ZUG: «Angegriffener muss nicht fliehen»

Was soll man tun, um nicht in eine Schlägerei verwickelt zu werden? Und wie weit darf man sich wehren? Ein aktueller Streitfall erregt die Gemüter.

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Tatort: Bahnhof Zug. (Bild: Charly Keiser / Neue ZZ)

Tatort: Bahnhof Zug. (Bild: Charly Keiser / Neue ZZ)

wh. Im Zuger Bahnhof wird ein junger Mann bewusstlos geschlagen – und später von der Justiz auch noch bestraft: Weil er sich gewehrt hat (wir berichteten in unserer Ausgabe vom Samstag). Dabei hat der Handwerker aus Schwyz nur seinem Arbeitskollegen helfen wollen, der als erstes angegriffen wurde. Resultat: Der Schwyzer wird selbst brutal spitalreif geschlagen und danach noch wegen Raufhandel schuldig gesprochen.

«Nicht mehr nachvollziehbar»

«Bleibt dem Opfer gemäss Empfehlungen unserer ‹Behörden› da nur, die Prügelei zu erdulden oder wegzurennen?» Das fragt sich ein erzürnter Leserbriefschreiber. Ein anderer kritisiert die Zuger Staatsanwaltschaft, dass sie es angesichts der schweren Verletzungen des Opfers «noch fertigbringt, Strafanzeige zu erstatten. Das ist nicht mehr nachvollziehbar.» Und eine Leserbriefautorin fordert: Die Klärung der Grenze zwischen Raufhandel und Notwehr wäre dringend notwendig, «damit unsere Polizei endlich etwas in der Hand hat gegen solche Täter.»

Doch darf man sich denn gar nicht wehren – im Sinne von Notwehr? Strafrechtsexperte Andreas Eicker von der Universität Luzern stellt klar: «Es gilt, dass derjenige, der ohne Recht angegriffen worden ist, diese Attacke in angemessener Art und Weise abwehren darf, solange der Angriff noch andauert. Das heisst, der Angegriffene braucht nicht zu fliehen, darf aber auch nur das mildeste Mittel zur sicheren Beendigung des Angriffs einsetzen.»

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