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Zu Besuch hinter den Kulissen im Narrenschopf der Wylägerer Fasnachtsgesellschaft

Der Wylägerer Narrenschopf in Unterägeri ist das Zuhause der Fasnachtsutensilien 
unter dem Jahr. Wo es sonst eher ruhig zu- und hergeht, herrscht momentan Hochbetrieb.
Andrea Muff
Max Büchi (links) und Xaver Stierli. (Bild: Stefan Kaiser, Unterägeri, 22. Februar 2019)

Max Büchi (links) und Xaver Stierli. (Bild: Stefan Kaiser, Unterägeri, 22. Februar 2019)

Eigentlich haben Nichtmitglieder der Wylägerer Fasnachtsgesellschaft (WFG) nichts zu suchen im Narrenschopf an der alten Landstrasse in Unterägeri, deshalb ist der Rundgang durch den Holzbau etwas Besonderes. Das grosse Bild eines Clowns an der Fassade des Hauses signalisiert bereits von aussen: Hier herrscht das ganze Jahr die fünfte Jahreszeit vor. Die Wylägerer Fasnachtsurgesteine Max Büchi (70) und Xaver Stierli (75) zeigen zusammen mit dem Vereinspräsidenten des Wylägerer Narrenschopfes Guido Iten (54) die Schätze. Iten ist der Nachfolger des Gespanns Büchi und Stierli: Letzterer hielt von 1989 bis 2016 die Vereinsleitung inne, Büchi war 1983 der Gründerpräsident und anschliessend bis 2018 Vizepräsident. Beide gehörten in ihrer Vergangenheit lange Jahre dem hohen Narrenrat der WFG an: Von 1980 bis 1997 amtete Max Büchi als Präsident und Narrenvater und Xaver Stierli als Vizepräsident von 1975 bis 1992.

In Unterägeri gehören alle Fasnachtsgruppen – wie etwa die Bomerhüttli, die Nüssler, die Badjöggel oder die Guggenmusik Möschtliblöser – zur WFG: Und jede Gruppe hat im Narrenschopf entweder ein eigenes Zimmer, einen Schrank oder Platz zum Handwerken. Das eigentliche Herz des Narrenschopfs befindet sich aber im ersten Stock: Das Zimmer, wo der Narrenrat und der Vorstand der Wylägerer Fasnachtsgesellschaft tagt. An der einen Wand hängt die erste Fahne der WFG aus dem Jahr 1964 und an der anderen befindet sich die Plakettensammlung der Gesellschaft. Der Holztisch – ein Unikat –, der Boden und die speziell mit Schnitzereien verzierten Schränke seien von ihrem «Hausschreiner» angefertigt worden, erzählt Max Büchi stolz.

Auch sonst gibt es noch eine Menge im Narrenschopf zu entdecken: Denn die Fasnachtsgruppen werden durch verschiedene Figuren repräsentiert. Die berühmteste ist wohl der Badjöggel. Zur Figur gehören Holzschuhe, eine Kutte mit Hose, Handschuhe, Socken, ein Halstuch, ein mit Schellen behangener Rollgurt und eine Tasche. Und natürlich die Holzmaske: Vorsichtig zeigt Max Büchi die drei Masken in verschiedenen Grössen. Der Badjöggel sei Beat-Jakob Iten ab Kreuzmühle nachempfunden, erzählt Xaver Stierli. Iten baute das Elektrizitätswerk in der Kreuzmühle, das 1888 in Betrieb genommen wurde. 1989 wurde der Badjöggel neu eingekleidet; die Masken kosteten damals 650 Franken, weiss Büchi, und geschnitzt wurden sie in Kriens LU. Noch mehr zu Buche schlagen die Schellengurte der Tiroler, die durchschnittlich um die 1500 Franken kosten würden, erklärt Max Büchi.

Momentan ist im Narrenschopf viel los: Die Fasnachtsgesellschaftsmitglieder gehen ein und aus, basteln an ihren Sujets und bereiten den Umzug vor. «Während des Jahres schlafen hier die Masken», sagt Max Büchi und schmunzelt. Auf den Narrenschopf sind die drei Fasnächtler mächtig stolz. Dieser war ursprünglich eine Futtermühle und die WFG nur eingemietet. «1983 bekam die Gesellschaft, die Möglichkeit, den Schopf zu kaufen», erzählt Büchi. Der Trägerverein Wylägerer Narrenschopf wurde gegründet und an der Gemeindeversammlung im Dezember 1983 wurde der notwendige Betrag von 40000 Franken für die geforderte Anzahlung gesprochen. Seit damals hegen und pflegen die Mitglieder ihren Narrenschopf: «Es gibt immer etwas zu tun», weiss Guido Iten. Bis heute wurden ungefähr 60000 Franken an Material investiert und 2500 Stunden Frondienst geleistet.

Auch Schulklassen
sollen sich ein Bild machen

Und auch heute sind Stierli und Büchi untrennbar mit dem Narrenschopf verbunden. Neuerdings machen sie Führungen mit Schulklassen durch den Narrenschopf. Und ein weiteres Projekt liegt (noch) verborgen im Keller: Die beiden Urgesteine möchten zahlreiche Dokumente, Zeitungsartikel, Fotos und Videos digitalisieren. Die Geschichte der Wylägerer Fasnachtsgesellschaft soll ins moderne Zeitalter überführt und archiviert werden. Scanner und Computer stehen bereit. Max Büchi betrachtet die Ordner voller Dokumenten und stellt fest: «Es ist enorm, was für ein Aufwand hinter der Fasnacht steckt.» Die drei freuen sich auf die fünfte Jahreszeit und stimmen zusammen den Wylägerer Fasnacht-Schlachtruf an: «Narrety – Narretei bi üs dehei!»

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