Leserbrief
Zivilcourage im Kantonsrat?

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Im März 2009 setzten sich 260 Personen, engagierte Menschen, die sich gegen Jugendgewalt einsetzten, im Lorzensaal zusammen. Unter dem Projekt «Gemeinsam gegen Gewalt» wurde in intensiven Diskussionen die Erklärung «Zug zeigt Zivilcourage» entwickelt. Vom Sicherheitsdirektor über den Polizeikommandanten bis hin zu Lehrpersonen, Schulsozialarbeitenden oder Freiwilligen aus allen Gemeinden und Parteien hielt man fest, dass man zusammenstehen müsse, um Prävention zu betreiben und Repression durchzusetzen. Wirkung vor Ort, nahe beim Menschen, auf allen Ebenen, von allen Akteuren, galt als Maxime.

Während dreier Jahre setzte man sich in jeder Gemeinde, in Schulen, Organisationen und auf kantonaler Ebene für das gemeinsame Ziel, die Jugendgewalt einzudämmen, ein. Unter anderem betonte man immer, wie wichtig es sei, dass lokal und mit vielen Beteiligten agiert werde. In allen Gemeinden gingen Freiwillige aller Couleur zusammen mit Polizeiangestellten in Zivil auf Respekt-Patrouillen, um Präsenz zu markieren, Gespräche mit Jugendlichen zu führen und sie auf Ordnung und Respekt hinzuweisen.

Heute steht ein wichtiges Element dieses Handelns vor Ort auf der Abschussliste – Polizeiposten in Gemeinden sollen als Teil der Sparmassnahmen abgeschafft werden. Welche Kurzsichtigkeit! Genau wie der Hauswart in der Schule verfügen Dorfpolizisten über ganz spezielle Möglichkeiten, in ihrer Gemeinde zu wirken. Man kennt sie, und sie kennen ihre grossen und kleinen Pappenheimer. Dorfpolizisten nehmen nach wie vor die Rolle des Freundes und Helfers ein. Bereits bei den Verkehrsüberwachungen zum Schuljahresbeginn lernen sie die Schulkinder kennen und behalten sie im Auge. Sie erkennen frühzeitig, wo Gefahr für schlechte Entwicklungen droht, verfügen über ein gutes Beziehungsnetz und kurze Wege, beispielsweise zu Schule, Jugendarbeit, Behörden oder Betreibungsamt. Und über die notwendige Autorität, um wirksam eingreifen zu können – nicht nur bei Jugendlichen.

Gesellschaft und Umfeld verändern sich. Die Zuger Gemeinden wachsen rasant, es wird verdichtet, Interessenskonflikte nehmen zu. Gleichzeitig findet eine Anonymisierung statt und sinkt die soziale Kontrolle. Umso wichtiger ist, nicht einfach zu zentralisieren, sondern Beziehungsarbeit vor Ort zu leisten. Nur wer die Bevölkerung kennt, kann adäquat reagieren, statt Gesetze stur durchzusetzen. Durch sinnvolles Agieren dank guten Vernetzungen kann andererseits Aufwand vermieden werden.

Das Wegrationalisieren von Polizeiposten bringt kaum Einsparungen, sondern allenfalls Umlagerungen – denn wer schliesslich vom Sozialamt Geld erhält, weil mangels Sozialkontrolle auf die schiefe Bahn gerät, kostet einfach anderenorts! Es bringt aber einen weiteren Verlust an persönlicher sozialer Kontrolle.

Liebe Kantonsrätinnen und Kantonsräte – einige von euch waren damals sehr engagiert und haben sich für die Umsetzung der Erklärung «Zug zeigt Zivilcourage» eingesetzt, sind sogar gemeinsam mit mir auf Patrouille gewesen. Ich appelliere an euch, Zivilcourage für die Gemeinden und deren Bewohnende zu zeigen und gegen die Abschaffung der Polizeiposten zu stimmen.

Maya von Dach, ehemalige Schulpräsidentin Risch und Projektleiterin «Zug zeigt Zivilcourage»