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ZUG: Alfred am Fenster zum Hof

An der Rückseite vom Kino Seehof klebt Hitchcock. Er gibt sich abweisend: Schliesslich hat ein ­international tätiger Schweizer Künstler den Kultregisseur in seinem Urlaub «gestört».
Alfred Hitchcock, 1967 von Werner Pfändler in St. Moritz fotografiert, schaut etwas genervt durch das «Fenster zum Hof» an der Rückseite des Kinos Seehof. (Bild: Stefan Kaiser)

Alfred Hitchcock, 1967 von Werner Pfändler in St. Moritz fotografiert, schaut etwas genervt durch das «Fenster zum Hof» an der Rückseite des Kinos Seehof. (Bild: Stefan Kaiser)

«Nein, bitte jetzt nicht!», scheint einem Alfred Hitchcock förmlich zu verstehen zu geben, tritt man durch den Hof auf ihn zu. In der fensterartigen Nische über einer Hintertür des Kinos Seehof entdeckt man – von der Bahnhofstrasse her kommend – den legendären britischen Filmemacher (1899–1980) mit ein­deutig ablehnender Gestik. Es ist nicht etwa irgendein Plakat oder ein Abziehbild, das hier jemand mal hingeklebt hat, sondern die Reproduktion eines renommierten Schweizer Fotografen wurde hier ganz bewusst platziert – eine Fotoinstallation, wenn man so will.

Urheber der Originalfotografie ist der 1946 in Zürich ge­borene Fotograf und Künstler Werner Pfändler. In den ersten Jahren nach dem Abschluss der Kunstgewerbeschule arbeitete Pfändler als Pressefotograf, unter anderem bei Ringier. Im Winter 1967 gelang Pfändler in St. Moritz diese aussagekräftige Fotografie von Alfred Hitchcock, auch wenn dieser einen eher genervten Eindruck macht und wohl lieber in Ruhe gelassen werden wollte. Nachvollziehbar: Der Regisseur pflegte es, wiederholt die Weihnachtstage im Engadiner Nobelort zu verbringen. Hier hatte Hitchcock bereits 1926 seine Frau Alma Reville geheiratet.

Im Jahre 2000 liess die Eigentümerin des Seehofes, die Kino Hürlimann AG, im Laufe der Gebäuderenovation die 117 mal 117 Zentimeter grosse Fotoreproduktion in der Wandnische anbringen. Für Hitchcock-Kenner erschliesst sich die Assoziation zu einem besonderen Filmklassiker des Briten wohl auf der Stelle: «Das Fenster zum Hof» mit Grace Kelly und James Steward in den Hauptrollen läutete 1954 Hitchcocks erfolgreichste Schaffens­periode ein. Mit Alfred Hitchcock in diesem «Fenster zum Hof» wird überdies – es ist selbsterklärend – auch Bezug genommen auf die Funktion des Gebäudes als Kino, als das man es als Unkundiger vom unscheinbaren Hinterhof her freilich nicht erkennt.

Werner Pfändler lebt und arbeitet heute in München. Ab den 1980er-Jahren war er zunehmend auch als Maler tätig. In den 1990ern widmete er sich überdies der plastischen Kunst.

Andreas Faessler

andreas.faessler@zugerzeitung.ch

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