ZUG: Arbeit an Körper, Emotionen und Denkmustern

Shaolin-Kung-Fu erfordert Beweglichkeit, Ausdauer, Koordination und Disziplin. Über diese Fähigkeiten und über die mentalen Herausforderungen hat Roger Stutz in der City-Kirche gesprochen.

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Roger Stutz widmet sein Leben voll und ganz dem Kung-Fu. (Bild: Christian H. Hildebrand, Zug (30. September 2017))

Roger Stutz widmet sein Leben voll und ganz dem Kung-Fu. (Bild: Christian H. Hildebrand, Zug (30. September 2017))


Wut und pure Kraft sind Gewalten, auf die Kampfkünste komplett verzichten. Sie lehren vielmehr, den Feind zu respektieren, ihn zu studieren und seinen Emotionen nicht nachzugeben. Hier liegt der grösste Unterschied zwischen Kampfkunst und Kampfsport.

Roger Stutz hat sich ganz dem Shaolin-Kung-Fu verschrieben. Er trainiert seit seinem sechsten Lebensjahr, erhielt mit 15 den schwarzen Gürtel, gab danach selber Unterricht und trat mit 22 Jahren dem sagenumwobenen Shaolin-Kloster am Berg Song­shan im Herzen Chinas bei, um dort zu trainieren. Eine Ehre, die nur wenigen zukommt. In der ­City-Kirche bot 36-Jährige am Samstagabend im Gespräch mit Roman Ambühl, Pastoralassistent bei der Pfarrei St. Johannes, einen Einblick in die traditionelle Kampfkunst. So erzählte er den Anwesenden unter anderem von seiner ersten Begegnung mit der fremden Kultur und von der Überwindung von Grenzen – sowohl inneren als auch von sprachlichen. Um Shaolin wirklich verinnerlichen zu können, beschäftige sich Stutz intensiv mit der chinesischen Sprache. Mit viel Übung könne man die Abfolge von Bewegungen zwar so beherrschen, dass es gut aussehe. «Wenn man die Sprache dazu aber nicht lernt, versteht man nicht, worum es geht», so der Luzerner, der 2006 als buddhistischer Mönch ordiniert wurde.

Wu De – die Tugenden der Kampfkunst

Kung-Fu vereinnahme ihn heute zu 100 Prozent, erklärte der Shaolin-Meister, der 2000 den Schweizer Shaolin Chan Tempel in Obernau LU gründete und dort seither sein Wissen weitergibt. Einige seiner Schüler beeindruckten am Samstagabend in Zug mit Kung-Fu-Darbietungen und mit dem traditionellen chinesischen Löwentanz. Shaolin-Kung-Fu müsse im Zusammenhang mit der Kampfkunstmoral Wu De betrachtet werden, denn Shaolin-Kung-Fu sei eine Lebenseinstellung und ein stetiges Arbeiten an sich selbst: körperlich, geistig und charakterlich. Ohne sich dabei über andere Menschen zu stellen, sondern mit sich und seiner Umwelt in Einklang und Balance zu leben, führte Stutz aus.

Klare Worte fand er auch, was die falschen «Meister» betrifft. Vor allem, wenn dem Shaolin-Kung-Fu noch der Hauch des Fremden, Exotischen anhafte, sei die Möglichkeit von Fehlinterpretationen gross. «Die Bewegungen sind schön, anmutig, kraftvoll und fliessend; die Waffen sind geschmeidig und beeindruckend.» Genau dies werde von Schulen und «Meistern» häufig ausgenutzt. Um Shaolin-Kung-Fu verstehen und leben zu können, bedürfe es zwischen Schüler und Meister einer Verbindung, die über ein kommerziell geprägtes Verhältnis hinausgehe, so Stutz. Er und sein Meister Shi De Feng sind auch heute noch in engem Kontakt.

Daniela Sattler

redaktion@zugerzeitung.ch


Hinweis

Roger Stutz hat über seine Erfahrungen ein Buch verfasst: «Die Tugenden des Shaolin-Kung-Fu». Informationen unter www.shaolin-buch.ch.