eines kleinen Tornados waren, die ich da aus der Ferne gesehen haben.» Aber auch an die Überschwemmung im aargauischen Othmarsingen im Sommer 2016, die er fotografiert hat, kann er sich noch gut erinnern. «Ich weiss noch genau, wie das Wasser in den Coop lief.»

Sein nächstes grosses Projekt ist, ein eigenes Sturmjäger-Team aufzubauen. «So ist es möglich, den Sturm aus mehreren Perspektiven zu dokumentieren.» Und in weiter Zukunft will er vielleicht doch mal noch in die USA. «Nicht mitten rein, aber mal einen richtigen Tornado zu sehen, wäre schon schön.»

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