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ZUG: An ihrem Tisch zerbricht die rosa Brille

Yve Köchli ist die erste diplomierte Trennungs- beraterin der Zentralschweiz. In ihrem Zuger Büro versinken Männer in Selbstmitleid, und Frauen werden zu Furien. Und manchmal auch umgekehrt.
Pascal Imbach
Oft die Einzige im Raum, die einen kühlen Kopf bewahrt: Trennungsberaterin Yve Köchli in ihrem Zuger Büro. (Bild Pascal Imbach)

Oft die Einzige im Raum, die einen kühlen Kopf bewahrt: Trennungsberaterin Yve Köchli in ihrem Zuger Büro. (Bild Pascal Imbach)

An der Wand hängt ein Bild von zwei Herzen. Ansonsten deutet wenig darauf hin, dass sich hier, einen Steinwurf vom Zuger Hauptbahnhof entfernt, das Büro von Yve Köchli befindet. Andere würden an dieser Stelle wohl eher von einer «Praxis» oder einem «Sprechzimmer» reden, doch diese Begriffe meidet sie bewusst. Die 45-Jährige, die zuvor unter anderem in der Gesundheitsbranche und im Marketing tätig war, ist die erste Trennungsberaterin der Zentralschweiz, die sich ausschliesslich damit beschäftigt, wo man als Paar anzusetzen hat, wenn die Liebe endgültig verflogen ist.

Natürlich gibt es eine ganze Reihe von Paartherapeuten, Eheberatern oder sonstigen Fachstellen, die sich innerhalb ihrer Tätigkeit auch mit dem Aspekt der Trennung befassen, Yve Köchli aber klammert in ihrer Beratung alle anderen Bereiche aus und konzentriert sich ausschliesslich auf jene Leute, bei denen beziehungstechnisch Hopfen und Malz verloren ist. Paare also, bei denen klar ist, dass sie getrennte Wege gehen, wenn sie das helle Büro mit dem lieblichen Herz-Bild an der Wand das erste Mal betreten.

Keine echte Hilfe gefunden

«Braucht es sowas?», hört Köchli oft, wenn sie im Freundes- oder Bekanntenkreis von ihrem Beruf erzählt. Und, ja, sowas brauche es – je länger je mehr sogar, ist Köchli überzeugt. Die Mutter von zwei Söhnen im Alter von 9 und 11 Jahren hat selber eine Trennung hinter sich. Eine, die beidseitig über Anwälte geregelt wurde. «Das war vor fünf Jahren», erzählt sie. «Mein Mann und ich haben es damals nicht mehr geschafft, vernünftig und sachlich miteinander zu diskutieren – und da wusste ich, dass ich professionelle Hilfe brauche.» Köchli suchte zuerst nach entsprechenden Beratungsstellen – fand aber keine, sie erkundigte sich auch nach kostenlosen Rechtsberatungen, wie sie viele Kantone anbieten. «Die waren aber keine echte Hilfe, sie haben lediglich an weitere Stellen vermittelt.» Letztlich blieb ihr nichts anderes übrig, als einen Scheidungsanwalt zu engagieren. Der war teuer – und machte seine Sache mehr schlecht als recht. «Ich fühlte mich ungenügend betreut und vertreten von ihm.»

So reifte bei Köchli die Idee, aus der Trennungsberatung ein eigenes Geschäftsmodell zu machen. Köchli wollte sich entsprechend weiterbilden und stiess auf die Schweizerische Vereinigung für gemeinsame Elternschaft, kurz Gecobi, mit Sitz in Zürich – und schloss 2012 den ersten Jahrgang der Ausbildung zur diplomierten Trennungsberaterin ab.

Organisation, Finanzen, Kinder

Wer nun aber denkt, Köchli setze sich in ihrer Beratung vorwiegend damit auseinander, wie man eine Trennung am besten emotional hinter sich bringt, der irrt. Bei ihr geht es in erster Linie um Organisatorisches, Finanzielles und: die Kinder. Letztere nämlich spielen bei vielen Trennungen eine Hauptrolle. «Kinder werden, gerade seitens der Frauen, oft als Druckmittel eingesetzt. Viele Konflikte werden unbewusst, aber auch ganz bewusst, auf dem Rücken der Kinder ausgetragen», sagt Köchli. Da höre sie in ihren Beratungsgesprächen dann Sätze wie «Wenn du mir da und da nicht entgegenkommst, dann werde ich dafür sorgen, dass du die Kinder nicht mehr besuchen kannst!» und viele Tiefschläge mehr. Ohnehin geht es im Büro der freundlichen Beraterin bisweilen hoch zu und her. Ein Vorteil also, dass in den ringhörigen Räumlichkeiten des alten Gebäudes fast nur Gewerbler eingemietet sind. Denn es kann ganz schön laut werden, wenn sich die Paare in die Haare geraten. «Da hagelt es Vorwürfe von der gehörnten Ehefrau, die von ihrem Gatten wegen einer anderen verlassen wird, oder vom Mann, der das Gefühl hat, dass er sowieso nur der ‹Tubel› ist, der für alles zahlen soll!» Nicht einfach, einen kühlen Kopf zu bewahren. «Es kommt auch vor, dass einer von beiden aufsteht und gehen will – meistens der Mann», sagt Köchli.

Trennung als Kostenfalle

Was Yve Köchli oft beobachtet, ist, dass es Paaren, die sich trennen, gar nicht bewusst ist, wie teuer das werden kann. «Zieht eine Frau aus und nimmt sich eine eigene Wohnung, steigen die finanziellen Kosten in einem Mass, das durchaus existenzbedrohend werden kann – und zwar für die Frau, den Mann, oder auch beide zusammen.» Wenn die trennungswilligen Paare bei Köchli Rat suchen, werden sie deshalb nicht geschont. Es wird Klartext gesprochen und: Es werden Fakten geschaffen. Steuererklärungen, Bankauszüge, Vermögensnachweise – je mehr auf den Tisch kommt, desto besser. Am Flipchart im Büro macht Köchli Grobrechnungen und Aufstellungen, wie sich die finanzielle Situation präsentiert und wem nach gängigen Grundsätzen und Gesetzen wie viel zusteht. «Gerade Leute, die nur über ein kleines Haushaltseinkommen verfügen, in vielen Fällen solche, bei denen bisher nur der Mann gearbeitet hat, erschrecken an diesem Punkt», sagt Köchli. «Denn sie merken, dass sie sich eine Trennung rein finanziell eigentlich gar nicht leisten können.» Hier ist die Beraterin besonders gefordert. Denn gerade in solchen Fällen ist es wichtig, trotz aller Widrigkeiten eine Lösung zu finden, mit der beide Seiten leben können. «Und wiederum ist auch hier diejenige Lösung die beste, bei der es den Kindern am besten geht.»

Streit um Kleinigkeiten

Gestritten, geflucht und geweint wird freilich völlig ungeachtet der finanziellen Situation. «Ich hatte schon Paare hier, bei denen sich beide Seiten sieben Anwälte hätten leisten können» – und trotzdem hätten sie es vorgezogen, aussergerichtlich eine Lösung zu finden. Hier kann die Trennungsberaterin als Mediatorin wertvolle Hilfe leisten und das Gespräch leiten, das in den eigenen vier Wänden des Paares womöglich ausarten würde. Denn gestritten wird manchmal auch schon um Kleinigkeiten wie Geschirr oder Möbel. «Ab einem gewissen Punkt geht es nicht mehr ums Geld, sondern lediglich darum, sich in möglichst vielen Punkten durchzusetzen und dem Partner eins auszuwischen», sagt Köchli.

Schlecht vorbereitete Männer

Was bei den Ausführungen von Yve Köchli erstaunt, ist, dass sie oftmals mehr den Männern als den Frauen zur Seite stehen muss. In vielen Fällen nämlich seien es die Männer, die zu spät oder gar nicht auf eine Trennung reagieren würden. «Manche muss ich regelrecht aufrütteln und ihnen klarmachen, dass sie eben nicht nur der ‹Tubel› sind, der nur bezahlen soll. Sondern dass auch der Mann Rechte hat, die er einfordern kann und muss, gerade wenn es um die Kinder geht.» Köchli erlebt Frauen häufig als abgebrühter und besser vorbereitet, wenn es um eine Trennung geht – bis hin zum Extrem. «Ich habe Furien erlebt, die mit allen Mitteln dem Mann schaden wollten. Da bin ich selber manchmal erschrocken.» Männer hingegen würden sich in der Opferrolle gefallen und regelrecht im Selbstmitleid zerfliessen. «Die muss ich dann aufwecken und sagen, hey, tu was! Bring dich in die Diskussion mit ein!» Selbstverständlich, so betont Köchli, gebe es auch das Gegenteil: Die Konstellation vom dominanten Mann und der überforderten, eingeschüchterten Frau.

Fest steht, dass es deutlich teurer ist, einen Anwalt aufzusuchen, als sich für die Zuger Trennungsberaterin zu entscheiden. Denn bei Köchli kostet die Stunde vergleichsweise moderate 100 Franken. Kaum erwähnenswert, dass die Kosten unter den Trennungswilligen jeweils 50:50 aufgeteilt werden.

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