ZUG: Auf den Schienen soll es endlich leiser werden

Züge, die im Westen des Bahnhofs einfahren, verursachen oft einen ohrenbetäubenden Lärm. Das Problem ist bei den SBB längst bekannt. Jetzt naht Besserung.

Marco Morosoli
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Den ohrenbetäubenden Lärm beim Einfahren vieler Züge soll eine Schmieranlage dämpfen. (Bild Dominik Hodel)

Den ohrenbetäubenden Lärm beim Einfahren vieler Züge soll eine Schmieranlage dämpfen. (Bild Dominik Hodel)

Am Gleis 4 im Zuger Bahnhof stehen viele Leute. Sie warten auf den Interregio-Zug, der von Zürich nach Luzern unterwegs ist. Die mit einer Lokomotive der Serie Re 460 bespannte Doppelstockkomposition fährt ein. Gespräche können nicht fortgeführt werden, ohne lauter zu werden. Der Grund: Der Interregio verursacht einen ohrenbetäubenden Lärm. Dieser wird durch den Umstand verstärkt, dass die Perrons im Westteil des Zuger Bahnhofs in einer Kurve liegen. Und dies potenziert den Krach noch um einige Dezibel. Das Problem ist nicht neu.

Das bestätigt auch die SBB-Sprecherin Lea Meyer. Jetzt nimmt die Staatsbahn einen neuen Anlauf, um den Lärmpegel zu reduzieren. «Wir bauen im Bahnhof eine neue Schmieranlage. Diese wird voraussichtlich im März installiert», sagt Meyer.

Bei der Anlage handelt es sich um ein weiterentwickeltes System, welches in den Bahnhöfen Bern, Zürich-Flughafen und Zürich-Stadelhofen bereits seit einer Dekade verwendet wird.

Einen Praxistest hat die neue Art der Lärmreduktion schon mal bestanden. Im Bahnhof Luzern ist seit dem Vorjahr eine solche Anlage der neuen Generation bereits in Betrieb. Für den Bahnhof Zug ist sie nun modifiziert worden. Und soll alsbald auch in Biel und in Lausanne-Triage installiert werden.

Flüssigkeit auf Schienen sprühen

Das System, so erklärt Meyer, funktioniert folgendermassen: «Es wird eine dünne Flüssigkeit auf die Schienen gesprüht, die von den Rädern über die Schienen verteilt wird. Zusätzlich verfügt jeder Zug heute über eine Spurkranzschmierung, die Lärm ebenfalls vermindert.» Mit dieser Massnahme wollen die SBB das sogenannte «Kurvenkreischen» vermindern. Dabei komme, so ergänzt die SBB-Sprecherin, ein wissenschaftlich fundierter Lösungs­ansatz zur Anwendung.

Doch Lea Meyer dämpft allzu hohe Erwartungen in die neue Anlage im Bahnhof Zug: «Das ‹Kurvenkreischen› ist ein physikalisches Problem, das wir leider auch mit der besten Technik nie vollständig eliminieren können.» Wenn Metall an Metall reibt, ist Lärm nicht zu vermeiden. Einzig dessen Intensität kann herabgemindert werden.

Erschwerend kommt hinzu: Das Lärmproblem im Westteil des Bahnhofs Zug tritt nicht immer mit der gleichen Stärke auf. Lea Meyer nennt die Gründe: «Die Witterung spielt eine entscheidende Rolle. Am schlimmsten ist es an kalten, trockenen Tagen. Ist es heiss, ist das Quietschen weniger stark. Es ist lediglich ein weiches Kratzen zu hören.» Eine ideale Wetterlage ist ausgerechnet diejenige, die sich ein jeder nicht allzu häufig wünscht: Regnet es nämlich, laufen die Räder der Zugachsen meist sprichwörtlich wie geschmiert. Fakt ist laut Meyer, dass das «Kurvenkreischen» und die Bahn so lange Schwestern sind, als Züge mit starren Achsen auf dem Schweizer Schienennetz unterwegs sind.

Modernere Züge – weniger Lärm

Immerhin gilt es zu bemerken, dass moderne Züge leiser sind als solche früherer Baujahre. Mitentscheidend bei der Lärmentwicklung sind aber nicht nur die Zugachsen an sich, sondern auch die Qualität der Drehgestelle und nicht zuletzt die Geschwindigkeit, mit welcher der Zug unterwegs ist.

Auf die Frage, wieso nicht einfach noch mehr Schmiermittel aufgetragen werde, sagt SBB-Sprecherin Lea Meyer: «Es darf nicht zu viel Schmier­mittel auf die Schienen gelangen, sonst können die Züge nicht mehr effizient abgebremst werden.»

Und das wiederum wäre ja kaum im Sinne der Nutzer des öffentlichen Verkehrs und der Eisenbahnen, die berechtigterweise ein hohes Sicherheitslevel einfordern.

Marco Morosoli

Tüftler hat einen anderen Ansatz

mo. Der Solothurner André Kopfmehl hat bei der Bekämpfung des «Kurvenkreischens» einen anderen Ansatz. Er will die festen Anlagen – eine solche wird bald im Bahnhof Zug eingebaut – ersetzen und Züge mit einer Schmieranlage bestücken. Diese würde dann in die Wagen eingebaut. Bei der Oensingen-Balsthal-Bahn (OeBB) und bei der Matterhorn-Gotthard-Bahn sowie der SBB-Tochter Zentralbahn wird Schmiermittel schon heute so auf die Schienen aufgetragen.

Die SBB hingegen wollen von diesem System nichts wissen. «Eine solche Ausrüstung auf alle Fahrzeuge zu montieren, dürfte kosten- und betriebsseitig den Rahmen sprengen», sagt SBB-Sprecherin Lea Meyer dazu. Sie fügt auch noch an, dass dadurch die Gefahr der unkontrollierbaren Verschmutzung der Schienen eintreten könnte. Dies sei auch eine Gefahr für das Grundwasser. «Daher ist unsere Strategie, in den kritischen Stationen stationäre Schienenschmieranlagen einzubauen, aus unserer Sicht die richtige Wahl», sagt Meyer. Fakt ist aber laut einem Bericht der «Aargauer Zeitung», dass Bahnen im Ausland immer häufiger auf mobile Systeme setzen.