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ZUG: Abschied vom «Leuchtturm»

Rund 13 Jahre hat Renate Falk die Fachstelle der Katholischen Kirche Zug geleitet. Zum Beginn ihrer Pension hält sie noch einmal Rückschau.
Monika Wegmann
Renate Falk übergibt die Leitung der Sozialberatung Leuchtturm. (Bild: Werner Schelbert (Zug, 29. August 2017))

Renate Falk übergibt die Leitung der Sozialberatung Leuchtturm. (Bild: Werner Schelbert (Zug, 29. August 2017))

Monika Wegmann

redaktion@zugerzeitung.ch

«Mein Büro ist bereits wieder ­belegt», sagte Renate Falk (65) letzte Woche, kurz vor ihrem Abschied von der Sozialberatung Leuchtturm. Darum müsse sie nichts mehr räumen. Ihre Nachfolgerin Simone Schelker hat die Leitung seit gestern übernommen (siehe Box). «Sie kennt den Betrieb, so kann ich ruhig in Pension gehen», sagt Falk überzeugt. Als eine Klientin vorbeikommt, um Abschied von ihr zu nehmen, freut sie sich sehr. Weil manche Menschen über längere Zeit die Dienste der Stelle nutzen würden, entstehe eine Vertrauens­basis. «Wir können Hilfe geben und ein Stück mitgehen, aber ich ­bin für das jeweilige Schicksal nicht verantwortlich», ist sich die Fachfrau bewusst.

Ist nach rund 13 Betriebsjahren die Fachstelle, die Sozialberatung für alle Menschen aus dem Kanton Zug anbietet – unabhängig von Religion und Weltanschauung –, aus heutiger Sicht noch nötig? Die Antwort kommt von Renate Falk sofort: «Es ist eine sehr gute Sache, das Angebot wird rege genutzt. Und obwohl wir keine Werbung machen und etwas versteckt liegen, sind wir ausgelastet.» Selten kämen Leute spontan vorbei. Es sei aber der Wunsch, dass man sich anmelde. «Am Anfang habe ich gestaunt. Als noch keine Möbel da waren, stand schon jemand vor der Tür für eine Beratung», erinnert sich Falk.

Finanzielle Probleme spielen oft eine Rolle

Viele Kontakte entstünden durch Mundpropaganda, zudem sei die Fachstelle stark vernetzt mit Sozialämtern, dem reformierten Angebot Triangel und den Pfarreien. Letztere seien mit Beratung und Begleitung ­der Hilfesuchenden vor Jahren an ihre Grenzen gestossen. Nicht zuletzt, weil die Probleme komplexer geworden seien. Dies habe zur Gründung des Leuchtturms geführt. «Die Fachstelle wird von der Katholischen Kirchgemeinde alleine finanziert», weiss Renate Falk. Mit welchen Problemen kommen die Hilfesuchenden? «Oft spielen finanzielle Probleme eine Rolle, wenn das Einkommen zu klein ist oder es zu Schulden kommt. Dann schauen wir, wie das Budget eingehalten werden kann», erklärt sie. Man scheue selbst vor unkonventionellen Lösungen nicht zurück. Man gebe kein Geld, höchstens Gutscheine oder könne dank eines Kleiderraums Unterstützung leisten: «Notfalls können wir ein Gesuch zum Beispiel an die Stiftung der katholischen Kirchgemeinde stellen.»

Manche Leute leiden an ihrer Arbeitsstelle, beispielsweise unter Mobbing. Zugenommen hätten allgemein psychische Probleme durch Depression, Erschöpfung oder Überforderung in Beruf und Familie, hat Renate Falk festgestellt. Die Stelle biete aber keine psychiatrische Behandlung; beim Leuchtturm gehe es um Lebensberatung für Leute, die das Gespräch suchten. Wichtig sei dabei die Anonymität, die man gewährleiste. Oft komme es zu einer Triage, um zu sehen, welche andere Stelle für das Problem zuständig sei.

Dienstleistungen sind gratis

«Manche Klienten kommen nur einmal oder unregelmässig, andere begleiten wir ein bis zwei Jahre lang», so Falk. Für die Hilfesuchenden sei das Angebot gratis. «Es ist gut, dass der Dienst auch Leuten Hilfe bietet, die nicht viele Mittel besitzen. Ich habe schon erlebt, dass Leute, denen es gut geht, uns eine Spende geben, weil ihnen geholfen worden ist», erinnert sich Renate Falk. «Die Nutzung unserer Dienstleistungen ist freiwillig, der Klient kann jederzeit gehen. Es ist wichtig, ein Gefühl zu entwickeln, wenn ­die Sache unangenehm wird, aber auch parat zu sein, um Lösungen zu entwickeln. Das braucht Vertrauen.» Die Bandbreite der Probleme mache die Arbeit der Stelle spannend. Sie habe gestaunt, wie gut sie mit den Problemen umgehen könne. «Im Unterschied zu den Sozialämtern haben wir die Möglichkeit, die Leute ohne zeitlichen Druck zu begleiten. Wir können ihnen so viel Zeit geben, wie sie brauchen, um eine Lösung zu finden – unterstützt von uns», so Falk. Das geschehe auf einem christlichen, humanen Hintergrund. «Wir nehmen jeden Menschen, wie er ist.»

Seit gestern ist Renate Falk nun in Pension. Sie hat schon einige Pläne: «Sicher Italienisch lernen, laufen und kreativ kochen. Zudem bin ich auch weiterhin im Beirat der LZ-Weihnachtsaktion.»

Hinweis

Leuchtturm, Diakonische Sozialberatung, 041 727 60 70

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