ZUG: 1200 Computer werden entsorgt

Die Kantonsverwaltung hat viele neue Rechner und Monitore gekauft. Die gebrauchten fünfjährigen Geräte landen allesamt im Schredder.

Julian Feldmann
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Haben nach fünf Jahren ausgedient: Hunderte gebrauchter Computer werden bei der kantonalen Verwaltung einfach weggeworfen - mitsamt Bildschirm, Tastatur, Maus und Kabel. (Symbolbild) (Symbolbild: Stefan Kaiser / ZZ)

Haben nach fünf Jahren ausgedient: Hunderte gebrauchter Computer werden bei der kantonalen Verwaltung einfach weggeworfen - mitsamt Bildschirm, Tastatur, Maus und Kabel. (Symbolbild) (Symbolbild: Stefan Kaiser / ZZ)

Für rund 3 Millionen beschaffen sich die kantonale Verwaltung und die Gerichte des Kantons Zug eine neue Informatikinfrastruktur: 1600 Desktop Clients (also klassische Arbeitsstationen), 500 Notebooks und 2400 Monitore. Im Rahmen eines offenen Verfahrens hat der Kanton Zug dem chinesischen PC-Hersteller Lenovo den Zuschlag für die Lieferung der Computer gegeben.

Gerade mal fünf Jahre alt sind die ungefähr 1200 gebrauchten Computer von Hewlett-Packard, die mitsamt Bildschirm, Tastatur, Maus und Kabel entsorgt werden. Ein Skandal oder die einzig mögliche Methode?

Ein empörter Leser meldete sich bei unserer Zeitung: Für ihn sei es unverständlich, dass fünfjährige Bildschirme im Abfall landen und nicht gespendet, verkauft oder den Steuerzahlern verschenkt werden.

Keiner zeigt sich verantwortlich

Die Entsorgung der Computer scheint tatsächlich ein heikles Thema zu sein: Weder ein Vertreter der Zuger Kantonsverwaltung noch einer der Suco Informatik AG will seinen Namen in der Zeitung lesen.

Man erfülle lediglich die vertraglichen Pflichten, heisst es beim Amt für Informatik und Organisation, dem Auftraggeber, auf Anfrage unserer Zeitung. Diese würden vorschreiben, dass sämtliche Geräte der Firma Suco Informatik AG in Sursee, wo sie bezogen wurden, zurückgeliefert werden.

Auch bei der Informatikfirma heisst es, man würde sich an die vertraglichen Abmachungen halten, die von Zug aus vorgegeben seien. Diese würden beinhalten, dass die Geräte fachgerecht entsorgt werden. «Was recycelt werden kann, wird recycelt. Es wird nichts in fernen Ländern auf eine Mulde gekippt», verspricht die Suco Informatik AG.

Dass Rechner aufgrund der darauf gespeicherten vertraulichen Daten nicht weitergegeben werden können, wirkt verständlich. Aber auch bei Bildschirmen gelte es, vorsichtig zu sein, sagt ein Zuger Informatikexperte. Denn man könne deren Herkunft zurückverfolgen. Dadurch gehe der Kanton bei einem Weiterverkauf oder einer Schenkung ein Risiko ein – bei nicht rechtmässiger Entsorgung durch den späteren Benutzer könnte er gerichtlich belangt werden.

Fünf Jahre im Vergleich lang

Für die Suco Informatik AG wird viel Wirbel um nichts gemacht: «Nach fünf Jahren kann man Tastatur, Maus, Monitor und Kabel nicht mehr brauchen. Wir würden das keinem unserer Kunden zumuten», heisst es von der Informatikfirma. Ausserdem sei eine kostenlose Entsorgung auch preiswerter – der Aufwand, für mehr als tausend Einzelteile neue Abnehmer zu finden, stehe in keinem Vergleich zum Ertrag: Gebrauchte Bildschirme, Tastaturen und anderes Computer-Equipment seien praktisch wertlos.

Dieselbe Meinung vertritt die kantonale Verwaltung in Zug, wo man der Ansicht ist, dass die Informatikinfrastruktur spätestens nach fünf Jahren ausgewechselt werden müsse: «Im Vergleich zu anderen Branchen benutzen wir unsere Computer extrem lang.» Die Elektronik sei eben enorm schnelllebig – schon nach wenigen Jahren seien Reparaturen erforderlich, was Geld und Zeit beanspruche.

Den Vorwurf, man hätte die Geräte verschenken sollen, anstatt sie zu entsorgen, weist die kantonale Verwaltung zurück – einen solchen Versuch habe man 2008 gestartet: «Wir haben diversen Hilfsorganisationen und Schulen unsere gebrauchten Computer angeboten – und stiessen damit auf keinerlei Interesse.»