ZUG
Acht Wohnhäuser auf grüner Wiese in Bahnhofnähe geplant

Seit kurzem ziert ein Stangenwald eine grosse grüne Wiese auf der Rothusmatt unweit des Zuger Stadtzentrums. Unter anderem hat auch eine verlorene Abstimmung den Weg für dieses Bauprojekt frei gemacht.

Marco Morosoli
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In einem kleinen Zimmer hinter dem Empfang der städtischen Verwaltung stehen Interessierten die jeweils aktuell aufliegenden Baugesuche für die Einsicht zur Verfügung. Der Publikumsverkehr dürfte in der Regel überschaubar sein. Derzeit jedoch kann es geschehen, dass die papiernen Unterlagen zu Baugesuchen erst nach einer Wartezeit nutzbar sind. Die Renner sind aktuell die Überbauung im Gebiet des Salesianums (siehe Ausgabe vom 26. Mai 2021). Und auf eine gute Resonanz stösst das Bauprojekt, das auf der heute noch grünen Wiese Rothusmatt etwas oberhalb des Guggiwäldlis acht Wohnhäuser vorsieht.

Die Rothusmatt in Zug soll überbaut werden. Das Gelände war einst als Installationsplatz gedacht gewesen, wenn der Stadttunnel gebaut worden wäre. Die Baulinien sind nun wieder freigegeben worden. Jetzt sollen dort acht Mehrfamilienhäuser entstehen.

Die Rothusmatt in Zug soll überbaut werden. Das Gelände war einst als Installationsplatz gedacht gewesen, wenn der Stadttunnel gebaut worden wäre. Die Baulinien sind nun wieder freigegeben worden. Jetzt sollen dort acht Mehrfamilienhäuser entstehen.

Bild: Stefan Kaiser (Zug, 26. Mai 2021)

Das Baugelände umfasst eine Fläche von 17'595 Quadratmetern. Um dem gesetzlich vorgeschriebenen Waldabstand Genüge zu tun, muss die Bauherrschaft auf eine Fläche von 3332 Quadratmetern verzichten. Unterhalb der geplanten Häuser befindet sich ein namenloser Wald, der beinahe mit dem bekannteren Guggiwäldli verschmolzen ist. Im Zuger Buch «Zuger Ortsnamen» von Beat Dittli steht zur Bezeichnung Guggi, dass sich diese aus dem Wort «guggen» weiterentwickelt habe und so viel wie «aufmerksam» oder «neugierig schauen» bedeute. Inwieweit die geplanten Häuser ihren Bewohnern eine Aussicht bieten, ist unklar.

Die acht Häuser sollen in zwei Viererreihen auf der Rothusmatt oberhalb des Wäldchens entstehen. Die Häuser in der hinteren Reihe sind eher längs platziert geplant. Im vorderen Bereich des Bauplatzes sind die Wohnhäuser der Überbauung mit der Ausrichtung Ost-West vorgesehen. Auf dem öffentlich einsehbaren Plan ergibt sich so, dass alle an der tollen Aussicht teilhaben sollen. Die Existenz einer Rothusmatt hat übrigens nichts mit dem ehemaligen Sitz einer kommunistischen Partei zu tun. Vielmehr verortet Beat Dittli in seinem Nachschlagewerk die Herkunft bei einem auf der besagten Anhöhe existierenden Hof. Der Name ist im Kanton Zug auch nicht einzigartig. Die Bezeichnung ist noch in den Gemeinden Oberägeri, Cham und Hünenberg verbrieft.

Der Landschaftsgestalter hat mehr als nur einen grünen Daumen

Die Eigentümerschaft plant den Bau von insgesamt 72 Wohnungen. Wobei jedes der acht Gebäude eine andere Anzahl Wohnungen beinhaltet. Die Karte desjenigen Planers, der sich um die Umgebungsgestaltung kümmerte, will viel Grün rund um die Häuser sehen. Bei den Bäumen bevorzugt die Bauherrschaft Hochstämmer. Bei den restlichen Pflanzen schaut sie darauf, dass das Eingepflanzte einerseits ungiftig ist und andererseits in der Schweiz vorkommt.

Wie dem Baugesuch zur Rothusmatt weiter zu entnehmen ist, sollen auf dem Gelände insgesamt 103 Parkplätze nutzbar sein. Die An- und Abfahrten aus der Tiefgarage dürften über die Loretostrasse oder aber über den Rothusweg erfolgen. Letzterer ist sehr steil und zudem in Teilen eher unübersichtlich. Mehrverkehr auf dem Rothusweg gibt es mit Sicherheit. Bei der Heizung haben sich die Bauherren für die Variante Circulago der Wasserwerke Zug entschieden. Diese holt Seewasser zur Herstellung von Kälte und Wärme aus dem Zugersee. Die Bauherrschaft stellt ihren Bewohnern auch die Infrastruktur für E-Bikes zur Verfügung.

Im Weiteren wollen die Bauherren die Flachdächer der Liegenschaft stark begrünen. Es ist auch eine Fotovoltaikanlage geplant. Wie aus dem öffentlichen Baugesuch hervorgeht, sind die Leutwyler Partner Architekten aus Zug für die Planung der Überbauung auf der Rothusmatt verantwortlich. Sie haben in der Stadt Zug schon verschiedene Fussabdrücke hinterlassen, der bekannteste ist wohl die Überbauung Schutzengel an der General-Guisan-Strasse.

Mehr als eine Preisschätzung lässt sich mit den vorliegenden Angaben nicht machen

Die Kosten für die Überbauung sind nur schwer bezifferbar. Bei den Projektkosten ist bei jedem Haus der Betrag 4,5 Millionen Franken eingetragen. Jemand hat die Zahl zwar zu schwärzen versucht, aber das Blatt in einer gewissen Richtung haltend, kommt das zu verschweigen Versuchte ans Licht. Das ergäbe eine Bausumme von rund 36 Millionen Franken. In dieser Rechnung ist jedoch das Land womöglich nicht eingerechnet. Zudem: Bevor die Bauarbeiten beginnen, muss erst noch eine Baute niedergerissen werden.

Übrigens stand das Projekt wohl längere Zeit in der Schwebe. Wäre der Stadttunnel im Jahr 2015 bei der Volksabstimmung angenommen worden, dann wäre in diesem Gebiet ein Installationsplatz erstellt worden. Abnehmer für die geplanten Wohnungen dürften Schlange stehen. In unmittelbarer Nähe ist eine Überbauung entstanden, welche deren Vermarkterin mit dem Slogan anpries: «Dort, wo Zug am schönsten ist.» Dann müsste es für die neue Überbauung auf der Rothusmatt sinngemäss heissen: «Dort, wo Zug noch schöner ist.»