Zentrum Luegeten Menzingen: Nur zwei Zentimeter Abstand trennen Heimbewohner und Angehörige

Um Nähe zu Angehörigen zu schaffen, wurde im Zentrum Luegeten in Menzingen eine Plauderbox errichtet.

Vanessa Varisco
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Die Plauderbox vom Zentrum Luegeten wurde innert kürzester Zeit errichtet. Edith Schilling nimmt für ein Gespräch mit ihrem Mann darin Platz.

Die Plauderbox vom Zentrum Luegeten wurde innert kürzester Zeit errichtet. Edith Schilling nimmt für ein Gespräch mit ihrem Mann darin Platz.

Bild: Stefan Kaiser (Menzingen, 29. April 2020)

Im Zentrum für Pflege und Betreuung ist Social Distancing zu den Angehörigen mit einem Abstand von lediglich zwei Zentimetern möglich. Und das obgleich die Bewohner des Zentrums alle der Risikogruppe angehören. Das ist nicht falsch zu verstehen: Wie in anderen Alters- und Pflegeheimen gilt natürlich auch in Menzingen seit Mitte März ein Besuchsverbot, um die Bewohner vor einer Infizierung mit dem Coronavirus zu schützen. Bislang hat das auch gut geklappt. Dank der rigorosen Umsetzung der beschlossenen Massnahmen gibt es im Zentrum Luegeten bisher noch keinen Coronafall.

Doch in der Luegeten wurde man kreativ, was die Besuche der Angehörigen betrifft. Rund um die Feuertreppe wurde eine Plauderbox errichtet. Erbaut wurde die Box aus Schaltafeln. Während die Bewohner im Innern des Zentrums vor der Scheibe sitzen, dürfen Angehörige in der Box Platz nehmen. Durch eine Gegensprechanlage können sie so miteinander kommunizieren, getrennt lediglich durch die besagte rund zwei Zentimeter dicke Glastür, die im Notfall als Fluchtweg dienen würde. «Das Ziel der Plauderboxen ist es, den Kontakt zu den Angehörigen zu verbessern», erläutert der Pflegedienstleiter Adrian Weibel. Denn besonders Angehörigen, deren Ehepartner im Heim seien, fehlt der Kontakt.

In einer Woche von der Idee zur Umsetzung

Doch trotz des allgemeinen Rufs nach Lockerungen und der Reduktion von Massnahmen sei für die Geschäftsleitung und den Heimarzt klar, dass der Schutz für Bewohnerinnen und Bewohner noch länger gewährleistet werden muss. Daher wurden neue Wege gesucht. Bei einem «Znüünikaffe» war die Rede von einem Ostschweizer Heim mit einer Besucherbox. «Wir haben schnell beschlossen, dass wir das ebenfalls einführen möchten», gibt der Pflegedienstleiter Auskunft und ergänzt:

«Von der Idee bis zur Umsetzung verging denn auch keine Woche.»

Das sei auch der Gemeinde zu verdanken, die ein schnelles, unkompliziertes Baubewilligungsverfahren erlaubte. Der Feuerschauer habe sich die Situation angesehen – da die Fluchtwege im Brandfall gewährleistet werden müssen –, wenige Bedingungen gestellt und sein Einverständnis erteilt.

Einen Löwenanteil des Projekts haben schliesslich Sebi Joller und Richi Staub vom technischen Dienst des Zentrums Luegeten gestemmt. «Innert kürzester Zeit haben sie den Anbau realisiert. Voller Engagement und mit sichtlicher Freude. Tolle Arbeit», lobt Adrian Weibel die beiden.

Das neue Angebot steht hoch im Kurs

Die Rückmeldungen für das Angebot fallen sehr positiv aus. Nach einer telefonischen Voranmeldung ist ein Gespräch für 30 Minuten in der Plauderbox möglich. Eingetragen werden sämtliche Termine in einem Wochenplan. «Beim Wiedersehen sind schon Tränen der Freude geflossen», weiss Adrian Weibel ausserdem.

Die Dankbarkeit für das ermöglichte Wiedersehen sei spürbar gross. Eine kleine Anekdote: Nachdem eine Frau ihren Mann nach längerer Zeit des Getrenntseins in der Plauderbox wieder einmal gesehen habe, meinte sie, es wäre Zeit, dass die Coiffeurgeschäfte öffneten, damit ihr Partner endlich seine langen Haare schneiden könne.

«Die Plauderboxen schaffen eine gewisse Nähe, können aber natürlich eine warme Umarmung nicht ersetzen», ist sich das Heim bewusst. Doch die Gesundheit habe oberste Priorität und bis zur langersehnten Umarmung kann die Plauderbox sicherlich einen guten Dienst darin tun, den Kontakt aufrecht zu erhalten.

Corona: Zuger Stützungsfonds ist erfolgreich in Betrieb

In Ergänzung zu den Unterstützungsmassnahmen des Bundes hat der Zuger Regierungsrat einen A-fonds-perdu-Beitrag in der Höhe von 20 Millionen Franken für Selbstständigerwerbende, Einzel- und Kleinunternehmen bereitgestellt. Erste Beiträge konnten bereits gesprochen und ausbezahlt werden.