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ZUG: Auf Patrouille im Schlauchboot der Polizei

Elf Polizisten des Korps der Zuger Polizei sind neben ihrem eigentlichen Dienst auch auf den Gewässern im Kanton im Einsatz. Unsere Zeitung durfte zwei von ihnen begleiten und fragte sie auch nach der Sinnhaftigkeit ihres Auftrags.
Raphael Biermayr
Die Polizisten Pfister (vorn) und Wettach lassen ihren Blick über das Geschehen im Zuger Hafen schweifen. (Bild: Raphael Biermayr (16. Juli 2017))

Die Polizisten Pfister (vorn) und Wettach lassen ihren Blick über das Geschehen im Zuger Hafen schweifen. (Bild: Raphael Biermayr (16. Juli 2017))

Raphael Biermayr

raphael.biermayr@zugerzeitung.ch

Als Polizist lernt man, über den Dingen zu stehen. Im Einsatz als Seepolizist auf dem Zugersee ohnehin – denn offensichtlich belächeln manche diese Tätigkeit. «Beim Einwassern des Boots vorhin hat jemand gesagt, wir würden böötlen gehen statt zu arbeiten. Das trifft einen schon etwas», sagt der Polizist «T. Pfister» (Vornamen dürfen nicht veröffentlicht werden). «Aber man kann es auch so sehen: Welcher Arbeitsort ist schöner als dieser?» Pfister, der dank adretter Erscheinung und präziser Ausdrucksweise einem Katalog für Modellpolizisten entsprungen sein könnte, und sein Kollege «G. Wettach» sind an diesem Sommernachmittag auf Patrouille auf ihrem Schlauchboot. Dieses sieht aus wie ein Vergnügungsboot mit aufgesetztem Blaulicht. Die Niedlichkeit des Boots fördert vermutlich Kommentare wie den eingangs erwähnten, zumal es nicht einmal sturmfest ist. Aber man kann es auch von einer anderen Seite betrachten: ­Hätte die Polizei ein riesiges Hightechschiff, würde es wohl abschätzige Kommentare betreffend die Verhältnismässigkeit vor dem Hintergrund der kantonalen Sparbemühungen geben.

Pfister ist seit über zehn Jahren Mitglied der «Gewässerpolizei und Umwelt», wie die Seepolizei offiziell heisst. Er zeichnet als technischer Leiter für ­diese verantwortlich und verhehlt nicht, dass er sich bessere Einsatzmittel wünscht. Aber er sieht die Situation pragmatisch. Die Autorität sei deshalb nicht in Frage gestellt. «Im Gegensatz zu anderen Kantonen hat die Zuger Polizei in der Bevölkerung allgemein einen guten Ruf», hält er fest. Dabei hilft, im Dienst Augenmass zu bewahren. Jenes ist auf dem Wasser häufig angezeigt, denn das Abschätzen von Distanzen ist ohne Hilfsmittel schwierig. So gilt zum Beispiel innerhalb der Uferzonen (bis zu 300 Metern vom Ufer entfernt) eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 10 Kilometern pro Stunde. «Nicht jeder hat ein Radar an Bord», weiss Wettach und führt aus: «Wenn jemand also in 290 Metern Entfernung bereits beschleunigt, sind wir tolerant.»

Übermütige Gummibootkapitäne

Im Vergleich zum Dienst auf der Strasse geht es auf dem See manchmal lockerer zu und her. Pfister bestätigt diesen Eindruck, der von der Gelassenheit der Seenutzer genährt wird. «Die Leute sind hier in ihrer Freizeit. Zeitdruck, wie im Strassenverkehr, ist hier kaum vorhanden», erklärt er. Elf Mitglieder des Zuger Korps verfügen über die Ausbildung, die sie zum Einsatz auf den Gewässern berechtigt. Sie sind alle in anderen Diensten eingeteilt und als Nebenaufgabe saisonal auf dem Wasser. Auf unterschiedlichen Booten patrouillieren sie in der Saison von Anfang Mai bis Ende September neben dem Zugersee und dem Ägerisee auch auf der Reuss. Dort weisen sie vorwiegend übermütige Gummibootfahrer auf die Gefahren von Brückenpfeilern hin.

Bei den nicht ausweispflichtigen Freizeitkapitänen sei nicht selten Alkohol im Spiel. Das gilt nur bedingt für die Führer von Motorbooten, wie die Erfahrung der Polizisten zeigt. Seit 1. Januar 2014 sind die Gesetze auf den Gewässern klar. Es gilt die Grenze von 0,5 Promille (auf dem Wasser wird noch diese Masseinheit verwendet) – zuvor lag die «Fahrtüchtigkeit» im Ermessen der Polizisten. Auch auf dem See wird bei einem «Verdachtsmoment» ein Atemalkoholtest durchgeführt, sagt Pfister. Dieser ist auf dem See aber schwierig auszumachen, da es auf Schiffen im Gegensatz zu Autos keine Fenster gibt, hinter denen sich der Alkoholgeruch stauen kann. Insgesamt sei die Disziplin auf den Zuger Seen gemäss Pfister «gut». Das bewahrheitet sich während der Patrouille an diesem Nachmittag, mit Ausnahmen: Eine ausserhalb der Uferzone fahrende, Englisch sprechende Kajakfahrerin wird daran erinnert, dass sie eine Rettungsweste mitführen muss. Und ein Schiffsführer hat die Abgaswartung versäumt. Die Buchstaben des Gesetzes verlangen in diesem Fall eine Anzeige. Pfister befragt den Schiffsführer und räumt ihm damit vorschriftsgemäss das Recht ein, sich zu äussern. Darüber hinaus betreibt der Polizist auch Smalltalk, das im Jargon «Community Policing» heisst, wie sein Kollege Wettach einwirft.

Vor allem in der Prävention

Nach gefährlichen Einsätzen und Unfällen auf dem Wasser gefragt, müssen die beiden Polizisten nachdenken. Gleiches gilt bei der Frage nach kuriosen Einsätzen. Nicht zum ersten Mal an diesem Tag wird klar, dass die Seepolizei sich vor allem damit befasst, auf potenzielle Gefahren aufmerksam zu machen: Unsachgemässe Wassersportgeräte gehören genauso dazu wie unvollständige Schiffs-Mindest-Ausrüstung, das alkoholisierte und überhitzte Baden, insbesondere im Bereich von Anlegestellen der Kursschifffahrt, oder das Nichterkennen eines aufziehenden Unwetters.

Braucht es dafür wirklich die Polizei? «Das Wichtigste für uns ist, dass möglichst keine Unfälle passieren und Personen in Gefahr geraten», antwortet Pfister indirekt. Sein Kollege Wettach sagt in einem anderen Zusammenhang einen schönen Satz, der ebenfalls als Antwort darauf verstanden werden kann: «Man muss sich immer bewusst sein, dass es auf dem Wasser länger dauert, bis Hilfe da ist.»

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