ZUG: Alten Dingen neues Leben einhauchen

Etwas gegen Abfallberge tun – ganz praktisch? Defekte, lieb gewordene Gegenstände reparieren statt wegwerfen? Am Samstag öffnete in der Freizeitanlage Loreto das Repair Café erstmals seine Türen.

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Martin Senn (links) zeigt Rainer Kistler, wie man Schuhe repariert. (Bild: Roger Zbinden (Zug, 20. Mai 2017))

Martin Senn (links) zeigt Rainer Kistler, wie man Schuhe repariert. (Bild: Roger Zbinden (Zug, 20. Mai 2017))

Die 15-jährige Kaffeemaschine ist nach einer Stunde wieder funktionstüchtig – ihre verkalkten Wasserschläuchlein wurden abmontiert, gereinigt und wieder eingesetzt, und ihre Besitzerin verlässt strahlend den Raum. In einer anderen Ecke des Raumes zerschneiden Anna Kistler, ehemalige Schneiderin im renommierten Luzerner Konfektionsgeschäft De Boer, und Romi Keller, Sekretärin im Amt für Umweltschutz, eine alte Jeanshose, belegen den kräftigen Stoff mit einem Schnittmuster, hantieren mit Stecknadeln und nähen, und nach 45 Minuten liegt ein nigelnagelneues Kinderhöschen mit elastischem Taillenbund auf dem Tisch.

Der junge Informatiker Ganesh Ramanathan bietet Hilfe bei jeglichen Elektronikproblemen an, die Männer an seinem Tisch ziehen Jukeboxen und CD-Player aus ihren Taschen, und einer zerlegt gerade seinen Computer in alle Einzelteile. Eine alte Spieluhr ist blockiert, ihre winzige Puppentänzerin und die dazugehörige Musik bleiben stecken, aber nur kurz, denn nachdem der junge Mann am Mechanikertisch sie geöffnet und mit seinem Schraubenzieher bearbeitet hat, geht sie wieder. Der Lehrer Martin Senn hat im Ballenberger Kurszentrum das alte Handwerk der Schuhmacherei erlernt, macht sich seither seine Schuhe selber und – zeigt nun im Repair Café, wie man die abgerissenen Laschen an einem Turnschuh fachmännisch wieder annäht. «Das A und O ist sauber arbeiten», sagt Rolf Siegrist, Buchbinder mit Leib und Seele, der eine junge Frau dabei anleitet, drei zerfledderte Arzneimittel-Bände neu zu binden.

Teil einer grösseren Reihe

Repair Cafés, wie eines am Samstag in der Freizeitanlage Loreto in Zug stattfand, gibt es seit kurzem schweizweit. Sie bieten eine Möglichkeit, konkret etwas gegen den Ressourcenverschleiss zu tun. Die Idee ist einfach: Besucher und Besucherinnen bringen ihre defekten Gegenstände mit – ob Rasierapparat, Toaster, Spielzeug, Velos, Lampen oder Küchenwaage – und werden von erfahrenen Profis instruiert, profitieren von deren kostenlosem Fachwissen und passendem Werkzeug. Das erste Zuger Repair Café steht unter dem Patronat des Amts für Umweltschutz in Zusammenarbeit mit der Stiftung für Konsumentenschutz SKS. «Wir bieten Hilfe zur Selbsthilfe, zugleich entsteht aber auch soziale Begegnung bei Kaffee und Kuchen, und es soll Spass machen», sagt Organisatorin Paola De Coppi.

Das Angebot ist Teil einer grösseren Zentralschweizer Kampagne für nachhaltigen Konsum, «E chline Schritt», welche in den nächsten drei Jahren konkret umsetzbare Ziele verfolgt: 2017 ist dem Thema «Flicke» gewidmet; 2018 steht unter dem Motto «Teile», zum Beispiel sollen Maschinen und Werkzeuge, die selten gebraucht werden, nachbarschaftlich ausgetauscht werden; und 2019 wird es um «Sorg ha» gehen, etwa Energiesparmöglichkeiten oder Food-Waste-Vermeidung. Dem Anliegen der Nachhaltigkeit verpflichtet sind auch Tauschplattformen und ein Online-Reparaturführer. Immer geht es um alltäglich umsetzbaren Umweltschutz. Das erste Zuger Repair Café jedenfalls scheint beim Publikum anzukommen.

 

Dorotea Bitterli

redaktion@zugerzeitung.ch

Hinweis

Nächste Repair Cafés: Samstag, 26. August und 28. Oktober. Infos unter: www.repair-cafe.ch